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Plastiktüten kosten immer häufiger Geld

Umweltschädliche Plastiktüten sollen zunehmend aus dem Alltagsbild der Einkaufsmeilen verbannt werden. Foto: Kraufmann/dpa

Umweltschädliche Plastiktüten sollen zunehmend aus dem Alltagsbild der Einkaufsmeilen verbannt werden. Foto: Kraufmann/dpa

Jahrzehnte gehörte sie zum Einkauf ganz selbstverständlich dazu: Die kostenlose Plastiktüte, mit der Kunden die neu erworbene Hose aus dem Kaufhaus, den aktuellen Roman aus dem Buchladen oder das Medikament aus der Apotheke bequem nach Hause tragen konnten. Doch das ist Vergangenheit.

 

Denn immer mehr Handelsunternehmen in Deutschland verlangen für die umweltschädlichen Tragetaschen eine Gebühr oder haben sie sogar ganz aus ihren Läden verbannt. Die Zahl der Handelsunternehmen , die sich verpflichtet haben, für die umweltschädlichen Tragetaschen Geld zu verlangen, erhöhte sich nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) allein in den vergangenen drei Monaten von 260 auf rund 350. „Da ist richtig Bewegung drin“, sagt Kai Falk, Sprecher des Einzelhandelsverbandes Deutschland (HDE).

 

Der Handelsverband Textil (BTE) geht sogar davon aus, dass deutlich mehr Unternehmen bei der Aktion mitmachen als auf der offiziellen Liste des HDE auftauchen. Einigen Händlern seien die mit der Selbstverpflichtung verbundenen Meldeauflagen einfach zu groß, meint BTE-Sprecher Axel Augustin.

 

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung will der Handel eine EU-Richtlinie umsetzen, wonach der jährliche Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen bis Ende 2025 von zuletzt 71 auf höchstens 40 Tüten pro Kopf sinken soll. Die Vereinbarung war im April von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ( SPD ) und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser unterzeichnet worden.

 

Die ersten Erfahrungen der Unternehmen zeigten, dass mit der Einführung einer Gebühr die Nachfrage nach Plastiktüten deutlich sinke, betont HDE-Sprecher Falk. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Reduzierungsziele erreichen.“

 

Eine Umfrage unter den Unternehmen scheint das zu bestätigen. Die Elektronikkette Saturn, die bereits 2015 die kostenlose Plastiktüte abschaffte, berichtet, der Tütenverbrauch sei danach um 90 Prozent zurückgegangen. „Die meisten Kunden verzichten komplett auf eine Tüte. Der Textilhändler C&A berichtet von einer Halbierung der Zahl der ausgegebenen Taschen nach der Einführung der Plastiktütengebühr. Auch der Kaufhof betont, die Nachfrage nach Plastiktüten sei „merklich gesunken“, seitdem man im Mai begonnen habe, eine Gebühr von zehn bis 25 Cent pro Tüte zu kassieren.

 

Wie man den Kampf gegen Kunststofftaschen mit sozialem Engagement verbinden kann, zeigt das Modehaus Baltz in Bochum. Das 1827 gegründete Unternehmen nimmt keine Gebühr, sondern bittet seine Käufer um eine freiwillige Spende in Höhe von 20 Cent pro Plastiktüte. Der Erlös soll in diesem Jahr dem Deutschen Kinderschutzbund zugute kommen.
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