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Pilot lässt auf Mallorca alle Koffer stehen - und landet ohne Gepäck in Ensheim

Drei Tage mussten die Passagiere eines Flugzeugs aus Mallorca auf ihr Gepäck warten. Foto: dpa

Drei Tage mussten die Passagiere eines Flugzeugs aus Mallorca auf ihr Gepäck warten. Foto: dpa

Es hätte so ein schöner Mallorca-Urlaub sein können: zehn Tage ausspannen, wandern, am Strand die erste richtige Sonne tanken. Erholung pur. Wenn da nicht die Begleiterscheinungen des Rückflugs nach Saarbrücken gewesen wären. Für Martina Foos-Wessel und ihre Familie aus Homburg alles andere als ein gelungener Urlaubs-Abschluss. Denn kaum hatte die Boeing 737 von Palma de Mallorca abgehoben, seien die 188 Passagiere vom Piloten darüber informiert worden, dass ihr Gepäck auf der spanischen Ferieninsel bleiben musste. Erst drei Tage später bekam die Familie von Martina Foos-Wessel ihr Gepäck nach Homburg gebracht.

 

„Sie kennen doch alle die Landebahn in Saarbrücken “, soll der Pilot gesagt haben. Mit dem Flugzeug sei es wie mit dem Auto: Bei nasser Fahrbahn verlängere sich der Bremsweg. „Weil in Saarbrücken Regen gemeldet war, haben sie beschlossen, unser Gepäck nicht mitzunehmen“, erzählt Foos-Wessel. Auf SZ-Anfrage bestätigt Ludwin Vogel, Pressesprecher des Flughafens Saarbrücken , dass der Flieger mit 188 Passagieren aus Palma de Mallorca am Sonntag, den 22. Mai, planmäßig um 21.45 Uhr gelandet sei – jedoch ohne Gepäck. Dass sei so noch nie passiert, erklärt er.

 

Auch Jan Hillrichs, Leiter der Unternehmenskommunikation von Tuifly, bestätigt, dass dies „in der Regel“ nicht vorkomme. Er verweist aber auf das Sicherheitsstandardverfahren vor dem Flug, bei dem die Piloten anhand verschiedener Kriterien wie Zahl der Fluggäste, getanktes Kerosin und Ladegewicht das Landegewicht des Flugzeugs berechnen. Dies soll an besagtem Tag so ausgesehen haben, dass die Maschine für Saarbrücken zu schwer gewesen wäre. Er betont, dass bei dieser Entscheidung ausschließlich der Sicherheitsaspekt eine Rolle gespielt habe.

 

Ludwin Vogel teilt indes mit, dass die Wetterlage in Saarbrücken keine Besonderheiten aufgewiesen habe. Dem Piloten sei mitgeteilt worden, dass man zur Zeit der Landung leichten bis mäßigen Regen erwartet. Dieser habe auch etwa eine Stunde vor der Landung eingesetzt. Nach Angaben von Foos-Wessel soll die Landebahn selbst ohne das Gepäck nach einer harten Landung gerade eben so ausgereicht haben. Doch ist die Landebahn in Saarbrücken wirklich zu kurz, um auch bei weniger optimalen Wetterbedingungen sicher landen zu können?

 

Die Start- und Landebahn am Flughafen in Saarbrücken gehört mit 1990 Metern Länge zwar eher zu den kürzeren in Deutschland – vergleichbar etwa mit denen der Flughäfen in Dortmund (2000 Meter), Bremen (2034 Meter), Lübeck oder Münster (je 2100 Meter). Ludwin Vogel erklärt aber, dass die Landebahn in Saarbrücken „alle Kriterien für die sichere Landung einer voll besetzten Boeing 737-800 plus Gepäck erfüllt, auch bei Regen“. Diese und andere Kriterien müssten auch erfüllt sein, damit die Airlines und Flugzeughersteller dem Flughafen Saarbrücken überhaupt eine Landegenehmigung für den genannten Flugzeugtyp erteilen, erklärt er. Zumal in Saarbrücken immerhin jede Woche 15 Flugzeuge vom Typ dieser Maschine landeten.

 

Die Verantwortung liegt am Ende aber immer beim Piloten selbst. Er entscheidet, ob und vor allem wie er fliegt, damit die Sicherheit der Passagiere und des Flugzeugs gewährleistet ist. Dies bestätigt auch die Piloten-Vereinigung Cockpit. Auch wenn die Erholung aus dem Urlaub dann im ersten Moment baden geht.
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