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Paris: Dieses Unternehmen ist der Nabel der Boules-Welt

Die Metropole des Boule-Spiels hat nur 2000 Einwohner. In Saint-Bonnet-le-Château produziert das Familienunternehmen Obut jedes Jahr 300.000 luxuriöse Boule-Kugeln – 70 Prozent des Weltmarktbedarfs.

Paris. „Den größten Umsatz machen wir im Sommer“, erzählt Romain Souvignet, Enkel des Unternehmensgründers und beim Familienunternehmen Obut verantwortlich fürs Marketing. „Je besser das Wetter, desto mehr Kugeln verkaufen wir.“ Das Boule-Spiel hat Tradition in Frankreich. Etwa 40 Prozent der Franzosen spielen mindestens einmal im Jahr Pétanque, wie die am meisten verbreitete Boule-Spielart heißt. Als Zentrum des Spiels kann ein bisschen das Städtchen Saint-Bonnet-le-Château gelten.

Das Familienunternehmen Obut beschäftigt in dem Ort nahe Lyon 120 Mitarbeiter und stellt jährlich etwa 300.000 Boule-Kugeln aus rund 4000 Tonnen Stahl her. Weltweit beliefert es Sporthäuser und Spezialgeschäfte.

Gegründet wurde die Fabrik 1955 vom gelernten Schlosser Robert Souvignet. Zwischenzeitlich arbeiteten 180 Angestellte in dem Betrieb – bis Mitte der 90er Jahre die weltweite Konkurrenz wuchs und Stellen abgebaut werden mussten.

„Am stärksten leiden wir unter der chinesischen Herstellung“, sagt Souvignet. China produziere mit Sand gefüllte Kugeln schlechter Qualität zu wesentlich günstigeren Preisen. „Professionelle Spieler lassen sich davon zwar im Normalfall nicht beeindrucken, Touristen und Hobbyspieler hingegen bemerken den Unterschied häufig nicht.“ Bei Obut kostet ein Spiel-Set mit drei Kugeln bis zu 265 Euro. Dafür sind sie aber aus rostfreiem Stahl und können mit individuellen Gravuren verziert werden. Im Ausland zu produzieren und damit die Kosten zu senken, kommt für Souvignet nicht infrage: „Pétanque ist ein klassisches, französisches Spiel, dessen Geschichte in unserem Land bleiben muss.“

Knapp 600.000 Spieler sind in Frankreich in 76 nationalen Verbänden gemeldet. Pétanque steht auf einer Liste des Internationalen Olympischen Komitees, die Sportarten umfasst, die möglicherweise eine olympische Disziplin werden könnten. In Deutschland gibt es schätzungsweise etwa eine Million Freizeitspieler.

Die Grundregeln des Spiels sind einfach: Zwei Mannschaften werfen abwechselnd ihre Stahlkugeln, um sie möglichst nah an das „Ferkel“, eine kleine Zielkugel, heranzubringen. Die Mannschaft, dessen Kugel näher dran ist, bekommt einen Punkt. Gewonnen hat das Team, das zuerst 13 Punkte erreicht.

Auch dieses Jahr liegt Boule wieder im Trend: Modemacher Karl Lagerfeld veranstaltete vor kurzem ein Turnier im Promi-Ort Saint-Tropez, an dem beispielsweise die Sängerin Vanessa Paradis und die Schauspielerin Diane Kruger teilnahmen.

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