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Pfusch an der Congresshallen-Brücke? Stadt beklagt "schwere Mängel"

Wie Fahren ohne Führerschein mit einem zusammengebastelten Auto ohne Betriebserlaubnis, so stellt sich das Desaster um die neue Aluminiumbrücke dar, die zum 31. März an Stelle des abgerissenen hölzernen Steges Congresszentrum und Berliner Promenade verbinden sollte. Die beiden Elemente, 40 und 45 Meter lang, haben die Fabrikhalle des beauftragten Unternehmens in Baden-Württemberg bereits verlassen, sie sehen gelungen und stabil aus, sind zum Erschrecken der Verantwortlichen in der Landeshauptstadt aber nicht abnahmefähig. Nach Einschätzung des Baudezernates sind 28 Mängel gefunden worden, davon zwölf sicherheitsrelevante. Mathias Kurz, als Projektleiter von „Stadtmitte am Fluss“ auch für die Abwicklung des Teilprojektes zuständig, klärte den Bauausschuss des Stadtrates am Mittwochabend über das Desaster auf: Es seien formale und technische Fehler gemacht worden, und die seien „unheilbar“, will heißen: Die beiden Brückenteile sind auch durch Nachbesserungen nicht mehr zu retten.
 

Fehlende Zertifikate

Wie Kurz ausführte, sei das verwendete Aluminium bei seiner Herstellung wohl zu schnell abgekühlt und daher nicht reißfest genug. Jedenfalls habe der Brückenbauer das notwendige Zertifikat über die Reißfestigkeit nicht vorlegen können. Es sei unverzichtbar, so Kurz, dass nicht nur das Bauwerk selbst, sondern auch alle seine Teile zertifiziert seien. Das sei beim vorliegenden Auftrag nicht beachtet worden, obwohl man sich bei der Vergabe darauf verständigt habe. Der gut beleumdete Familienbetrieb habe unerklärlicherweise beim Zusammenbau „Schrauben aus der Kiste“ verwendet anstatt ausdrücklich zugelassene Schrauben. Der Schweißer habe zum Zeitpunkt seiner Arbeit an dieser Brücke keinen gültigen Schweißer-„Führerschein“ gehabt, hätte die einzelnen Teile also gar nicht verbinden dürfen. Kurios: Womöglich hat er alles handwerklich perfekt hinbekommen, formal ist sein Werk aber nicht genehmigungsfähig.

Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer zeigt sich konsterniert: Der Auftragnehmer habe in ganz Europa „kilometerweise Brücken gebaut“ – überall ohne Reklamationen. Ausgerechnet in Saarbrücken sei vieles danebengegangen. Auf Nachfrage hieß es, dass der Schaden vor etwa vier Wochen bekannt geworden sei. Man habe in Zusammenarbeit mit Hersteller und Bauaufsicht Wege gesucht, die Brückenteile abnahmefähig zu bekommen. Erst als dies erkennbar nicht gelungen sei, also jetzt, habe man das Gremium und die Öffentlichkeit informiert. Wie Kurz unserer Zeitung sagte, sehe die Herstellerfirma die Dinge allerdings anders. Sie räume nicht alle reklamierten Fehler ein, auch Juristen seien befasst.

Bleibt die interessanteste Frage: Wie und wann kommt die Stadt zu der ersehnten und bestellten Brücke? Zwei Möglichkeiten sind in der Abwägung: Entweder baut die beauftragte Firma eine ganz neue. Zweitens wird der Vertrag gekündigt, und die Stadt schreibt das Bauwerk neu aus.
 

Die Zeit drängt

Insgesamt ist die Brücke mit 850 000 Euro veranschlagt. 400 000 Euro wurden dem Vernehmen nach bereits bezahlt. Bis Ende 2015 sollte die Brücke betriebsfertig montiert sein, denn es waren Fördergelder geflossen, die an ein Datum gebunden sind.
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