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Oktoberfeste stehen auch im Saarland hoch im Kurs

Stoff in Weiß und Rot, davor eine dunkle Schürze gebunden, so präsentiert sich das dirndlartige Kleid im Schaufenster der Boutique in der Saarbrücker Kappenstraße. „Ich war letztes Wochenende auf dem Oktoberfest in München und hatte dieses Dirndl an“, erzählt Nancy Tappert, Mitinhaberin des Ladens. Auch bei der Kundschaft lassen Wiesn-Outfits zur Oktoberfestzeit die Herzen höher schlagen. „Sehr viele Leute haben danach gefragt“, berichtet Tappert. „Einige wollten damit nach St. Ingbert zum Oktoberfest.“

 In Trachten-Optik statt nach München zur „saarländischen Wiesn“: In Anlehnung an das bayerische Riesen-Volksfest gibt es mittlerweile im Saarland mehrere Oktoberfeste mit klassischen Wiesn-Elementen. Schon am vergangenen Wochenende war beispielsweise St. Ingbert mit der sechsten Auflage seines „Saarländischen Oktoberfests“ an der Reihe. Der Saarbrücker Flughafen feiert Mitte des Monats in Blau-Weiß. Aktuell begehen die Gäste in Merchweiler ihre „Mega-Wiesn“; und auch die Homburger kehren noch bis Sonntag in ihr Zelt ein, um zu „feiern wie in Bayern“ – so das Motto der Veranstaltung.

Wie St. Ingbert setzt auch Homburg bei der mittlerweile sechsten Auflage der eigenen Wiesn auf typisch bayerische Elemente: „Was das Zelt angeht, orientieren wir uns schon am Original“, sagt Veranstalter Thorsten Bruch. Auch sonst dient München als Vorlage. So standen für Donnerstag der traditionelle Festumzug und das große Böllerschießen auf dem Programm. Es gibt Bier, Weißwurst und Musik.

Bei den Besuchern kommt das offenbar gut an: Die Tische im Zelt seien so gut wie ausgebucht, sagt Bruch. Wie schon 2012 rechne er auch in diesem Jahr wieder mit rund 12.000 Besuchern.

Historisch betrachtet passt das bayerische Oktoberfest sogar nach Homburg: Immerhin hat die Stadt auch eine bajuwarische Vergangenheit. Von 1816 bis 1918 war die Saarpfalz Teil des Königreichs Bayern. Die Historie allerdings diente nicht als Anlass für die Homburger Feierei der Gegenwart. „Das ist Zufall“, sagt Bruch. Ihn habe „die sehr schöne Art zu feiern“ auf die Idee mit dem Homburger Oktoberfest gebracht. „Man hat ja gesehen, wie viele Saarländer immer nach München fahren, da dachte ich, das müsste doch auch im Saarland funktionieren“, erzählt er.
„Es gibt hunderte Volksfeste, die die Struktur des Münchner Oktoberfests nachahmen“, sagt Brigitte Veiz. Die Wahl-Münchnerin ist Oktoberfest-Kennerin, hat Bücher und eine psychologische Studie über das Original-Oktoberfest und dessen Besucher verfasst. Doch all die auswärtigen Nachahmungen „sind immer nur eine Annäherung an die Sache. Die Wiesn lässt sich nicht als solche exportieren“, sagt Veiz.

Die immense Größe des Festes, das Flair der Theresienwiese und nicht zuletzt die Besucher, die sich „am Biertisch verbrüdern“ und „da sitzen mit Gamsbart oder Charivari, dieses Mia-san-Mia-Lebensgefühl, das kann man nicht nachahmen“, sagt die Psychologin.

Exportiert wird trotzdem eifrig. Die Stadt Neunkirchen versucht sich dabei mit einer Mischung aus bayerischer und saarländischer Tradition. Am letzten Oktoberwochenende, wenn in München schon längst das letzte Bier gezapft ist, feiert Neunkirchen im Festzelt und zu bayerischen Spezialitäten sein viertes Oktoberfest.

Der Zeitpunkt für das Fest liegt in der eigenen Tradition begründet, ist der letzte Sonntag im Oktober in der Kreisstadt doch traditionell der „,Mantelsonntag’, weil man sich in früheren Jahrzehnten an diesem Tag den neuen Mantel für den Winter zugelegt hat“, erklärt Markus Müller von der Stadtverwaltung. Weil dieser verkaufsoffene Sonntag von jeher mit großen Aktionen kombiniert worden sei, sei die Idee des Oktoberfestes auf dem Stummplatz entstanden. Und wo in München die Bavaria auf die Festbesucher herabblickt – so tut es in Neunkirchen eben der Freiherr von Stumm-Halberg.
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