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Privatbahn Vlexx sieht sich in der Südwest-Region auf einem guten Weg

Vor über einem Jahr hat die Privatbahn Vlexx den Betrieb aufgenommen – im Saarland bedient die Tochter der italienischen Bahngesellschaft Netinera, die wiederum Italiens Staatsbahn FS gehört, die Strecke von Saarbrücken nach Frankfurt, in Rheinland-Pfalz zahlreiche andere Verbindungen. Bei einem Rückblick zieht Geschäftsführer Frank Höhler trotz des schwierigen Starts eine positive Bilanz: „Für das Saarland hat Vlexx zusätzliche Anbindungen gebracht und konnte damit die rückläufige Entwicklung im Fernverkehr etwas kompensieren“, sagt er.

Trotzdem sei bei einer differenzierten Betrachtung klar, dass der Start ebenso wie der Verkehr im Sommer alles andere als optimal gelaufen ist: „Wir sind davon ausgegangen, dass deutlich mehr Kollegen von der Deutschen Bahn zu Vlexx wechseln“, sagt Höhler. „Das ist so nicht eingetreten.“ Gerade bei den Lokführern wurde das zu einem großen Problem, denn, wie Höhler sagt, gibt es am Markt kaum Lokführer . „Wir haben rund 95 Prozent unserer Mitarbeiter selber ausgebildet.“ In den ersten Monaten brachte das jedoch keine Erleichterung, denn die Ausbildung von Lokführern dauert neun Monate. 20 Ausbildungskurse mit weit über zweihundert Teilnehmern habe Vlexx aufgesetzt, gleichzeitig seien Engpässe so weit wie möglich mit Leih-Lokführern ausgeglichen worden. Trotzdem kam es in der Anfangsphase reihenweise zu Ausfällen, teilweise mussten Zugverbindungen durch Bus-Ersatzverkehr überbrückt werden. „Unser Ziel allerdings war es, die Strecke von Saarbrücken nach Mainz und Frankfurt so weit wie möglich von den Anfangsschwierigkeiten zu entlasten“, sagt er.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht die Probleme als Anlaufschwierigkeiten. „Vlexx hat die Schwierigkeit unterschätzt, qualifizierte Lokführer zu bekommen“, sagt Mauel Schauer, Vorstand beim VCD im Saarland. Dass dies nicht nur eine Privatbahn wie Vlexx treffen kann, zeige auch das Beispiel der Deutschen Bahn, die bundesweit Probleme im Zugverkehr hatte, weil ein hoher Krankenstand das Stellwerk in Mainz lahmgelegt hatte. Ein hoher Krankenstand war es auch, der bei der Vlexx im Sommer 2015 erneute Engpässe mit sich brachte. „Im Sommer konnten wir das Problem aber schon strategischer angehen“, sagt Höhler. „Wir haben dann planmäßig Züge aus dem Plan genommen, um den übrigen Verkehr zu stabilisieren.“

Unabhängig von den Anlaufschwierigkeiten und den Problemen im Sommer laufe der Betrieb von Vlexx aber gut, sagt Höhler. Bei Kundenzufriedenheitsbefragungen schneide das Unternehmen in vielen Kategorien wie Sauberkeit, Schadenfreiheit, Sicherheit und Personal gut ab. Kritik gibt es allerdings noch an der Pünktlichkeit und den Informationen an den Stationen. Hier sieht sich die Vlexx allerdings nicht alleine in der Verantwortung. Denn die meisten Verspätungen gibt es Erhebungen zufolge auf der Strecke RE 3. „Die ist einfach zwischen Gau Algesheim über Mainz nach Frankfurt sehr stark befahren“, sagt er. Dabei vergleicht er die Strecke mit einer Autobahn. Je voller die ist, desto schneller kommt es zu Stau und Verzögerungen. „Wir kommen zwar aus Saarbrücken pünktlich raus, aber vor Mainz fallen wir dann mit der Pünktlichkeit ab“, sagt er. Und auf dem Rückweg müsse dann hinter Bad Kreuznach die aufgelaufene Verspätung wieder eingeholt werden. „Dieses Problem können wir nicht lösen, es ist in der Infrastruktur begründet.“

Ähnlich sieht es mit den Informationen auf kleinen Bahnhöfen aus: Die übernimmt die DB Station und Service für Vlexx. Doch die Zusammenarbeit „läuft nicht immer rund“, so dass Informationen „nicht immer da ankommen, wo sie hinmüssen.“

Die Qualität ist ein Thema, bei dem Höhler noch viel Potenzial sieht: „Bei der Kundenzufriedenheit liegen wir bei einer Schulnote von 2,2. Da ist noch Luft nach oben“, sagt er. VCD-Vorstand Schauer allerdings sieht bei Vlexx schon deutliche Verbesserung im Vergleich zu den früheren Zügen der DB Regio. „Hier begleiten die Zugbegleiter nicht den Lokführer , sondern die Fahrgäste“, sagt er. Gerade weil Vlexx offensichtlich branchenfernes Personal umgeschult habe, sei eine höhere Serviceorientierung zu erkennen. Auch seien die Züge fahrgastfreundlicher gestaltet, so dass sich die Reisequalität erhöht habe. Für Bahnfahrgäste werden die Angebote im Regionalverkehr in den nächsten Jahren noch vielfältiger. Die Deutsche Bahn (DB) als Marktführer verliert nach einer aktuellen Analyse weiter Marktanteile an Konkurrenten wie Transdev, Vlexx oder National Express.

Bei den Vergabeverfahren für die regionalen Schienennetze sei der Wettbewerb wieder deutlich intensiver geworden, heißt es in der Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr und der Beratungsfirma BSL Transportation Consultants.

Die Bahntochter DB Regio kam demnach, gemessen an den Zugkilometern, im Jahr 2014 auf einen Marktanteil von 74 Prozent. In diesem Jahr dürfte er auf unter 70 Prozent sinken. „Das Bild wird bunter“, sagte BSL-Wettbewerbsexpertin Barbara Hüttmann mit Blick auf die nächsten Jahre. So zeigt die Auswertung der bis Ende 2015 abgeschlossenen Ausschreibungen, dass die DB für die Jahre 2016 und 2019 lediglich jeweils 24 Prozent der vergebenen Zugkilometer gewonnen hat. In den Jahren 2017 (87 Prozent) und 2018 (69 Prozent) liegt der Staatskonzern dagegen klar vorn.
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