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Polizei macht ernst: Schluss mit Prügeleien und Saufgelagen in Saarlouiser Altstadt

Die Saarlouiser Altstadt ist ein Trinkgelage-Paradies für Jugendliche. Die Polizei hat die Kontrollen verschärft. Wer Alkohol im Blut hat, wird an die Eltern übergeben.

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus


Saarlouis. Alle reden übers Komasaufen: 620 saarländische Jugendliche landeten 2007 mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus (bundesweit: 23.165). Allein die Techniker Krankenkasse meldet für das erste Halbjahr 2009 ganze 125 Fälle, der AOK sind 92 bekannt. Doch die Polizei ist mit „Schnapsleichen“ weit weniger intensiv beschäftigt als mit jungen „marodierenden“ Alkohol-Sündern, die die Straße zur Kneipe erklären. Sie werfen Scheiben ein (Sachbeschädigung), übergeben sich oder urinieren in Straßenecken (Ordnungswidrigkeit), prügeln sich mit Passanten oder beleidigen die Beamten (Straftat).

Zudem hinterlassen sie Berge an Scherben und Müll. Favorisierter Freitagabend-Tatort im Land: die Altstadt von Saarlouis. Die weist nicht nur eine weit höhere Kneipendichte auf als ihr Saarbrücker Pendant, hier liegen auch Schulen (10 000 Schüler) in unmittelbarer Fußläufigkeit. Durch Emmes, Alststadtfest und den „Heiligen Morgen“ (24. Dezember) genießt sie einen legendären Feier-Ruf. Nicht nur bei den 10 000 Schülern der Stadt. Beste VriassetzuSondervoraussetzungen für einen Sonder-Freiluft-Alkohol-Spaß, den die Stadtspitze und nicht zuletzt Wirte als bösen Spuk empfinden. Zahlungskräftige Kunden bleiben aus, Samstags- und sonntagsmorgens waten Bürger durch Glasreste und Unrat.

Das soll aufhören – durch hartes Durchgreifen der Polizei. Laut Dienststellenleiter Norbert Rupp ein „Jugendschutz-Programm“. Bis zu 27 Kräfte – übliche Stärke: zehn – setzte Rupp seit Sommer an 11 Freitagen ein, ließ Sonderstreifen gehen, auch in Zivil, um junge Leute mit zu hohem Alkohol-Pegel aufzuspüren. Das Ergebnis: 130 Platzverweise, zehn Strafanzeigen, 41 Bußgeld-Verfahren. 55 Kinder und Jugendliche (12-18 Jahre) mit Alkohol im Blut wurden an ihre Eltern übergeben, nachdem sie ins Röhrchen gepustet hatten. Vier landeten in der Ausnüchterungszelle, weil keiner zu Hause war.

Alarmierende Zustände, gar Sicherheitsprobleme? Saarlouis, ein Brennpunkt?

Rupp stellt klar: „Wir haben uns zum Brennpunkt gemacht.“ Zudem gehe es nicht um Gewalttaten, sondern um die Öffentliche Ordnung. Wobei – so Rupp auf Nachfrage – bislang noch keine abschreckende Wirkung eingetreten sei, die Zahl der jungen Schnapsseligen annähernd gleich geblieben sei. Rupp:„Wir wollen, dass die Eltern und Lehrer aufmerksam werden, dass man auch mal fragt: Was hast du da im Rucksack?“ Denn die Kids holen sich ihren Rausch meist nicht in der Kneipe, das wäre zu teuer, sondern bringen ihren „Stoff“ mit.

Dieses Verhalten brachte 2006 auch den „Heiligen Morgen“ in Verruf. Stadt und Polizei entwickelten ein strenges Einlass-Kontrollsystem, riegelten am 24. die Altstadt ab. Seitdem ist Ruhe, auch bei Emmes und Altstadtfest. Erfolg, der sich kopieren lässt?

Polizei-Sprecher Georg Himbert sieht dafür keinen Anlass. Aus keiner anderen Kommune sei Alarmierendes bekannt, selbst aus Saarbrücken nicht. Jörg Wagner, Stellvertretender Leiter des Polizeibezirks Saarbrücken-Stadt, erklärt dies mit unterschiedlichem Ausgehverhalten. Jugendliche seien zunehmend Nachtschwärmer, für die der St. Johanner Markt mit seinen Ausschank-Auflagen nach 22 Uhr an Attraktivität eingebüßt habe.

Die Jugendlichen ziehe es zu Großraum-Veranstaltungen, in die „Kufa“ oder ins „Nachtwerk“, die es in Saarlouis so nicht gebe. Doch in den Discos würde beim Einlass geprüft, ob Getränke im Gepäck seien. Die Notwendigkeit, das Saarlouiser Jugendschutz-Modell flächendeckend auf andere Städte zu übertragen, sieht das Präventionsministerium nicht. Dies müsse vor Ort entschieden werden, teilt man auf SZ-Nachfrage mit.

Die Saarlouiser Aktion wird ausdrücklich für „sinnvoll“ erklärt.

Grundsätzlich positiv äußert sich auch die Suchtexpertin Dr. Karin Berty, Mitglied der Aktionsgemeinschaft Drogenberatung e.V. (Saarbrücken): „Jugendliche fühlen sich oft ignoriert. Es ist wichtig, wenn Erwachsene hinschauen.“ Andererseits seien Polizei-Kontrollen und Sanktionen allein nicht ausreichend.

Das „Abpflücken“ müsse mit Hilfsangeboten gekoppelt werden, etwa mit Adress-Informationen über Beratungsstellen. „Eltern sind meist überfordert. Sie neigen zur Dramatisierung oder zur Verharmlosung.“ Doch hinter Drogenkonsum stecke immer ein Problem, meist auch ein Mode-Trend. Und bei Jugendlichen gelte seit geraumer Zeit Alkohol als „angesagt“ und habe Caannabis abgelöst.

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