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Ölverseucht: Saarbrücker Heidenkopferdell soll saniert und erweitert werden

Blick über das ehemalige Gelände von Saar-Hochdruck in Richtung Heidenkopferdell. Fotos: Becker&Bredel

Blick über das ehemalige Gelände von Saar-Hochdruck in Richtung Heidenkopferdell. Fotos: Becker&Bredel

Die Warnung kam Anfang Dezember. Ein Unbekannter hängte in mehreren Treppenhäusern am Heidenkopferdell bunte Zettel aus – mit Kostproben aus dem städtischen „Bebauungsplan ehemaliges SHD-Gelände und östliche Quellenstraße“. Der steht auf der Internet-Seite der Stadt.

Er sieht unter anderem vor, zwischen Heidenkopferdell und Quellenstraße ein neues Wohnviertel zu bauen. Und im Plan heißt es: „Die Erschließung des gesamten Viertels erfolgt über das Wohngebiet an der Heidenkopferdell.“

Da staunten etliche Heidenkopfer. Schließlich ist ihre Zubringer-Sackgasse „Am Heidenkopferdell“ so schmal, dass dort meist keine zwei Autos an einander vorbeipassen – weil mindestens eine Seite der Gasse zugeparkt ist. Und ganz am Ende – wo laut Plan die Abzweigung ins neue Viertel hin soll – gibt's nicht mal einen Bürgersteig. Mehrere Heidenkopfer wandten sich an die SZ. Die wiederum erkundigte sich im Stadtplanungsamt und im Landesamt für Umweltschutz – und erfuhr Folgendes.

Hier liegt ein Irrtum vor. Der Plan im Internet ist überholt – und die ganze Sache sieht so aus: Tatsächlich arbeitet die Stadt an einem neuen Bebauungsplan für zwei Geländeteile. Der erste liegt zwischen Heidenkopferdell und Quellenstraße. Der zweite schließt sich an, liegt also zwischen der Quellenstraße und dem Gewerbegebiet an Peter-Zimmer-Straße und Eschbergerweg.

Für beide Teile zusammen gibt es zwar schon einen Bebauungsplan – aber der ist von 1985. Darin ist der erste Teil als „eingeschränktes Gewerbegebiet“ ausgewiesen. Der Boden dort ist ölverseucht – er muss rund zehn Meter tief abgetragen werden, bevor jemand darauf wohnen darf. Außerdem gibt's noch über- und unterirdische Tanks, die weg müssen. Letzter Eigentümer war die Firma Saar-Hochdruck (SHD). Sie hatte das Gelände schon ölverseucht übernommen. Die SHD ist seit 2008 pleite.

2013 meldete sich die Firma Neue Energie Saar (NES) bei der Stadt. Die NES will das SHD-Gelände aus der Insolvenzmasse kaufen, sanieren und zehn Mehrfamilienhäuser , 12 bis 15 Meter hoch, mit insgesamt rund 250 Wohnungen und Tiefgaragen bauen.

Um das zu ermöglichen, muss die Stadt den alten Bebauungsplan ändern – und zwar wie folgt: Das SHD-Gelände muss zum Wohngebiet erklärt werden. Der angrenzende zweite Geländeteil muss zu etwa einem Drittel (direkt an der Quellenstraße) zum Mischgebiet werden und der Rest zum „eingeschränkten Gewerbegebiet“. Das bestehende „uneingeschränkte Gewerbegebiet“ an Eschbergerweg und Peter-Zimmer-Straße kann bleiben, wie es ist.

Also entwickelte die Stadtverwaltung – in Absprache mit der NES – einen „städtebaulichen Entwurf“. Am 10. Juni 2015 verkündete die Stadt im Wochenblatt (dient als Amtsblatt), dass der Entwurf bis 24. Juni im Planungsamt aushängt und dass es am 24. Juni dazu einen Info-Abend gibt. Etwa fünf Leute – so erinnert sich Klaus Bried vom Planungsamt – sahen sich den Entwurf an, knapp zehn kamen zum Info-Abend.

Im November ging der Entwurf an den Gestaltungsbeirat. Sowohl mehrere Bürger als auch der Beirat kritisierten, dass nach diesem Plan der gesamte Verkehr in das neue Viertel über die Gasse „Am Heidenkopferdell“ fließen sollte.

Die Stadt akzeptierte die Einwände und machte einen neuen Entwurf. Bei dem ist nur noch eines der künftigen Gebäude mit dem Auto über das Heidenkopferdell zu erreichen. Die Eingänge dieses Hauses werden direkt am unteren Teil der Gasse liegen. Zu allen anderen Gebäuden kommt man – mit dem Auto – nur über die Quellenstraße. Lediglich ein Rad- und Fußweg wird das Heidenkopferdell mit der Quellenstraße verbinden. Trotzdem werden alle Gebäude im neuen Wohngebiet der Gasse „Am Heidenkopferdell“ zugeschlagen – ihre Adressen lauten dann: „Am Heidenkopferdell“ plus Hausnummer. Alle haben dann die Postleitzahl des unteren Rotenbühl, die 66123.

 

Meinung:
 

Ein neuer und ein alter Fehler

Von SZ-RedakteurJörg Laskowski

Zwei Dinge sind hier schiefgelaufen. Erstens: Die Stadt ließ einen „überholten“ Plan auf ihrer Internet-Seite. Der sorgte für Angst und Ärger. Angst hatten einige Heidenkopfer davor, dass in ihrer Gasse künftig das Chaos kein Ende mehr nimmt. Geärgert haben sie sich, weil sie dachten, die Stadt macht das, weil der Investor seine Wohnungen unbedingt mit Adresse „Am Heidenkopferdell“ verkaufen will – quasi als Qualitätssiegel. Aber der Investor sagt ausdrücklich, ihm ist die Adresse wurscht. Also weshalb Chaos stiften? Zweitens: Früher durfte die Industrie in der Stadt fröhlich wertvolle Grundstücke verseuchen. Wenn man heute dort bauen will, müssen die horrenden Entgiftungskosten wieder reinkommen. Man kann also nicht einfach hinstellen, was am schönsten wäre, sondern nur etwas, das die Investition wieder reinbringt. Tja, und investieren können nur Private – weil die Stadt ja pleite ist. Das wissen auch die Heidenkopfer. Und einige fürchteten: Das alles bezahlen wir jetzt mit unserer Wohnqualität. Da war es richtig, sich zu wehren.


 

 

Zum Thema:

Hintergrund„Wir wollen hochwertige Eigentumswohnungen bauen, 70 bis 140 Quadratmeter groß, mit Dachgärten und Penthäusern. Sie sollen dem Charakter der bestehenden Siedlung Am Heidenkopferdell entsprechen“, versicherte Dirk Müller von der Neuen Energie Saar (NES) auf SZ-Anfrage: „In Saarbrücken wird hochwertiger Wohnraum gesucht. Und es gibt nur wenige Plätze, wo man so etwas hinbauen und es angemessen verkaufen kann.“ Dabei sei es der NES egal, ob die Gebäude nun Adressen „Am Heidenkopferdell“ oder in der Quellenstraße bekommen. Für die Vermarktung der Wohnungen in diesem Gebiet sei das unerheblich. Müller: „Wir haben jetzt schon Nachfragen.“ fitz

 

Zum Thema:

Auf einen BlickDen neuen Plan wird die Stadt an diesem Freitag, 29. Januar, ihrem Gestaltungsbeirat vorlegen – allerdings nicht öffentlich. Wenn da nichts bemängelt wird, könnte der Stadtrat die „Offenlage“ beschließen. Dann dürfen die Heidenkopfer den Plan vier Wochen lang im Diskontohochhaus, 9. Etage, unter die Lupe nehmen – und erneut kritisieren. fitz
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