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Orthopäden melden Protestaktionen an

 Saarbrücken. Viele niedergelassene Orthopäden im Saarland sind sauer. Der größte Teil von ihnen gehört zu den größten Verlierern der neuen Honorarregelung für Kassenärzte. Die Mediziner wollen das „miserable“ Ergebnis nicht hinnehmen. Der Vorsitzende ihres Berufsverbandes, der Völklinger Orthopäde Dr. Gerd Lanzer, kündigte für die Zeit kurz vor der Bundestagswahl im September einen Aktionstag an. „Es wird heftig werden“, sagte der Mediziner der SZ. Auch in den Arztpraxen werde „individuell etwas stattfinden“. Einzelheiten würden im Verband noch erörtert.

Die Orthopäden mussten angesichts der Anfang des Jahres in Kraft getretenen Honorarreform im ersten Quartal Verluste von durchschnittlich 4,8 Prozent hinnehmen. Zu den Verlieren zählen auch die Anästhesisten, Urologen und Augenärzte. Lanzer spricht von „schockierenden Zahlen“ beim Blick auf die Abrechnungen. „Wenn für 90 Prozent der Leistungen, die ein Orthopäde erbringt, nur 15 Prozent aus dem Honorartopf kommen, dann kann das nicht funktionieren“, beklagt der Verbandschef. Für die Grundversorgung der Patienten sollte mehr Geld bereitgestellt werden. Unter den gegenwärtigen Perspektiven könnten Praxen nicht weitergeführt werden.
 
  Wenn 64 Prozent der Orthopäden den Gürtel enger schnallen müssten, seien auch Entlassungen beim Personal nicht ausgeschlossen, gibt Lanzer zu bedenken. Zurzeit prüfe die Arbeitsverwaltung, ob Kurzarbeitergeld für die ärztlichen Mitarbeiter in Frage komme. Angesichts der Honorar-Diskussion dürfen laut Lanzer die gesundheitspolitischen Überlegungen der Ärzteschaft allerdings nicht in den Hintergrund treten. So gehe es um die freie Facharzt-Wahl für den Patienten und den Erhalt der fachärztlichen, wohnortnahen ambulanten Versorgung.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Saarland, Dr. Gunter Hauptmann, zeigt Verständnis für den Unmut der Orthopäden. Er spricht von „Unebenheiten in der Gebührenordnung“, die im so genannten Bewertungs-Ausschuss zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen besprochen werden müssten. Hauptmann warnt im Rahmen möglicher Protestaktionen vor einer „Politisierung der Praxen“. Er empfiehlt eine Großveranstaltung in Saarbrücken, um auf die komplexen Probleme der Ärzteschaft aufmerksam zu machen.
 
  Da die saarländischen Ärzte insgesamt zu den Gewinnern der Honorar-Reform zählen (plus zwölf Millionen Euro, das sind 13,2 Prozent), sprach Hauptmann von einem „schönen Ergebnis fürs erste Quartal“. Er kritisierte allerdings, dass von dem Honorar-Zuwachs die Haus- und Fachärzte recht unterschiedlich profitierten. Er wies darauf hin, dass 60 Praxen unter den KV-Schutzschirm genommen worden seien, da sie einen Rückgang bei den Honoraren von über fünf Prozent zu verkraften hätten. 220 000 Euro habe man an die Verlierer gezahlt.Guido Peters  
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