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Praktiker: Interims-Vorstand Hafner bleibt im Amt

Kirkel. Die kriselnde Baumarktkette Praktiker kommt bei der Sanierung nicht voran. Die Beschlüsse der Hauptversammlung sind durch Klagen blockiert – und auch bei der Neu-Aufstellung des Vorstands gibt es keinen wirklichen Schritt nach vorne. Gestern Abend hat der Vorstand den  Interims-Vorstandschef, Kay Hafner, für weitere drei Monate im Amt bestätigt. Für Dirk Unrau von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) ein schlechtes Signal. Schließlich sei Hafner nur als Notlösung aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand berufen worden. Ganz anders klingt die offizielle Mitteilung von Aufsichtsratschef Kersten von Schenck. Er gibt sich überzeugt, dass durch die Verlängerung des Mandats von Hafner „die wesentlichen Weichenstellungen des Restrukturierungsprogramms in der derzeitigen Zusammensetzung des Vorstands vorangetrieben werden können".



Dabei geht es bei der Restrukturierung nur stockend voran. Denn der Baumarktkonzern ist bei seinem Sanierungsprogramm zurzeit weitgehend handlungsunfähig. Weil die Beschlüsse der Hauptversammlung durch acht Klagen blockiert sind, können sie nicht umgesetzt werden. Der Konzern hatte zwar angekündigt, beim Oberlandesgericht des Saarlandes ein so genanntes Freigabe-Verfahren zu beantragen, über das die Hauptversammlungs-Beschlüsse doch noch wirksam werden könnten, doch laut Gerichtssprecherin Anne Müller ist bisher kein Antrag eingegangen. Und auch ein solches Verfahren kann sich mehrere Monate hinziehen. Zeit, die der Konzern nicht hat. Nach Aussage von Finanzvorstand Markus Schürholz auf der Hauptversammlung reichen die flüssigen Mittel noch bis zum ersten Quartal des kommenden Jahres.

Beobachter gehen auch nicht davon aus, dass das Oberlandesgericht Praktiker schnell grünes Licht geben wird, die Beschlüsse durchzusetzen. "Wenn nur einige Querulanten klagen, ist das eine Sache, hier haben mehrere namhafte Aktionärsvertreter geklagt", sagt ein Insider.

Auf der Hauptversammlung Anfang Juli hatte sich Praktiker trotz heftigen Widerstands der Aktionäre ein Sanierungsprogramm genehmigen lassen, das unter anderem ein teures Darlehen des Hedgefonds Anchorage Capital über 85 Millionen Euro vorsieht. Außerdem soll dem Hedgefonds über eine Optionsanleihe günstiger Zugriff auf Praktiker-Aktien gewährt werden. Angesichts fehlender Alternativen hatten die Aktionäre letztlich zähneknirschend dem Programm zugestimmt.

Doch trotz der Zustimmung reißt die Kritik der Aktionäre nicht ab. Auch Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) sieht das Sanierungsprogramm sehr kritisch. Besonders stört sich die SdK gegen die Optionsanleihe, die Anchorage zur Bedingung für ihren Kredit gemacht hat. Diese sei für die Sanierung absolut nicht notwendig, die Mittel seien im Sanierungsprogramm nicht vorgesehen, sagt Neumann, der diese Anleihe entsprechend als "kostenlose Mahlzeit für eine Heuschrecke" bezeichnet. So etwas „verstehen wir nicht unter Anlegerschutz“, sagt Neumann. Gegen den Tagesordnungspunkt, der diese Anleihe beschlossen hat, hat die SdK Klage eingereicht. Auch fürchtet Neumann in dem Sanierungskonzept versteckte Risiken, die den Bestand von Praktiker gefährden können.

Zusätzlich tobt bei der Baumarktkette seit Wochen ein Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat auf der einen Seite und Aktionären auf der anderen Seite. Auch die Besetzung des Vorstandsvorsitzes war Teil dieses Machtkampfes. Großaktionärin Isabella de Krassny, die über ihre Privatbank Semper Constantia und den zypriotischen Fonds Maseltov 15 Prozent von Praktiker hält, forderte seit Wochen die Neubesetzung des Chefpostens mit einem Baumarkt-Profi. Ihr Wunschkandidat ist der frühere Obi-Manager Andreas Sandmann. Dass Hafner nun bestätigt wurde, hatte de Krassny schon erwartet, da vom Aufsichtsrat bisher „kein Entgegenkommen“ zu erkennen war. De Krassny hatte bereits auf der Hauptversammlung mehr Einfluss gefordert.

Doch auch bei der Besetzung des neuen Einkaufsvorstands durch den früheren Max-Bahr-Manager Thomas Heinitz kam kein Kandidat der Österreicherin de Krassny zum Zuge. Kreisen zufolge wurde die Personalie nicht einmal mit de Krassny abgestimmt. Auch ein alternatives Sanierungskonzept, das de Krassny mit dem Investor Clemens Vedder vorgelegt hatte, hätten Vorstand und Aufsichtsrat ohne tiefere Prüfung abgelehnt, hieß es. Vedders Bitte um Vorstellung des Konzeptes sei lapidar mit dem Hinweis zurückgewiesen worden, es „bestehe kein Gesprächsbedarf“.  "Meines Erachtens zufolge wäre es sinnvoll, wenn sich der Aufsichtsrat mehr auf die Großaktionärin zubewegen würde", sagt Unrau.

Längst droht der Konflikt zu eskalieren. De Krassny hat angedroht, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, sollte der Deal mit Anchorage abgeschlossen werden. Deren Sinn sei es dann, Aufsichtsräte abzuberufen, teilte de Krassny mit. Doch aus Aktionärskreisen ist zu hören, dass längst Vorbereitungen für solch eine außerordentliche Hauptversammlung laufen. Eine solche dürfte der Aufsichtsrat, dem die Hauptversammlung Anfang Juli mit großer Mehrheit die Entlastung verweigerte, nicht überstehen.

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