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Polizei: "Kerze löste Burbacher Brandunglück aus"



Saarbrücken. „Dem Gedenken unschuldiger Seelen“ steht auf der großen Kerze vor dem Mehrfamilienhaus an der Ecke Von-der-Heydtstraße/Mülhauser Straße im Saarbrücker Stadtteil Burbach. Ein Meer aus Blumen, Kerzen und Plüschtieren haben Nachbarn, Freunde und Passanten hinter dem rotweißen Flatterband an der Hausfront abgelegt. Immer wieder kommen Menschen vorbei, halten inne, legen Blumen nieder. Im Dachgeschoss des Mehrfamilienhauses starben am Freitagmorgen gegen 4.30 Uhr bei einem verheerenden Brand die dreijährigen Zwillinge Ricardo und Ronaldo und deren Schwestern Pamela (5) und Vanessa (7). Die Eltern (27 und 28 Jahre) sowie ein elf Monate altes Mädchen konnte die Feuerwehr, die bereits vier Minuten nach dem ersten Notruf, der um 4.39 Uhr einging, am Einsatzort war, über Drehleitern retten.

Für die vier Kinder kam jede Hilfe zu spät. Wie es zu der Brandtragödie kommen konnte, muss eine 40- köpfige Ermittlungsgruppe der Polizei klären. Auch über das Wochenende wurden die in der total ausgebrannten Vier-Zimmer- Wohnung ausgemachten Spuren ausgewertet. Wie unsere Zeitung aus Polizeikreisen erfuhr, steht zweifelsfrei fest, dass eine brennende Kerze im Schlafraum der Eltern das Feuer verursachte. In der Wohnung der siebenköpfigen Familie war – wie bereits berichtet – die Stromversorgung gesperrt, so dass ein technischer Defekt eines Elektrogerätes schon früh als Ursache ausgeschlossen werden konnte. Zudem gab es keine Hinweise auf ein Verbrechen, also vorsätzliche Brandstiftung. Die Wohnung war von innen verschlossen, Retter mussten die Tür aufbrechen.

Polizeibeamte bestätigten gestern gegenüber der Saarbrücker Zeitung, dass das Feuer in dem Elternschlafraum ausgebrochen ist und in kürzester Zeit auf weitere Zimmer übergriff. Neben einem Matratzenlager auf dem Boden wurden demnach Spuren einer Kerze sichergestellt. In diesem Zimmer sollen sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs zumindest die Eltern und der Säugling befunden haben. Mutter und Vater liefen mit dem Baby an zwei Fenster in benachbarten Räumen und riefen laut um Hilfe. Die Leichen der vier Kinder wurden noch am Freitag von Gerichtsmedizinern in Homburg und Saarbrücken obduziert. Nach Informationen unser Zeitung stellten die Rechtsmediziner fest, dass die Kinder große Mengen Rauchgas eingeatmet hatten.

In den Lungen wurde auch Ruß gefunden. Demnach sollen die beiden Jungen und die zwei Mädchen erstickt und anschließend verbrannt sein. Die Ermittler haben weitere toxikologische Feinuntersuchungen angeordnet. Sie erhoffen sich davon und von den Bewertungen der Gerichtsmedizin Hinweise auf den Todeszeitpunkt. Möglicherweise kann so geklärt werden, ob die Kinder bereits tot waren, als die Feuerwehr eintraf. Angehörige der Familie haben – wie berichtet – über einen Anwalt in einer Strafanzeige Vorwürfe gegen die Feuerwehr erhoben.

Trotz energischer Hinweise der Mutter, ihre vier Kinder warteten noch in dem Zimmer, von dessen Fenster aus sie mit dem Baby in Sicherheit gebracht wurde, soll die Drehleiter nicht erneut zur Rettung eingesetzt worden sein. Feuerwehrchef Josef Schun wies am Freitag die Vorwürfe gegen seine Mitarbeiter, die ihr eigenes Leben riskiert haben, zurück. Die Mutter wurde bereits am Samstag aus der Klinik entlassen. Sie wird von Angehörigen betreut. Der Vater und der Säugling blieben vorerst zur Beobachtung im Krankenhaus. Die Polizei will die Eltern heute vernehmen. Zeugen, die versucht hatten, der Familie zu helfen, wurden bereits gehört.

AUF EINEN BLICK

Beim Brand eines Mehrfamilien- und Geschäftshauses am Samstagabend in Hasborn-Dautweiler mussten drei Bewohner und zwei Nachbarn, die zu Hilfe geeilt waren, mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Einsatzkräfte waren bis nach 21 Uhr vor Ort. Immer wieder aufflammende und versteckte Brand- und Glutnester erschwerten die Löscharbeiten.

Nach Angaben der Polizei entstand ein Sachschaden von 200 000 Euro. Brandstiftung schließen die Beamten aus. Auch in Saarbrücken- Scheidt brannte am Samstagabend ein Einfamilienhaus. Der Hauseigentümer und seine Ehefrau hatten zusammen mit den beiden Kindern sofort nach dem Entdecken des Brandes das Haus verlassen. Sie wurden nicht verletzt. Es entstand ein Schaden von etwa 60 000 Euro. evy/red

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