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Orgelbauer Stephan Mayer aus Heusweiler muss oft gegen den Schimmel ankämpfen

Orgelbauer Stephan Mayer in seiner Heusweiler Werkstatt.

Orgelbauer Stephan Mayer in seiner Heusweiler Werkstatt.

Als leere Hülle steht das Gehäuse der Orgel in der Werkstatt der Orgelbaufirma Hugo Mayer in Heusweiler . Das Innenleben der historischen Orgel der Nikolaus-Kirche in Rösrath bei Köln dagegen verteilt sich auf die verschiedenen Räume der Orgelwerkstatt. Säuberlich aufgereiht liegen die metallenen Orgelpfeifen der verschiedenen Register in speziellen Kästen, große Pfeifen stehen an der Wand. Teilweise sind sie eingerissen, müssen gelötet werden, teilweise müssen sie auch ausgebeult werden. Im Nebenraum werden historische Holzpfeifen einer Holzwurm-Kur unterzogen, einen Raum weiter wiederum werkeln die Mitarbeiter an den Windladen sowie der filigranen Mechanik , die jeden einzelnen Tastendruck letztlich in Töne verwandelt.

Ein Orgelbauer muss in vielen Gewerken zu Hause sein, sagt Orgelbaumeister Stephan Mayer, der den in den 50er Jahren gegründeten Betrieb in dritter Generation führt. Metallbau gehört ebenso dazu wie Holzverarbeitung , aber auch mit der Elektrik müssen sich die Orgel-Spezialisten auskennen. „Ich würde mich aber am ehesten zu den Schreinerberufen zählen“, sagt Mayer, der das Orgelbau-Handwerk nicht im väterlichen Betrieb, sondern bei der bayerischen Orgelbaufirma Sandtner gelernt hat.

Die Rösrather Orgel ist Beleg dafür, was Orgelbauer in Deutschland aktuell vor allem beschäftigt: Restaurierung und Instandhaltung bestehender Orgeln. Denn Neubauten gibt es – anders als in den 70er und 80er Jahren – kaum noch. „Wenn überhaupt, wird heute noch in Asien und Russland gebaut – vornehmlich Konzertorgeln“, sagt Mayer. Um die wenigen Neubau-Aufträge gibt es weltweit eine harte Konkurrenz. „Deutsche Orgelbauer haben zwar wegen der Orgelkultur mit großen Orgelbauern und Komponisten wie Bach einen guten Ruf“, sagt Mayer, doch auch in Deutschland sind mit rund 200 Betrieben viele Mitbewerber aktiv. 2013 hatte Mayer das Glück, den Neubau einer großen Konzertorgel in Penza südlich von Moskau zugesprochen zu bekommen, und auch der Neubau der Orgel in der St.-Kastor-Basilika in Koblenz landete in der Werkstatt in Heusweiler .

Dass die Orgelbauer hierzulande überhaupt zu tun haben, liegt vor allem an der Heizkultur in den Gemeinden. Denn wegen der hohen Energiepreise werden viele Kirchen vor Gottesdiensten schnell hochgeheizt, um danach schnell wieder abzukühlen. Gift für die Orgeln sei das, sagt Mayer. Durch das schnelle Heizen nimmt die Luft während des Gottesdienstes viel Feuchtigkeit auf, die sich dann in der im Inneren noch kalten Orgel niederschlägt. „Wir haben in vielen Orgeln mit Schimmelproblemen zu kämpfen“, sagt Mayer. Anfangs befällt der Pilz vor allem die Lederteile oder macht sich mit Stockflecken auf dem Holz bemerkbar. Im Laufe der Zeit kann er aber auch die Holzpfeifen dauerhaft schädigen. Arbeit gibt es also eigentlich genug für Orgelbaufirmen in Deutschland. Das Problem allerdings: „Den Kirchen laufen die Mitglieder weg, viele Gemeinden werden zusammengelegt, haben kein Geld mehr für die Orgelpflege“, sagt er. Insofern werden die Instrumente oft nicht ausreichend gewartet. Mayer kann das auf der einen Seite verstehen: Allein das Stimmen einer Orgel – jede der weit über tausend Pfeifen wird nach Gehör gestimmt – dauert Tage. Auf der anderen Seite werden die Schäden mit der Zeit immer größer.

Insgesamt ist der Markt rückläufig. Es gibt weniger Ausschreibungen , Aufträge bleiben aus. Mayer musste deshalb reagieren und Ende vergangenen Jahres seine Mannschaft von 25 auf 15 Mitarbeiter verkleinern. Und wenn nun wieder ein Großauftrag, vielleicht sogar ein großer Neubau ansteht? „Dann hätte ich kein Problem damit, auch mit anderen Orgelbauern zu kooperieren.“
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