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Patricia Kaas: „Sie können alles fragen, was Sie wollen“

Dudweiler. Es ist ein unspektakulärer Ort, an dem Patricia Kaas ihre Autobiografie „Mademoiselle singt den Blues“ vorstellt: Keine Spur von Glamour und noch dazu schlechte Beleuchtung auf der Bühne des Bürgerhauses in Dudweiler. Das einzig Extravagante am Auftritt des Weltstars aus Forbach sind ihre hochhackigen paillettenbesetzten Stilettos. Und vielleicht die einer Armee-Uniform nachempfundene Jacke, die sie zu knallengen Jeans trägt. Mit ihren 46 Jahren sieht sie umwerfend aus. Kaas ist heimgekommen, ins vertraute deutschfranzösische Grenzland, um ihr Buch, das sie zusammen mit einer Autorin geschrieben hat, vorzustellen. Es ist ihr ein Bedürfnis. Sie winkt ins Publikum, denn dort hat sie alte Bekannte entdeckt aus der Zeit, als sie noch im Saarbrücker Nachtclub „Rumpelkammer“ sang, vor über 25 Jahren.

„Es berührt mich, diese Leute hier zu sehen“, sagt der Star mit der tiefen, weichen Stimme. Im Gespräch mit SR-Moderator Jürgen Albers beantwortet Kaas freimütig und selbstsicher Fragen zu ihrem Buch, zu ihrem Leben. Es ist eher Albers, der sich verunsichert zeigt von zu viel Nähe: Normalerweise sei für ihn das Privatleben von Prominenten tabu. Doch die Kaas ermutigt ihn: „Sie können alles fragen, was Sie wollen.“

Sie will über sich reden. Nicht nur über ihre Musik und ihre Karriere. Sondern vor allem über sich als Frau, Tochter, Familientier. Ihre Geschichte liest sich wie ein Märchen mit vielen dunklen Seiten. Jahrelang kam Patricia Kaas nicht über den frühen Tod ihrer Mutter hinweg, zu der sie eine sehr starke Bindung hatte. Einen Mann gibt es (derzeit) nicht in ihrem Leben, auch keine Kinder. Dafür erzählt sie viel über Einsamkeit, Angst, Unsicherheit, Enttäuschung. Kaas beschreibt die Erinnerung an die geliebte Mutter als einen Schatten, der auch in den strahlendsten Momenten ihrer Traum-Karriere immer mit ihr gewesen sei. „Dieses Buch zu schreiben, war für mich wie eine Therapie“, gibt sie zu. Sie habe erstaunt festgestellt, dass es viel leichter sei, über sich selbst zu reden als über ein neues Album. Ein Star sei eben auch nur ein Mensch.

Der Mensch Patricia Kaas sitzt am Samstagabend recht entspannt auf der Bühne, erzählt viel, lacht – und bleibt auch bei heiklen, berührenden Fragen wie der nach ihrer Kinderlosigkeit gefasst und sachlich, ohne kühl zu wirken. Das mag erstaunen, hat man die Französin doch auch schon als unsicheren, unnahbaren Star erlebt. In Dudweiler überrascht Patricia Kaas mit mutiger Offenheit, sagt Sätze wie diesen: „Mit den Jahren bin ich zerbrechlicher geworden.“

Albers fehlt die Zeit, um auf viele Details ihrer Aufzeichnungen einzugehen. Er lässt die Liebschaften aus, auch den Verfolger oder ihre Erfahrungen als Schauspielerin. Ein Großteil des Gesprächs dreht sich um die Familie Kaas, der Anker in ihrem Leben. Selbst wenn sich eine gewisse Entfremdung zwischen dem „einfachen“ Forbacher Clan und dem Weltstar nicht vermeiden ließ, Patricia Kaas kommt immer gerne nach Stiring-Wendel zurück. Hier sind die Wurzeln der Vielgereisten. Sie vermisse die intimen, ungezwungenen Momente mit der Familie. Wehmütig klingt das.

Im Vorwort zu ihrer Autobiografie, das Schauspielerin Melanie von Sass vorlas, heißt es: „Mit Abstand betrachtet, habe ich über meine Verhältnisse gelebt. Unfähig zur Wirklichkeit. Außer auf der Bühne. Bei alledem habe ich Patricia vergessen . . .“ In Dudweiler hat man das Gefühl, dass Patrizia nun gereift ist und eine Ahnung davon bekommen hat, wer sie ist. Eine gute Voraussetzung, um sich an ein großes neues Projekt zu wagen: Demnächst singt die Kaas Edith Piaf. Und die ist wahrhaftig eine tragische Figur, ein Mythos. Man wünscht Patricia Kaas (mehr) Glück.

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