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Praehistorium Landsweiler-Reden: Bangen um ein einzigartiges Museum

Das Praehistorium in Landsweiler-Reden.

Das Praehistorium in Landsweiler-Reden.

Der Gondwana-Park in Landsweiler-Reden , geplant und gebaut auch als populär-wissenschaftlicher Leuchtturm des Saarlandes, steht womöglich vor dem Aus. Am Donnerstag (14.08.2014) will sich der Aufsichtsrat der zuständigen IKS (Industriekultur Saar) treffen, um über die Zukunft des Praehistoriums zu beraten. Grund: Der Erbauer und Betreiber des Parks, der Dresdner Investor Matthias Michael Kuhl, und das Saarland als Partner und Co-Investor streiten über das liebe Geld, das in höchst unzureichender Menge erwirtschaftet wird. Was dabei gern vergessen wird: Gondwana war nicht nur als Touristen-Attraktion, sondern auch als Lern- und Bildungsort vorgesehen. Die wahren Schätze des Erlebnisparks blühen allerdings eher im Verborgenen.
Parallel zum Streit um die Finanzierung gab es in der öffentlichen Debatte immer wieder hämische Urteile und Kommentare, wie sie auch in der Saarbrücker Zeitung nachzulesen sind: Ein „Spielzeug“ sei das Ganze und eine „freizügige Verschwendung von Steuergeldern“, heißt es da. „Luftschlösser“ seien auf dem alten Bergwerksgelände gebaut worden. Doch offenbar haben sich nicht allzu viele Kritiker schon mal auf Zeitreise durch die Urzeit in Reden begeben. Und offenbar haben nur wenige zur Kenntnis genommen, dass dort weit mehr geboten wird als spektakuläre Shows mit Roboter-Dinos. Das Praehistorium präsentiert neben Wow-Effekten nämlich tiefe Einblicke in die Entwicklung der Erde, des Lebens und des Menschen. Dabei sind neueste wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt und oftmals in einer einzigartigen Art und Weise umgesetzt.

Im Gespräch mit dem Betreiber und Ideengeber des Praehistoriums, Matthias Michael Kuhl, weist dieser darauf hin, es sei in Reden schon recht früh auch ein „Erlebnismuseum der Naturkunde“ geplant gewesen. Hier sollten vor allem Schülern und Studenten aus dem Saarland und aus Rheinland-Pfalz, auch aus Luxemburg und Frankreich, in einem außergewöhnlichen „Klassenzimmer“ die Grundzüge der Evolution sowie die biologische und kulturelle Entwicklung des Menschen vermittelt werden.

Das wird bis heute aber nur ansatzweise umgesetzt, wofür Kuhl ,,die Politik" verantwortlich macht, da die entsprechende Unterstützung ,,fest zugesagt" war. Gleichwohl wird die Präsentation im Praehistorium weiterhin ständig auf den neuesten Stand des Wissens gebracht. Experten wie der Paläontologe Andreas Braun, der Saurierforscher Professor Rudolfi Coria oder der Evolutionsforscher Michael Gudo entwickeln die Darstellungen weiter.

In den großen Naturkundemuseen in Deutschland, wie dem Senckenberg in Frankfurt, dem Naturkundemuseum in Berlin oder dem Museum für Mensch und Natur in München, stehen die Besucher fasziniert vor Schaukästen, in denen präparierte oder nachgebildete Pflanzen und Tiere in ihrer natürlichen Umwelt dargestellt sind. Auch das Praehistorium bietet solche Panoramen. Dort sind diese sogar lebensgroß – und begehbar. Ein durchaus zukunftsweisendes Konzept, denn der Besucher wird selbst Teil der Szenerien. Die Faszination ergibt sich aber nicht nur aus dem visuellen Erlebnis. Begleitet wird der Gast von Geräuschen und sogar Gerüchen, wie sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen vor Millionen von Jahren tatsächlich vorhanden waren.

Seit Menschen denken können, zerbrechen sie sich den Kopf darüber, woher sie kommen, wer sie sind, wohin sie gehen. Um diese Geheimnisse ergründen zu können, reichen philosophische und theologische Spekulationen nicht aus. Nur die Wissenschaft kann überprüfbare Fakten liefern, und in der Regel ist dafür ein mühsames, penibles Forschen erforderlich. Die neuen Erkenntnisse über die Verwandlung unserer Erde sowie die Entwicklung und Vielfalt des Lebens werden im Praehistorium in überaus sinnlicher Weise präsentiert. So sind die ersten Pflanzen nachgebildet bis in die feinsten Verästelungen. Man kann mit den Fingern erfühlen, wie die Rinde der Urbäume oder die Oberfläche ursprünglichen Gesteins strukturiert waren. Nur wenige Besucher aber beachten zum Beispiel das detailgetreu nachgebildete Ur-Insekt an einer Felswand, den Ur-Vogel Archaeopteryx auf einem Ast oder eines der ersten Säugetiere, nicht größer als eine Ratte, in seiner Höhle.

Mit großer Liebe zum Detail sind ganze Urlandschaften und Entwicklungsschritte des Lebens in Reden nachgebildet, beispielsweise die Lagune von Solnhofen vor rund 150 Millionen Jahren. Heute gelten die davon erhaltenen Kalkablagerungen in Süddeutschland als Fossilien-Fundstätte von Weltrang. In der Öffentlichkeit wird das Praehistorium jedoch überwiegend als fetzige Dino-Show wahrgenommen und nicht als bahnbrechendes Museum für Natur- und Kulturgeschichte, wie es dem Konzept eigentlich entspricht. Dabei wäre dieser Ort auch für die Erwachsenenbildung bestens geeignet. 2009 hielt der Wiener Professor Franz Wuketits, ein renommierter Evolutionsbiologe, im Praehistorium einen Vortrag. Er befasste sich mit Charles Darwin, der 150 Jahre zuvor sein Meisterwerk „Die Entstehung der Arten“ veröffentlicht hat. Der Andrang war so groß, dass mehrmals weitere Stühle herbeigeschafft werden mussten. Als Initialzündung reichte das nicht. Bis heute ist es nicht geglückt, im Gondwana-Park eine ständige Reihe wissenschaftlicher Vorträge zu etablieren.

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