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Personalmangel und zu wenig Geld: Kinder bekommen keine Schulmilch

Zu viel Aufwand, zu wenig Geld, zu wenig Gesundheitsbewusstsein: An saarländischen Schulen gibt es derzeit keine Schulmilch mehr. Die Suche nach einer Lösung des Problems fällt schwer.

Saarbrücken. Sie ist gesund und ihr Kalzium wichtig für Knochen und Zähne – gerade für Kinder: die Milch. Um ihre Bedeutung zu würdigen, hat die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen vor zehn Jahren den 29. September zum Weltschulmilchtag erklärt. In den 60er und 70er Jahren war sie noch ein attraktives Nahrungsmittel an Schulen im Land, nun scheint sie ausgestorben. Aktuell wird an saarländischen Schulen keine Milch mehr verteilt.

Milch konkurriert mit Limonade und Süßigkeiten
Gründe für das Ende der Schulmilchversorgung sehen der Vorsitzende der Landesvereinigung Milchwirtschaft des Saarlandes, Ernst Ehrmanntraut, sowie die Vorsitzende der Saar-Landfrauen, Hedwig Garbade, im schlechten Image der Schulmilch und der Konkurrenz durch andere Getränkehersteller.

„Süßigkeiten verlocken die Kinder natürlich mehr, als wenn dort Milch steht“, räumt Garbade ein. „Es lag auch am fehlenden Gesundheitsbewusstsein der Eltern und nicht zuletzt an der geringeren Bereitschaft aller Beteiligten, darunter Lehrer und Hausmeister“, sagt Ehrmanntraut, der zugleich auch Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft des Saarlandes ist. Es sei oft ein logistisches Problem, so Garbade. „Die Schulmilch muss frisch angeliefert und verteilt werden, das ist oft unbezahlte Mehrarbeit für den Hausmeister.“ Oftmals sei die Milchwirtschaft nicht bereit, kleine Packungen herzustellen, etwa die Viertel-Liter-Packs.

Projekt "Fit mit Milch" fällt flach
Bis im vergangenen Schuljahr waren die Ernährungsberaterinnen der Landfrauen im Einsatz und hielten in den 2. und 3. Klassen Unterricht zum Thema Milch. Das war Teil des vor fünf Jahren von Saar-Landfrauen, Land, der mittlerweile insolventen CMA (Centrale Marketinggesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft) und der Landesvereinigung der Milchwirtschaft ins Leben gerufenen Projekts „Fit mit Milch“.

„Wir waren in rund 80 der rund 200 saarländischen Grundschulen“, betont Garbade. Das Saarland ist 2004 aus der EU-Schulmilchförderung ausgestiegen: „Die Maßnahme lief so schwach, trotz intensiver Bemühungen“, sagt Ehrmanntraut. Daher beteilige sich das Land nun an „Fit mit Milch“.

Dieses Jahr fiel das Projekt allerdings flach. „Wir stoßen personell an unsere Grenzen und können keine volle Stelle finanzieren“, sagt Garbade. Nach dem Weggang der bisherigen Projektleiterin sei es schwierig, Ersatz zu finden, wegen „überbordender Bürokratie“ und hohem Verwaltungsaufwand. Zudem seien die von der Milchwirtschaft ausgewiesenen Projektgelder verspätet eingetroffen. Da die Aktion eine lange Vorlaufzeit und Absprachen mit Lehrern benötige, sei es zu spät gewesen, um an die Schulen heranzutreten.

Nach dem Ausscheiden der insolventen CMA aus dem Projekt stünden nur noch geringe Mittel zur Verfügung, mit denen die Milch-Promoter ausgekommen müssten, aber: „Wir sind bereit, hier mehr Geld zu investieren“, verspricht Ehrmanntraut. Zurzeit diskutieren die Saar-Landfrauen mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft, wie das Projekt in kleinerem Umfang nächstes Jahr weitergehen kann. Eventuell kommt die Großmolkerei Hochwald aus Thalfang im kommenden Jahr als Sponsor mit ins Boot.

Auf einen Blick
Nach Angaben der Initiative Milch ist der Absatz von Schulmilch seit 1993 kontinuierlich zurückgegangen. Wurden an saarländischen Schulen laut dem Referent für Milchwirtschaft der Landesregierung, Ernst Ehrmanntraut, im Schuljahr 1989/90 noch rund eine Million Liter Schulmilch getrunken, waren es zehn Jahre später noch 120.000 Liter, im Schuljahr 2003/04 waren es noch 85.000 Liter. Aktuell sind es null Liter. ukl

 
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