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Ormesheimer gewinnt zweifachen Ironman-Triathlon

Ormesheim/Virginia. Lake Anna, Virginia, USA. Es ist der frühe Morgen des 8. Oktober, sieben Uhr Ortszeit. Nebel liegt über dem See und im flachen Uferwasser stehen 20 Männer und zwei Frauen im Neoprenanzug. Mittendrin trompetet der Diplom-Musiker Tristan Vinzent aus Ormesheim die Nationalhymne der Vereinigten Staaten. Danach fällt der Startschuss.

So bizarr dieses Szenario ist, so bizarr ist auch der Wettbewerb, den Vizent hier antrompetet: einen doppelten Ironman. Ein einfacher Ironman-Triathlon besteht aus 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einem Marathon, ein doppelter Ironman dauert, nun ja, eben doppelt so lang, also 7,6, 360 und 84,4 Kilometer. Tristan Vinzent wird den Wettbewerb später gewinnen, als erster Deutscher überhaupt. Aber davon ahnt er noch nichts, er hat noch nie zuvor eine solche Distanz zurückgelegt. Erst einmal muss er zwölf Runden absolvieren. Das dauert ungefähr drei Stunden. Der 47-Jährige kommt als Sechster aus dem Wasser und steigt aufs Rad.

Seine sportliche Laufbahn begann an einem Ort, der, zumindest gefühlt, am weitesten von Lake Anna in Virginia entfernt ist: auf den Ascheplätzen des Bliesgaus. Beim TuS Ormesheim spielte Vinzent in der Jugend Fußball und schoss 130 Tore in der Saison. „Ich hatte ein Angebot vom 1. FC Saarbrücken“, erzählt er, „aber ich habe mich dann für die Schule entschieden“. Die „Schule“ ist die Musikhochschule des Saarlandes. Trompete im Hauptfach, Schlagzeug im Nebenfach.

Zurück auf dem Rad, Vinzent geht die 360 Kilometer (Die Strecke Saarbrücken – Zürich hat nur 340 Kilometer) an. Die ersten 150 Kilometer fährt er komplett durch, mit einem Schnitt von 31 Kilometern in der Stunde. „Die Strecke war nicht flach und es war ein Rundkurs von acht Kilometern“, sagt er. Macht 45 Runden. „Aber man kriegt dort keinen Drehwurm. Außerdem geht es nicht anders, wegen der Verpflegung“, erklärt Vinzent. Die Verpflegung: Ein, laut Vinzent, sehr wichtiger Aspekt bei einer solchen Veranstaltung. „Es ist wichtig, dass du bei solchen Ausdauerwettbewerben richtiges Essen zu dir nimmst. Keine dieser Gel-Tuben.“ Und wie muss man sich das vorstellen? Dass er am Streckenrand steht und Nudeln isst? „Nein, bei mir war es meistens Geschnetzeltes mit Reis. Ab und zu auch mal Nudelsalat, Joghurt oder Obst mit Sahne.“

Der Geschnetzeltes-Energieschub scheint zu wirken. Er kassiert auf dem Rad einen nach dem anderen, geht irgendwann am bis dahin führenden Michael Ward aus Großbritannien vorbei. „Der hat mich dann nur noch ‚Ironmachine' genannt“, erzählt er lachend. Er fährt bis zum Ende zwei Runden Vorsprung auf Ward heraus. Um 22.30 Uhr wechselt Vinzent auf die Laufstrecke, nach 15,5 Stunden Wettkampf stehen noch schwache 84,4 Kilometer zu Fuß an.

Eigentlich kein Problem für ihn, denn seine Ausdauerkarriere fing mit einem Marathon-Lauf an. „Wir saßen damals in Berlin in der Kneipe. Einer sagte, er laufe demnächst den Berlin-Marathon. Ich habe dann gewettet, dass ich so was auch locker schaffe, obwohl ich nichts mit Laufen am Hut hatte.“ Er blieb dabei, lief zunächst Marathons, wechselte dann zum Triathlon und absolvierte 2001 seinen ersten Ironman.

Auf der Strecke ist es mittlerweile stockdunkel. Vinzent läuft mit Stirnlampe. „Irgendwann wusste ich zwar nicht mehr, in welcher Runde ich bin. Aber ich wusste, ich werde das Ding gewinnen. Damit hätte ich niemals gerechnet.“ Morgens um halb 11 Uhr läuft er ins Ziel ein. Und was tut ein Diplom-Musiker, der nebenbei noch ein Jugendorchester in Mainz dirigiert, nach 27 Stunden, 43 Minuten und sechs Sekunden Schwimmen, Radfahren, Laufen und Schinden? Er trompetet, selbstverständlich. Diesmal aber die deutsche Nationalhymne. Sein Ziel für kommendes Jahr steht fest: der Triple-Ironman. Der wird an gleicher Stelle auch angeboten. „Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass so etwas unmöglich ist. Als ich das begriffen hatte, war der Rest nicht mehr so schwierig“, sagt Tristan Vinzent nüchtern.

Diplom-Musiker, Dirigent, Fast-FCS-Spieler, Ormesheimer und Sieger beim doppelten Ironman in Virginia, USA. Wer würde ihm nach dieser Geschichte schon nicht glauben?

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