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Praktiker-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Kirkel. Die Kirkeler-Baumarktkette Praktiker muss an mehreren Fronten kämpfen. Zum einen setzt sich der Konzern bei seiner bisherigen Verkaufs-Strategie "20 Prozent auf alles, außer …" auf Entzug, weil diese auslaufen soll. Zum anderen greift der von Vorstandschef Wolfgang Werner (Foto: Praktiker) auf den Weg gebrachte Maßnahmen-Katalog "Praktiker 2013". Er soll die Kundenzufriedenheit erhöhen. Aber die Rendite soll ebenfalls steigen und die Kosten sollen sinken - auch die Personalkosten. Bei den Mitarbeitern macht sich inzwischen Nervosität breit. So sollen nach einem Bericht der "Lebensmittel-Zeitung (LZ)" die Unternehmenszentralen in Kirkel, Hamburg und Kerpen gestrafft werden. Für diese Maßnahmen will Praktiker fünf Millionen Euro Rückstellungen bilden. Der Aufsichtsrat hat dies laut LZ bereits gebilligt. "Der Standort Kirkel wird in keinster Weise geschwächt oder in Frage gestellt", reagierte ein Praktiker-Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Ansonsten will sich das Unternehmen nicht weiter äußern. Doch ein Blick in das Zahlenwerk für die ersten neun Monate des Jahres zeigt, dass der Personalabbau schon begonnen hat. So sank die Zahl der Konzern-Mitarbeiter in Deutschland von Januar bis Oktober bereits um 3,3 Prozent auf knapp 11 950.

Langfristiges Ziel der Strategie "Praktiker 2013" ist es, die Ebita-Marge in Deutschland auf "3,x Prozent" vom Umsatz zu trimmen. Ebita ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände. Im internationalen Geschäft mit Märkten in Griechenland, Bulgarien oder Rumänien soll die Ebita-Marge sogar auf "6,x Prozent" klettern. In Deutschland lag die Marge in den ersten neun Monaten von 2010 bei 1,1 Prozent. Im internationalen Geschäft wurden gerade einmal 0,7 Prozent erreicht.

Börsen-Analysten glauben allerdings, dass sich die Marktlage für Praktiker - zumindest in Deutschland - in den kommenden Jahren nicht bessern wird. Die US-Investmentbank Morgan Stanley stufte ihre Prognosen für den Kirkeler Baumarkt-Konzern um 28 beziehungsweise 20 Prozent für die kommenden zwei Jahre nach unten. "Es ist kaum absehbar, wie Praktiker seine historischen operativen Margen ohne eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen erlangen will", heißt es in dem Report.

Gerade das soll die Strategie "Praktiker 2013" schaffen. Hierbei ist geplant, die Kundenzufriedenheit generell zu erhöhen. So soll das Durcheinander bei den Eigenmarken im Mittelpreis-Segment aufhören. Wo heute noch "Fleurelle" für Blumen oder "Faust" für Malfarben auf den Etiketten steht, soll künftig nur noch die Eigenmarke "Praktiker" prangen. Außerdem soll die Übersicht in den Märkten erhöht und Dienstleistungen wie ein Farbmisch-Service angeboten werden. Zu besichtigen ist das alles bereits in dem kürzlich neu eröffneten Saarbrücker Markt. Entgegen der Börsen-Pessimisten bewegt sich die Aktie hingegen nach oben. Gestern legte sie mehr als 6,7 Prozent auf rund 7,51 Euro zu und gehörte zu den Tagesgewinnern.


Meinung: Ein langer Atem ist nötig


Der Kirkeler Baumarktkonzern Praktiker hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Er will seine Rendite verbessern und sein Image in neuem Glanz erstrahlen lassen. Das geht nur, wenn man sich vom Bild des billigen Jakob entfernt, bei dem nur "der Preis spricht". Vielmehr sollen künftig die Mitarbeiter mit den Kunden sprechen. Im Rahmen der Strategie "Praktiker 2013" bietet man in immer mehr Märkten einen Farbmisch-Service oder den Zuschnitt von Holzleisten an. Außerdem verleihen die Märkte Autotransporter. Diese früher bei Praktiker als "Heimwerker-Chichi" verschmähten Dienstleistungen sollen in Zukunft der Kundenbringer sein. Dumm nur, dass hier einige Wettbewerber schon weiter sind. Um das Image zu drehen, muss man einen langen Atem haben.
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