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Oliver Luksic neuer Chef der Saar-FDP

Von SZ-Redakteur Oliver Schwambach

Merzig. Wie war das gleich noch mit dem Bild, das mehr als tausend Worte sagt? Bei der Saar-FDP soll dies’ Bild ein Wort bloß sagen: Geschlossenheit. Samstag, 17.42 Uhr, wird es in der Merziger Stadthalle für die Kameras arrangiert: der frisch gekürte Landeschef Oliver Luksic, sein Vorgänger Christoph Hartmann und der abgeschlagene Konkurrent Georg Weisweiler. Seit’ an Seit’, lachend, Daumen hoch: Nach diesem Bild haben sich viele der derzeit gut 1800 FDP-Mitglieder im Lande in den vergangenen Monaten gesehnt, als Personal-Querelen, die Affäre um die liberale Stiftung „Villa Lessing“, breit getretener Streit zwischen Alt-Vorderen und der seinerzeitigen Führung an der liberalen Seele zerrten – und schließlich Fraktionschef Horst Hinschberger und in der Folge auch Hartmann den Hut nahmen.

Doch das Parteitags-Schlussbild dürfte mehr als eine Pose sein. Das mit 251 von 329 gültigen Stimmen, mit 76,3 Prozent, so überaus klare Ergebnis für den 31-jährigen Luksic, der freilich auch als Favorit startete, sagt auch dieses: Die Saar-FDP will sich wieder zusammenraufen. Um das, was man mit dem nun abgelösten Landeschef Hartmann in neun Jahren erreicht hat, nicht zu verspielen. Die Regierungsbeteiligung an der Jamaika-Koalition etwa, die Mandate vom Europa- bis zu den Kommunalparlamenten.

Luksic, der seit 2009 für die FDP im Bundestag sitzt, aber auch seit Jahren als Ortsverbandschef in Heusweiler kommunalpolitisch geerdet ist, appelliert denn auch in Merzig an das Gemeinschaftsgefühl der Freidemokraten, beschwört den Aufbruch in seiner knappen Bewerbungs – und dann auch Antrittsrede: „Ich will, dass wir zusammen unser Profil schärfen. Ich will, dass wir wieder Spaß haben an inhaltlichen Diskussionen.“ Luksic’ Ton ist kämpferisch, emotional aufgekratzt.

Konkurrent Georg Weisweiler lässt sich mehr Zeit für seine Vorstellungen. Der Gesundheitsminister moduliert den Ton auf staatsmännisch, spricht das „Hohe Präsidium“ an, will „Stabilität in der Landesregierung“ sichern. Das aber verfängt bei den Parteifreunden nicht. 69 Stimmen sind es am Ende nur für den 64-Jährigen, der erst seit viereinhalb Jahren ein FDP-Parteibuch hat, von der CDU kam. „Ich hätte ein besseres Ergebnis für mich erwartet“, sagt Weisweiler enttäuscht. Das Angebot neben Luksic Vize-Parteichef zu werden, lehnt er ab. Sein Ministeramt aber werde durch das Resultat nicht belastet, ist Weisweiler sich sicher. Und der gewesene wie der neue Parteichef pflichten ihm bei.

Andere dagegen tun hinter kaum vorgehaltener Hand kund: Da müsse einer sich schon fragen, ob er der Richtige sei, wenn er so wenig Rückhalt in der Partei habe. Gleich wieder ein Riss im neuen Einigkeitsbild? Vielleicht artikuliert sich da aber auch bloß noch der Dissens der Vormonate. Wie sehr es in der Partei gärte, lässt sich etwa an einer hitzig aufflammenden Debatte über Redezeitverkürzung und den letztlich mit 211 zu 120 Stimmen abgewiesenen Antrag des Ortsverbands Neunkirchen ablesen, den gesamten Vorstand neu zu wählen. Dazu kommt der aufgestaute Unmut auch am Führungsstil Hartmanns, der in mageren Wahlergebnissen als Landesvorsitzender (zuletzt 66 Prozent im Juni 2010) seine Vorboten hatte. Knapp anderthalb Minuten herzlichen Beifall bekommt der nach seiner Abschiedsrede als Landeschef. Stehender Applaus von den allermeisten Delegierten, aber nicht von allen.

Nachdenklich, ohne allzu große Emotionalität zieht Hartmann, der Wirtschaftsminister bleibt, Bilanz. Man habe viel zusammen erreicht, sei vom „politischen Club“ wieder zu „einer politischen Kraft“ erstarkt. Aber er merkt auch selbstkritisch an, er habe es nicht vermocht, dass die Partei stolz auf diese Leistung sei. „Ich werde mich auch weiterhin in den Dienst der Partei stellen, aber nicht mehr als Landesvorsitzender“, zieht Hartmann, offenbar auch erleichtert einen Schlussstrich unter seine Zeit als Parteichef. So lehnt er auch einen Vorschlag aus dem Plenum, doch wieder zu kandidieren, dankend wie umgehend ab.

Nun also wird die Saar-FDP von einer durchgängig jungen Riege geführt. Neben Luksic und Christian Schmitt (29), der seit Jahresbeginn an der Spitze der Fraktion steht, wurde Juli-Chef Sebastian Greiber (30) in Merzig zum stellvertretenden Partiechef gewählt. An ihnen ist es jetzt das Wunschbild liberaler Geschlossenheit Wirklichkeit werden zu lassen.

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