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Plastikboykott: SZ-Redakteur macht Selbstversuch



Obst und Gemüse: Erdbeeren, Melonen, Blumenkohl, Kiwis, Tomaten, Kopfsalat noch und nöcher: Fruchtiges in Hülle und Fülle. Und da hängen ja die Rollen mit den dünnen Plastiktüten fürs Heraustragen. Schon mal ausprobiert, ohne diese Kunststoffhülle mit unverpacktem Obst und Gemüse aus dem Supermarkt zu kommen? Wir versuchen’s. Im St. Wendeler Globus. Um die Kost nicht hilflos an der Kasse vorbei ins Auto zu jonglieren, haben wir eine Stofftasche zum Abtransport dabei. Eine einzige für mehrere, getrennt voneinander abzuwiegende Produkte. Zu unterschiedlichen Preisen. Zwölf Äpfel, Sorte Braeburn, landen lose auf der Waage, Ein Druck auf die Warennummer – das Gerät spuckt ein Klebeetikett mit Preis, Gewicht, Balkencode aus. Der landet üblicherweise auf der Kunststofftüte – auf die wir verzichten. Das Obst kommt in die Stofftasche. Das klebrige Preisschild findet seinen Platz auf der Handoberfläche. Vier Birnen sollen’s zudem sein. Gleiches Prozedere wie zuvor. Ab damit in den Beutel, das zweite Preisschild auf den Unterarm.

Jetzt noch zwei Paprika, auf die Waage, in den Sack zu Birnen und Äpfeln. Das dritte Schild auf den Arm. Ab geht’s schnurstracks zum Bezahlen. Wie wird die Dame an der Kasse wohl reagieren? Unser Einkauf landet samt Tasche auf dem Laufband. Globus- Mitarbeiterin Beate Rothgerber wirft einen fachmännischen Blick hinein, ohne die Miene zu verziehen. Ich recke ihr meinen dekorierten Arm hin. Lässig greift sie nach dem mobilen Scanner und liest die Daten von den drei Zetteln ab. Als sei es das Normalste von der Welt. „Sie sind nicht der Erste. Das machen viele, die auf Verpackungen verzichten wollen“, sagt sie und lächelt. Nicht nur wir, auch Geschäftsleiter Marco Wuschisch ist von der taffen Reaktion überrascht. Und zufrieden zugleich. Zuvor hat er erklärt, dass es zurzeit in der Obst- und Gemüseabteiung noch nicht möglich sei, selbst abzuwiegende Waren anders einzutüten als mit den kostenlos bereitstehenden durchsichtigen Beuteln. Aus hygienischen Gründen gehe es indes keinesfalls, an der Fleischertheke Waren in mitgebrachte Dosen zu verstauen. „Die gesetzlichen Hygienebestimmungen sind für Metzgereien um ein Vielfaches höher, als es im Haushalt möglich ist“, begründet dies der 47-Jährige. 

Fleisch und Wurst: Von der Obstabteilung geht es zum Metzger in die Innenstadt. Wenn es um die Verpackung von Fleisch und Wurst geht, gibt es strenge Hygienevorschriften. Trotzdem versuchen Kunden unnötiges Verpackungsmaterial zu vermeiden. Das beobachtet Elke Sannikolo, Inhaberein der gleichnamigen Metzgerei, immer häufiger. „Viele Leute benutzen die Nylontüte mehrfach und bringen diese beim nächsten Einkauf noch mal mit.“ Auch komme die ältere Generation mit dem Korb in den Laden, jüngere Kunden hätten moderne Taschen dabei. So müssen nur noch Wurst und Fleisch speziell verpackt werden, die Tüte, in der am Ende alles verstaut wird, spart der Kunde somit ein. Auch wer spontan zum Einkauf in die Metzgerei Sannikolo kommt, kann die Nylontüte umgehen. „Wir haben auch Baumwolltaschen“, sagt Sannikolo. 

Taschen: Frau kauft eine schicke neue Handtasche und transportiert diese in der Plastiktüte? Diese Vorstellung fand die SZ-Redaktion mit Blick auf den Plastiktüten freien Tag spannend. Deshalb ging’s zu Leder Stroppel in die Fußgängerzone. „Zu 95 Prozent packen wir die Einkäufe tatsächlich in Tüten“, sagt Inhaberin Ellen Weber. Ausnahme seien Koffer und Schulranzen. Letztere trügen die Kinder stolz auf dem Rücken aus dem Laden. Es gibt auch Kunden, die bewusst auf die Plastiktüte verzichten. Ellen Weber erinnert sich an eine Kundin, die eine neue Handtasche kaufte und auf das Einpacken verzichtete. „Ich bin extra ohne Tasche gekommen, damit ich die neue gleich umhängen kann“, habe die Kundin begründet. Das Bewusstsein für die Umwelt nehme zu. Gerade die ältere Generation versuche, unnötige Plastiktüten zu vermeiden.

Eine Alternative aus Stoff in schicken Designs kostet zwischen vier und acht Euro. Jeder weiß, dass Plastiktüten der Umwelt schaden, und doch werden sie überwiegend genutzt. Geschäftsinhaber Guido Weber weiß warum: „Plastiktaschen sind einfach billiger. Trotzdem wollen wir auf Papiertüten umsteigen.“
„Ich bin ein Befürworter von Papier“, pflichtet seine Frau Ellen bei. Und sieht neben den höheren Kosten den positiven Werbeeffekt. „Papiertüten sind oft hochwertige Tüten, und die Leute achten auf die Wiederverwertbarkeit.“. Während eine Nylontüte in sich zusammenfalle, behalte die aus Papier ihre Form. Die Tasche aus Papier vereint aus Sicht der Geschäftsleute zwei wichtige Details: Umweltbewusstsein und Werbeeffekt.

 
HINTERGRUND

Der „International plastic bag free day“ (Tag frei von Plastiktüten) macht zum fünften Mal in Folge als Aktionstag auf den verschwenderischen Umgang mit Plastiktüten aufmerksam. Diese können – falsch entsorgt – gefährlich für Umwelt und Meere sein. Einige Zahlen: Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DHU) werden in Deutschland 10 000 Plastiktüten pro Minute verbraucht. Eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung besagt, dass jährlich im deutschen Handel sechs Milliarden Kunststofftragetaschen ausgegeben werden. Das sind pro Person zirka 76. Hinzu kommen drei Milliarden dünne Plastiktüten, die beim Lebensmittelkauf wie Obst anfallen. Der Entsorgungsverband Saar (EVS) beteiligt sich an der heutigen Kampagne. Demnach wird der Entsorger heute auf seinen Wertstoff-Zentren kostenlos eine „WenischerPlastiksisbesserfürdieUmweltLieblingsdasch“ verteilen. Globus beteiligt sich ebenfalls. Heute kosten Stofftasche und Papierkarton die Hälfte vom regulären Preis: 50 Cent. evy
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