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Polizei ist „entsetzt“ über aufgebauschte Medienberichte zum SEK-Einsatz in Saarbrücken

Die Innenstadt von Saarbrücken ist am Sonntag (7.8.2016) über Stunden wegen eines Großeinsatzes der Polizei abgeriegelt gewesen.

Die Innenstadt von Saarbrücken ist am Sonntag (7.8.2016) über Stunden wegen eines Großeinsatzes der Polizei abgeriegelt gewesen.

In Windeseile war die Nachricht im Netz – und damit in der Welt. Sensationsmedien berichteten über eine „Bedrohungslage“, einem „Gewaltakt“, von „Terror“ mitten im Herzen Saarbrückens. Und von einem „blutüberströmten“ Mann, der bewaffnet in ein Restaurant gestürmt sei. Bilder von den gesperrten Straßen und SEK-Beamten sorgten für weitere Dramatik.

 

Klar, dass die Telefone der Landespolizei nicht mehr stillstanden. Sie bekam sogar Anrufe aus Japan, Russland und England. Die Beamten versuchten, einer Panik entgegenzutreten, erklärten wieder und wieder, dass eine „unbestimmte Gefahrenlage“ bestehe, dass sie Meldungen von Zeugen über eine Waffe weder bestätigen noch widerlegen könnten.

 

„Die Niederträchtigkeit, mit der manche Medien mit der Angst der Menschen Auflage machen, ist erschütternd“, sagt Georg Himbert , Sprecher des Landespolizeipräsidiums, am Tag danach. Seine Wut ist noch immer nicht verraucht. Zugleich ist Himbert auch erschrocken angesichts der Wellen, die die Meldung vom SEK-Einsatz in „so kurzer Zeit“ in den sozialen Medien schlug. Zuschauer der Live-Bilder vom Einsatz, die stundenlang über die Facebook-Seiten einiger Medien ruckelten, spekulierten wild. Von möglichen Geiseln war da die Rede, von einem Täter, der womöglich einer „von denen“ sei, die Kanzlerin Angela Merkel ins Land geholt habe. Und von „Isis“. Manche forderten die Polizei auf, in das Restaurant zu marschieren und die „Sache“ zu beenden. Auch wenn längst nicht alle Kommentare ernst gemeint waren, schürten sie doch Emotionen. Die Landespolizei warnte gestern die Kommentatoren: Wer bewusst Falschinformationen im Netz streut, kann sich strafbar machen, so Himbert – „und das werden wir dann auch verfolgen“.

 

Am Ende müssen die Verursacher falscher Amok-Meldungen und Bomben-Drohungen zusätzlich mit empfindlichen finanziellen Konsequenzen rechnen. Die Kosten der Einsätze variieren von Bundesland zu Bundesland. In Bayern, Baden-Württemberg und auch im Saarland sind sie besonders teuer, wie eine dpa-Umfrage zeigt. Die Grundgebühr fürs sinnlose Ausrücken der Beamten liegt hierzulande beispielsweise zwar nur bei 29 Euro. Dazu kommen aber noch die Kosten für die Beamten. Ein Polizist wird pro Stunde mit etwa 59 Euro berechnet. Hinzu kommt ein Kilometergeld von 0,36 Euro. Das Land stellt dem Verursacher alle Kosten in Rechnung, erklärt das Saar-Innenministerium. Manche Länder wie Niedersachsen „deckeln“ die Preise – auf 10 000 Euro.

 

In München sollen Trittbrettfahrern, die mit solchen Posts in sozialen Netzwerken Einsätze auslösen, pro eingesetztem Beamten und Stunde jeweils 54 Euro in Rechnung gestellt werden. Komme ein Hubschrauber zum Einsatz, würden 1700 Euro pro Stunde fällig.

 

Gegen sensationslüsterne Medien hilft das aber kaum. Hier habe die Polizei im Saarland andere Lehren aus dem Sonntag in Saarbrücken gezogen, sagt Himbert. „Wir wollen, falls es noch einmal zu einem solchen Einsatz kommen sollte, künftig stärker über die sozialen Medien kommunizieren.“ Den Hype in den sozialen Netzwerken hätten die Beamten so nicht richtig wahrgenommen. „Wir lernen noch“, sagt der Sprecher. Die Polizei im Saarland habe erst seit einigen Wochen einen Facebook-Account. Ende September soll Twitter dazukommen.

 

 

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