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Praktiker-Umzug: Viele Fragen offen

In der Kirkeler Praktiker-Zentrale sollen von 700 Arbeitsplätzen noch 180 übrig bleiben.

In der Kirkeler Praktiker-Zentrale sollen von 700 Arbeitsplätzen noch 180 übrig bleiben.

Kirkel. Auch wenn der Umzug der Zentrale des angeschlagenen Baumarkt-Konzern Praktiker von Kirkel nach Hamburg beschlossen ist, gehen Insider davon aus, dass „die Restrukturierung des Unternehmens damit noch lange nicht abgeschlossen ist“. Denn die Konzentration der Praktiker-Verwaltung in die Zentrale der Zweitmarke Max Bahr nach Hamburg-Wandsbek sei nur einer von mehreren Punkten des Restrukturierungsplans. Die weiteren fünf Vorhaben sind nach Angaben von Kennern:

Ein Sanierungstarifvertrag mit entsprechenden Entgelt- Anpassungen. Praktiker sagt, dass diese Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind.

Die Schließung von 30 Filialen, der Verkauf von ausländischen Märkten. Nach Angaben von Praktiker gibt es noch keine standortbezogene Schließungsliste. Beim Verkauf von Auslandsmärkten merkt man in der Konzernzentrale an, dass der Markt in Albanien zum Jahresende geschlossen wurde. Weitere Angaben macht das Unternehmen nicht.

Das Verhandeln besserer Einkaufskonditionen mit dem Ziel, damit ein Prozent der Kosten einzusparen. Praktiker: Auch hier sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.

Die Neustrukturierung der Märkte nach dem Vorbild eines inzwischen eingerichteten Mustermarktes in Heppenheim. Hier sind die Aussagen unterschiedlich. Die Praktiker- Großinvestorin Isabella de Krassny (Privatbank Semper Constantia, Österreich) ist von dem neuen Marktkonzept begeistert.

Es gebe nur noch drei Produkt- und Preisgruppen. Man könne den Materialbedarf für sein Renovierungsvorhaben exakt planen und müsse nur die Dinge einkaufen, die wirklich benötigt werden. Am Eingang werde man von einer Servicekraft empfangen, die kompetent weiterhilft. Einem langjährigen Kenner der Praktiker- Baumärkte ist in Heppenheim hingegen aufgefallen, dass „man nur die Regale um einen halben Meter heruntergesetzt und die Bügel, an denen die Waren hängen, um die Hälfte verkürzt hat“. Diese Maßnahmen hätten lediglich den Sinn, „die Kosten der Lagerhaltung zu senken“. Alles andere sei schon vorher in der Planung gewesen. Offen ist auch, welche und wie viele Berater dem Praktiker- Vorstand in Restrukturierungsfragen zur Seite stehen.

Insider sagen, dass sich die Kosten der Sanierungsberatung im vergangenen Jahr auf elf Millionen Euro summiert hätten. Für das Jahr 2012 seien 35 Millionen Euro für Restrukturierungs- Beratungskosten eingestellt. Der Baumarkt- Konzern will zu diesen Details keine Angaben machen. Praktiker betont aber, dass ein Konzept vom Vorstand entwickelt worden sei, „der dabei von einem Beratungsunternehmen unterstützt wurde“.

Offen ist auch, wie die Verwaltung des Konzerns von Hamburg aus organisiert werden soll, wenn nur ein Bruchteil der Kirkeler Mitarbeiter bereit ist, einen neuen Arbeitsplatz in Hamburg anzutreten.

Von den rund 700 Beschäftigten der Kirkeler Zentrale pendeln derzeit 70 wöchentlich nach Hamburg. Eine Vorentscheidung, wie viele tatsächlich in die Hansestadt ziehen, könne man daraus nicht ableiten, da erst jetzt – nach Abschluss des Interessenausgleichs – die Gespräche geführt werden könnten, so Praktiker. Arbeitsrechts- Anwälte, die Beschäftigte der Konzernzentrale vertreten, berichten, dass Praktiker Leiharbeiter einsetze, die von Stamm-Mitarbeitern angelernt würden, um eventuell später in Hamburg deren Arbeit machen zu können. Praktiker sagt, dass dies nicht der Fall sei. Wer nicht mit nach Hamburg will, erhält eine Abfindung in der üblichen Höhe, nämlich die Betriebszugehörigkeit in Jahren multipliziert mit 0,5 eines Bruttomonatsentgelts (ohne Urlaubs- oder Weihnachtsgeld). Wer also 2300 Euro brutto verdient und zehn Jahre im Unternehmen ist, erhält 11 500 Euro. Hinzu kommen Sockelbeträge für unterhaltsberechtigte Kinder (1000 Euro pro Kind) und Schwerbehinderte (1250 Euro).

Ein Arbeitsrechtler rät, diese Ansprüche insolvenzsicher zu machen, auch wenn Praktiker die Möglichkeit einer Insolvenz mit Nachdruck verneint. Der Jurist spricht sich dennoch dafür aus, „der Aufhebung des Arbeitsvertrages nur unter der auflösenden Bedingung zuzustimmen, dass vor Fälligkeit der Abfindungszahlung kein Insolvenzantrag gestellt wurde“. Denn bei einer Insolvenz müsse weniger als die Hälfte der bislang vereinbarten Abfindungssumme gezahlt werden. Auch die Kündigungsfrist reduziere sich – unabhängig von der Länge der Betriebszugehörigkeit – auf maximal drei Monate, so der Arbeitsrechtler, der nicht genannt werden will.

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