A8 Luxemburg - Saarlouis AS Perl in beiden Richtungen Anschlussstelle gesperrt, Baustelle bis 20.11.2017 06:00 Uhr (09.10.2017, 05:53)

A8

Priorität: Sehr dringend

2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Orthopädie-Schuhmacher: Bildungsminister lässt Handwerk im Regen stehen

Der Nachwuchs im Orthopädie-Schuhmacherhandwerk muss künftig nach Gotha zum Blockunterricht an die Berufsschule. Nach dieser überraschenden Botschaft haben die ersten Auszubildenden bereits gekündigt.

Saarbrücken.
Hiobsbotschaft für die rund 40 saarländischen Orthopädie-Schuhmacherbetriebe aus dem Bildungsministerium: Wenige Tage vor dem Schuljahresbeginn steht fest, dass die etwa 25 Auszubildenden der Branche nicht mehr im Saarland zur Berufsschule gehen können. Der Nachwuchs soll, wie das Ministerium auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, im thüringischen Gotha unterrichtet werden. Betroffen vom überraschenden Schulwechsel sind dabei auch Auszubildende, die kurz vor der Gesellenprüfung stehen.

Landesinnungsmeister Paul Peter Zender reagiert sauer auf die ministerielle Botschaft: „Das Ministerium lässt das Handwerk im Regen stehen. Uns laufen jetzt die Auszubildenden weg.“ Für den Nachwuchs und auch die Betriebe sei es unzumutbar, mitten in der Ausbildung die Schule und das Bundesland zu wechseln. Zender: „Ich habe den Eindruck, dass im Saarland seit der Jamaika-Koalition alle barfuß unterwegs sind und unser Handwerk nicht mehr brauchen.“

Erik Harms, Sprecher von Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) teilte mit, der bislang zuständige Fachlehrer sei in den Vorruhestand gewechselt. Ersatz habe man auf dem Arbeitsmarkt nicht finden können.  Eine Übergangslösung, um den Auszubildenden im dritten und vierten Lehrjahr die Möglichkeit zu bieten, ihren Abschluss noch an der Saar zu machen, sei gescheitert. Ein nebenberuflicher Vertrag mit einem Meister, der als Dozent an einer anderen Schule wirkt, sei nicht zu Stande gekommen. Der nächstmögliche Ausbildungsstandort sei nach einer Liste der Kultusministerkonferenz für „Splitterberufe“ Stuttgart gewesen. Diese Schule habe dann aber informiert, dass sie Auszubildende im dritten und vierten Jahr nicht aufnehmen könne. Jetzt sei mit der Schule in Thüringen vereinbart, dass die Saarländer dort unterrichtet werden.

Auf den Nachwuchs, der in diesem Handwerk monatlich zwischen 230 Euro im ersten Jahr und 383 Euro im vierten Jahr verdient, kommen erhebliche Kosten für  Fahrt, Verpflegung und Unterkunft zu. Für eine Übernachtung im schuleigenen Internat werden, so das Ministerium, pro Nacht sieben Euro berechnet. Auf Antrag würden derzeit vom Land 5,62 Euro Zuschuss gezahlt, so Harms. Eine Erhöhung auf sieben Euro sei ab Januar 2011 geplant. In anderen Splitterberufen übernehmen, so Harms, überwiegend die Ausbildungsbetriebe die Kosten und erhalten die beantragten Zuschüsse.

Bei Handwerkskammer und Innung sind unterdessen bereits die ersten Fälle bekannt, bei denen Auszubildende ihre Verträge wegen des überraschenden Schulwechsels gekündigt haben. Die Kammer war bis Freitag vom Ministerium noch nicht offiziell über den neuen Schulstandort Gotha informiert worden. Ein Sprecher bezeichnete die Situation als „unbefriedigend und nicht glücklich“. mju

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein