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Polizei will Opfern und Tätern helfen

Saarbrücken. Die Zahl erschreckt: 24 250 Straftaten gab es 2008 in ganz Saarbrücken, 1655 mehr als 2007. 19 413 davon passierten im Polizeibezirk Saarbrücken-Stadt, zuständig für St. Johann, Alt-Saarbrücken, Burbach und Malstatt. Das waren 1400 Delikte mehr als 2007. Aber Zahlen sagen nichts über das Leid und die Schicksale der Opfer, für die Statistiken keinen Platz haben. Nichts über Fälle, die Polizisten unter die Haut gehen.

Zum Beispiel dieser: 11. März 2008. Die Frau (72) hat keine Chance. Der Angreifer (15) stößt sie in der Saarbrücker Innenstadt von hinten zu Boden, um ihr die Einkaufstasche zu rauben. Die Polizei nimmt den Räuber fest. Der 15-Jährige hat die 72-Jährige so schwer verletzt, dass sie operiert werden muss. Sie wird dennoch zum Pflegefall. Der folgenschwere Raub gehört zu den 242 Delikten dieser Art, die es im vergangenen Jahr in der gesamten Stadt Saarbrücken gab.

Auch im Bezirk Saarbrücken-Stadt bekommen Polizisten täglich die Spuren der Gewaltbereitschaft zu sehen. Oder sie fallen ihr selbst zum Opfer. Körperverletzungen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gehören zu den Straftaten mit besonders hohen Steigerungsraten. In 68 Fällen endete der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit verletzten Beamten. Was den Chef der Betroffenen, Polizeidirektor Peter Becker, dem jedes Opfer von Gewalt am Herzen liegt, energisch feststellen lässt: „Wir haben hier dringend Handlungsbedarf. Und das Problem fängt mit der Gewalt in der Familie an.“ Denn er weiß wie sein Kollege Roland Moser, der den Kriminaldienst des Bezirks leitet: Wer in der Familie Gewalt erlebt, empfindet sie als „normal“, um Konflikte zu lösen, und wendet sie später selbst an. Roland Moser kennt die Folge: „Die Hemmschwelle gegen Gewalt sinkt immer weiter – in allen Bereichen.“ Und wenn die Polizei dazwischengeht, hören die Kontrahenten nicht einmal auf. Mit der Folge, dass bei einem Streitschlichtungs-Einsatz in einem Café gleich fünf Polizisten verletzt wurden.
 
Der deutliche Zuwachs bei anderen Straftaten hat dagegen nichts mit wachsender Kriminalität zu tun. Dass die Polizei jetzt weitaus mehr Schwarzfahrer in den Akten hat, hängt einfach damit zusammen, dass mehr Kontrolleure in der Saarbahn unterwegs sind. „So wird ein Delikt aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld geholt“, sagt Kriminaldienstchef Moser. Ähnlich – mit mehr Detektiven und mehr Überwachungstechnik – ist der Fallzuwachs bei Ladendiebstählen zu erklären. Der anhaltende Anstieg registrierter Fälle häuslicher Gewalt hat damit zu tun, dass die Opfer anders als früher an Möglichkeiten glauben, ihr zu entrinnen. Hier sieht Becker die Polizei wie so oft als Teil eines Hilfenetzes. Ihm und seinen Leuten ging es immer gegen den Strich, „dass die Leidtragenden häuslicher Gewalt auszogen, während die Täter zu Hause blieben“.

Das ist heute anders. Und die Polizei dient, was Becker wichtig ist, als Wegweiser für die Opfer zu Einrichtungen wie der Caritas oder dem Sozialdienst katholischer Frauen. Damit andere erst gar nicht zu Opfern werden, setzt ein Spezialistenteam des Kriminaldienstes, das Sachgebiet 1, viel daran, junge Intensivtäter früh zu erwischen und von weiteren Verbrechen abzubringen. Dazu Roland Moser: „Wenn einer derart oft auffällt, bekommt er beim Kriminaldienst seinen Sachbearbeiter. Der hat genau im Blick, wen er einschalten muss – sei es bei der Staatsanwaltschaft oder der Jugendgerichtshilfe, um etwas zu erreichen. Wir arbeiten alle zusammen.“ Das sieht Peter Becker genauso – für alle Bereiche der Arbeit gegen das Verbrechen. „Erfolge kommen, wenn die Verantwortlichen an einem Strick ziehen, und zwar in dieselbe Richtung.“ Frank Kohler 
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