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Ostermann zieht sich von der Parteiarbeit der FDP zurück

Unternehmer Hartmut Ostermann

Unternehmer Hartmut Ostermann

Saarbrücken. Hartmut Ostermann nutzte sein Heimspiel, um reinen Tisch zu machen. Beim Parteitag der Saarbrücker FDP im eigenen Victor’s Residenz-Hotel im Deutschmühlental gab der Unternehmer am Montagabend bekannt, dass er nach knapp vier Jahren den Kreisvorsitz abgibt. Das Lager seiner Kritiker hatte ihm im Vorfeld vorgeworfen, dass er 2009 auf Landesebene das inzwischen gescheiterte Jamaika-Bündnis mitgeschmiedet hatte. Ostermann – so berichten es Teilnehmer – erläuterte den knapp 140 anwesenden Mitgliedern, er wolle nicht länger an der Spitze eines zerstrittenen Kreisverbandes stehen. Bei der Wahl seines Nachfolgers fiel dann auch noch sein Vertrauensmann, Stadtrats-Fraktionschef Friedhelm Fiedler, mit 63 zu 73 Stimmen gegen Roland König durch. Ob Ostermann, der gestern nicht zu erreichen war, der Partei ganz den Rücken kehren will, ist nicht bekannt. Nach seinem Sprecher Peter Müller hat nach SZ-Informationen jedenfalls auch Ostermanns Sekretärin die FDP verlassen.

Mit Ostermanns Abschied bleibt von der Jamaika-FDP personell nichts übrig. Weder die vier Abgeordneten noch die liberalen Ex-Minister kandidieren bei der Landtagswahl. „Das ist ein brutalstmöglicher Neuanfang“, sagt ein Mitglied des FDP-Landesvorstandes. „Für die Motivation großer Teile der Basis ist das sehr wichtig.“

In den offiziellen Stellungnahmen herrscht Bedauern über Ostermanns Rückzug. Der Landesvorsitzende Oliver Luksic dankte dem scheidenden Kreisparteichef für „seine sehr großen Verdienste um die FDP“ in der Vergangenheit. Fraktionschef Christoph Hartmann, nicht eben ein Ostermann-Freund, lobte, die Partei erneuere sich personell „in riesengroßer Geschwindigkeit“. Er selbst sei mit seinem angekündigten Rückzug „mit gutem Beispiel vorangegangen“.
Ostermann hat es in den vergangenen Jahren zu zweifelhafter Berühmtheit über die Grenzen des Saarlandes hinaus geschafft. Es fing damit an, dass der Aufsichtsratschef der Victor’s-Gruppe als Kreisvorsitzender für seine Partei mit am Tisch saß, als Liberale, CDU und Grüne nach der Landtagswahl 2009 die Jamaika-Koalition aushandelten. Die Opposition warf ihm vor, die Koalition mit Spenden an die Grünen „zusammengekauft“ zu haben. Direkten Einfluss auf die Regierungsbildung konnte ein Untersuchungsausschuss ihm zwar nicht nachweisen. Für die FDP wurde Ostermann, der auch im Koalitionsausschuss saß, mit seinen angeblichen Verquickungen von Politik und Geschäft dennoch zur Belastung. „Dass er ein schwieriges Image hat und sein Rückzug uns hilft, jetzt wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen, steht außer Frage“, sagt ein Liberaler. Vielen in der FDP war aufgefallen, dass Ostermann schon seit Herbst sein Engagement in Koalition und Partei eingeschränkt hatte. Angeblich hatte er häufig in Portugal zu tun und war daher schwer zu erreichen. Das bedauerte sogar mancher Kritiker, denn im Gegensatz zu Gefolgsleuten wie Fiedler habe Ostermann immer „ausgleichend“ gewirkt, heißt es. Zusammen mit den Fraktionschefs Klaus Meiser (CDU) und Hubert Ulrich (Grüne) hielt er auch die Koalition am Laufen.

Am meisten schmerzen wird die FDP, dass mit Ostermann auch Geld fehlen wird. Von 1999 bis 2009 hatte der Unternehmer nach früheren Angaben 368.000 Euro in die FDP gesteckt. Für den Wahlkampf 2012 ist nach SZ-Informationen kein Geld von ihm eingeplant.
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