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Pferd stirbt nach Unterernährung und Unterkühlung - Behörden greifen durch

Es war ein Bild des Jammers, das sich Eveline Jacobi Anfang Januar auf einer Hasseler Pferdekoppel bot. Eine Stute lag in einem Verschlag im Matsch und konnte sich kaum noch rühren. Schon Wochen zuvor war der Pferdeliebhaberin, die nebenan ein Grundstück für ihre 30 Hühner und ein Pferd gepachtet hat, aufgefallen, dass das Tier stark abgemagert war. Der Pferdehalter selbst war gegenüber der Kritik uneinsichtig, erläutert sie, schien sich des Ernstes der Lage nicht bewusst gewesen zu sein. Für Jacobi und einige Tierschützer war in dem Augenblick, als sie das leidende Tier sahen, klar, dass sie handeln mussten – im Interesse der anderen drei Pferde und eines Ponys. Die Vollblutstute konnte sich nicht mehr aufstellen. Die Polizei wurde verständigt. Nicht nur die Polizisten waren entsetzt über das, was sie sahen, sondern auch der hinzugezogene Tierarzt. Die Stute war unterernährt und hatte mit 33 Grad Untertemperatur. Der Pferdehalter hatte seine Tiere offenbar mit altem Heu gefüttert, das als Einstreu gedacht war, wie seine Koppel-Nachbarn sagen. Die anderen Pferde waren robuster, konnten einiges kompensieren, die Stute nicht. Dem Tierarzt blieb nach eingehender Untersuchung des Tieres keine Wahl, er musste es einschläfern.

Zwei Tage stand Marengo, ein zweites auf demselben Gelände lebendes Pferd, neben seiner toten Gefährtin. „Nächtelang haben wir draußen neben dem Verschlag geschlafen, weil wir Angst um das Pferd und unsere Tiere hatten“, so Jacobi, die mit heftigen Reaktionen seitens des Pferdehalters rechnete, gegen den verschiedene Maßnahmen, auch seitens des Landesamtes für Verbraucherschutz (LAV), eingeleitet wurden. Von dort wurde Amtstierärztin Antje Wagner-Stephan eingeschaltet, die mit dem Pferdehalter Kontakt aufnahm und sich die Haltungsbedingungen ansah.

Nach dem Tierschutzgesetz gibt es verschiedene Möglichkeiten, solche Missstände zu beseitigen. Das reicht von Auflagen über eine vorübergehende Wegnahme der Tiere bis hin zum Tierhalteverbot bei sehr ernsten Fällen. Für die Veterinärin war der „Hasseler Fall“ eindeutig: „Wir mussten dem Halter die Pferde entziehen. Wenn wir das machen, ist klar, dass eine erhebliche Vernachlässigung vorlag. Erst, wenn den Tieren längerfristig erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt wurden, wird ein Pferdehalteverbot ausgesprochen. Das muss schon gut begründet sein, schließlich ist das auch ein starker Eingriff in die Persönlichkeit des Halters.“ Das Problem war nicht nur der schlechte Ernährungszustand, sondern die Tatsache, dass es keinerlei trockene Fläche gab, auf der die Pferde sich hätten hinlegen können, so die Amtsärztin Wagner-Stephan: „Nur im Liegen kommen die Pferde in den Tiefschlaf. Durch den Schlafmangel waren die Tiere einfach erschöpft. Hier musste dringend Abhilfe geschaffen werden.“

Auch wenn das LAV personell eng besetzt ist, können die Mitarbeiter gemäß Tierschutzgesetz viel ausrichten. „Wir als Behörde arbeiten gern mit vernünftigen Tierschützern zusammen. Da sind wir aufeinander angewiesen, denn nur wir dürfen Maßnahmen ergreifen“, plädiert die Ärztin dafür, hinzuschauen und Missstände zu melden.

Noch zwei Wochen später sind die dramatischen Tage bei allen Beteiligten präsent. Alle Tiere wurden in gute Hände abgegeben, jedoch bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts noch nicht übereignet. Marengo beispielsweise, der noch sehr scheu ist und mit einem Hufproblem zu seinen „Gast- Tiereltern“ kam, zog nach nebenan zu Eveline Jacobi.

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