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Papst empfängt Annegret Kramp-Karrenbauer

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.


Vatikanstadt. Der Papst war bestens informiert. Er habe gehört, dass im Saarland keine Kohle mehr gefördert werde und die finanziellen Rahmenbedingungen schwierig seien. Wie denn nun die Stimmung sei, wollte er von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wissen. „Er hat sehr interessiert nachgefragt, wie das mit dem Ende des Bergbaus war und wie die aktuelle Haushaltssituation ist“, berichtete Kramp-Karrenbauer. In der 45- minütigen Audienz hinter den verschlossenen Türen der Privatbibliothek im Apostolischen Palast sei außerdem über die Geschichte des Saarlandes und die Beziehungen des Landes zu den Bistümern Trier und Speyer gesprochen worden, auch der Priestermangel war ein Thema. Der Papst habe in dem „sehr persönlichen“ Gespräch eine Atmosphäre geschaffen, „die das Gegenüber nicht von vorneherein in Ehrfurcht erstarren lässt“, lobte Kramp-Karrenbauer, das sei keine Selbstverständlichkeit. „Ich hatte den Eindruck, das Gespräch hätte auch zwischen mir und dem Pastor meiner Heimatgemeinde stattfinden können.“

 


Kramp-Karrenbauer reiste in ihrer Doppelfunktion als Ministerpräsidentin (des katholischen Bundeslandes) und Bevollmächtigte der Bundesrepublik für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen in den Vatikan. Ihre Bevollmächtigten- Funktion entspricht protokollarisch dem Amt einer Bundesministerin. Entsprechend wurde sie behandelt: Mit Blaulicht und Martinshorn bahnten Carabinieri Kramp- Karrenbauers Wagenkolonne einen Weg durch den dichten Stadtverkehr in Rom, die fünf Limousinen schossen mit teilweise 120 Kilometern pro Stunde und atemberaubenden Überhol- und Ausbremsmanövern durchs Zentrum; rote Ampeln wurden ignoriert. Zum gestrigen Abendessen beim französischen Botschafter hatte sich auch der Privatsekretär des Papstes, Erzbischof Georg Gänswein, angesagt. Für eine Konferenz mit Kramp-Karrenbauer ließ Papst Benedikt XVI. seinen Außenminister eine Botschaft verlesen. „Das ist etwas ganz Besonderes, eine ganz große Nummer“, schwärmte der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Reinhard Schweppe (siehe weiteren Bericht).

 


Bei der Audienz gestern in Benedikts Privatbibliothek trug Kramp-Karrenbauer ein kniebedeckendes schwarzes Kleid und einen schwarzen Schleier. Das Protokoll hätte auch einen dunklen Hosenanzug gestattet. Zum Schleier notierten die Protokollbeamten der Staatskanzlei vor der Reise: „Es handelt sich hierbei nicht um eine Vorschrift, wird aber als Zeichen des Respekts geschätzt.“ Frauen machten vor dem Papst einen Knicks, Männer verbeugten sich.

Kramp-Karrenbauer und die übrigen sieben Mitglieder der saarländischen Delegation zeigten sich tief beeindruckt vom Papst. Der 85-Jährige sei zwar körperlich etwas gebrechlich, geistig aber topfit, wurde berichtet. Nachdem Kramp-Karrenbauer zunächst unter vier Augen mit Benedikt XVI. sprach, stieß der französische EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hinzu. Diskutiert wurde auf Französisch über Europa: Der Papst habe angemahnt, so Kramp-Karrenbauer, dass bei den Sparmaßnahmen in EU-Krisenstaaten wie Griechenland die Menschen, die darunter leiden, nicht vergessen werden dürften. Der Heilige Vater verfolge die Situation „mit sehr kritischen und sehr wachen Augen“. Zum Ende der Audienz, die auf 30 Minuten angesetzt war, dann aber 45 Minuten dauerte, stießen die Delegationen Kramp-Karrenbauers und Barniers dazu. Für jeden habe der Papst persönliche Worte gefunden. Der Papst versprach, die Saarländer in sein Gebet einzuschließen. „Das ist das, was mich am heutigen Tag mit am meisten gefreut hat“, sagte Kramp-Karrenbauer. Als Geschenk erhielt der Papst ein Espresso- Service von Villeroy & Boch und ein Buch, in dem Saarländer ihm ihre Wünsche und Gedanken übermitteln. Der Papst habe sofort darin geblättert. „Das hat ihn wirklich beeindruckt“, sagte Kramp-Karrenbauers Mitarbeiterin Christine Klos. Seine Besucher erhielten eine Me

 

daille, das Saarland außerdem einen Kupferstich des Petersdoms, der nun in die Staatskanzlei kommen soll.


AUF EINEN BLICK

Der Delegation der Ministerpräsidentin für die Papst-Audienz gehörten an: der deutsche Botschafter beim Vatikan, Reinhard Schweppe; Landtagspräsident Hans Ley (CDU); die Leiterin des Büros der Bevollmächtigten für deutschfranzösische Kulturbeziehungen, Christine Klos; der Büroleiter der Ministerpräsidentin, Marco-Alexander Breit; ihre Sprecherin Marlene Mühe-Martin; Ex-Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) und Arno Krause, Vertreter der Europäischen Akademie Otzenhausen. kir

Papst würdigt Elysée-Vertrag

Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. hat die Bedeutung des Elysée-Vertrags von 1963 für das friedliche Zusammenleben in Europa hervorgehoben. „Das ist eine sehr wichtige Etappe auf dem gemeinsamen Aussöhnungsweg und zum gegenseitigen Verständnis zwischen dem deutschen und dem französischen Volk“, heißt es in einer Botschaft des Papstes, die der Außenminister des Vatikans, Dominque Mambertini, gestern Abend bei einer Konferenz in der Päpstlichen Universität Gregoriana in italienischer Sprache verlas. „Frieden ist eine Aufgabe, die ständig erneuert werden muss.“ Der Papst sprach den „Schutz und Segen Gottes“ für die Menschen in Deutschland und Frankreich aus.

Bei der Elysée-Tagung sprachen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der französische EU-Kommissar Michel Barnier. Der frühere EU-Kommissionspräsident Jacques Santer steckte witterungsbedingt am Flughafen fest und musste kurzfristig absagen. Am Zustandekommen der Tagung war die Europäische Akademie Otzenhausen maßgeblich beteiligt: Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Reinhard Schweppe, und das Gründungsmitglied der Akademie, Arno Krause, haben schon öfters gemeinsame Konferenzen organisiert. Krause war in die Planungen des Symposiums einbezogen und vermittelte den Auftritt von Kramp-Karrenbauer.

In ihrer Rede vor hunderten Gästen, zum Teil ranghohe Geistliche der Kurie, erinnerte sie daran, dass das Saarland als Industrierevier lange „Zankapfel“ zwischen Deutschland und Frankreich gewesen sei. Aus Erbfeinden seien inzwischen Freunde geworden. Sie sprach sich für mehr persönliche Begegnung von Jugendlichen aus; auch müsse das Erlernen der jeweils anderen Sprache stärker gefördert werden. kir


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