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Papst-Rücktritt sorgt im Saarland für Überraschung

Rom/Saarbrücken. Niemand dachte sich etwas bei der Frage, auch wenn sie an diesem Abend auffällig oft gestellt wurde. Wie es um den Papst bestellt sei, welchen Eindruck er gesundheitlich mache, wollten mehrere Bischöfe und Kardinäle der Römischen Kurie bei einem Empfang für die saarländische Delegation um Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am vorigen Donnerstag in Rom wissen. Sie hatte Papst Benedikt XVI. erst Stunden zuvor bei einer Audienz im Apostolischen Palast besucht. Im Nachhinein kann man viel in diese Fragen hineindeuten, aber man muss es nicht. „Es wäre schlimm, wenn sich ein Kardinal nicht nach seinem Papst erkundigen würde“, sagt etwa Landtagspräsident Hans Ley (CDU), der die Frage öfters zu hören bekam.

Die Antwort lautete jedenfalls: Der Papst sei geistig hellwach. Das wiederholte gestern auch Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer, die am Donnerstag 45 Minuten mit dem Katholiken-Oberhaupt zusammengesessen hatte. „Bei meinem Besuch zeigte sich der Heilige Vater in geistig bester Verfassung“, sagte sie. Er sei „gut informiert über das Saarland und seine Geschichte und sehr interessiert an aktuellen politischen Fragen“. Als der französische EU-Kommissar Michel Barnier zum Gespräch dazustieß, wechselte Benedikt übergangslos in fließendes Französisch. Es ging um die Lage in Griechenland und anderen Krisenstaaten. Kramp-Karrenbauer und Barnier schlugen dem Papst vor, bei Gelegenheit vor dem EU-Parlament zu sprechen – allerdings, so die Regierungschefin, „ohne, dass irgendetwas konkret geworden ist“. Womöglich wusste der Papst zu diesem Zeitpunkt schon, dass er ohnehin nicht mehr lange im Amt sein würde.

Ein anderes Beispiel, das zeigt, dass der Papst mit seinen 85 Jahren noch klare Gedanken fassen kann, ist die Geschichte von Landtagspräsident Hans Ley (CDU). Er sprach den Papst auf einen Freund seiner Familie an, den Pfarrer Josef Gülden. „Er war sofort hellwach, seine Augen leuchteten“, sagt Ley. Leys Mutter hatte den damaligen Studentenpfarrer gegen Ende des Krieges bei ihrem Studium in Leipzig kennengelernt. Die Familie schickte ihm später Päckchen und in Schokoladen-Silberpapier versteckte Geldscheine in die DDR. Obwohl es schon ein halbes Jahrhundert her ist, dass sich Gülden und Joseph Ratzinger beim Zweiten Vatikanischen Konzil über den Weg liefen, konnte der Papst den Namen direkt zuordnen. Benedikt habe erzählt, dass er ein 1980 von Gülden verfasstes Buch mit Gebeten für alte und kranke Menschen gelesen habe. Ley vermutet nun, dass Benedikt das Werk angesichts seines Gesundheitszustandes vor nicht allzu langer Zeit hervorgeholt und darin nachgeschlagen hat.

Das ist die eine Seite des Papstes: hellwach, geistig auf der Höhe, „unheimlich flexibel“, wie Ex-Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU), ein Protestant, ihn erlebte. Es gibt aber auch die andere Seite: der Papst als angeschlagener Mann, gezeichnet von seinem Alter. „Man hat einen körperlich zerbrechlichen Menschen vor sich gehabt“, sagt Ley. Georgi schildert, Benedikt habe Probleme beim Gehen und eine gebückte Haltung gehabt. Wenige Stunden nach der Papst-Audienz wurde in der saarländischen Delegation mit Verweis auf diese körperliche Schwäche noch die Frage aufgeworfen, warum ein Papst nicht zurücktreten könne – nicht wissend, dass das Kirchenrecht einen solchen Schritt zulässt, wie man seit gestern weiß. Kramp-Karrenbauer zollte dem Papst „hohe Anerkennung und Respekt“ für seine Entscheidung. „Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit.“

Der überraschende Schritt des Papstes bringt die Delegation aus dem Saarland in eine besondere Situation: Bis zu seinem endgültigen Rücktritt am 28. Februar wird die Gruppe vermutlich die letzte aus Deutschland sein, die vom deutschen Papst zu einer Audienz empfangen wurde. „Insofern war das fast ein historischer Termin“, sagt Georgi.
 

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