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Private Geschäfte mit Wildbret beim Saar-Forst?

Jagd ist Dienstaufgabe der Förster. Das erlegte Wild können sie zu Sonderpreisen kaufen. Foto: dpa

Jagd ist Dienstaufgabe der Förster. Das erlegte Wild können sie zu Sonderpreisen kaufen. Foto: dpa

. Beim Saar-Forst Landesbetrieb gab es möglicherweise über Jahre einen florierenden Schwarzmarkt für Fleisch von Rehen und Wildschweinen. Prüfer des Rechnungshofes haben entsprechende Hinweise an das Umweltministerium adressiert. Minister Reinhold Jost ( SPD ) bestätigte gestern, dass eine Mitteilung der Finanzkontrolleure vorliege. Derzeit werde eine Stellungnahme erarbeitet. Er kündigte als erste Reaktion eine Verschärfung einzelner Vorschriften in der Jagdnutzungsanweisung an. Jost: „Wir werden nachsteuern!“. So soll festgeschrieben werden, dass jagdberechtigte Forst-Mitarbeiter, darunter 33 Förster und drei Beamte, nur maximal zehn bis zwölf Stück Wild, das sie selbst erlegt haben, zu Sonderkonditionen für eigene Zwecke erwerben können. Jost betonte: „Die Jagd ist Dienstaufgabe der Förster.“ Wenn ein Förster jage, gelte dies aus versicherungsrechtlichen Gründen als Dienstzeit, aber nicht als Arbeitszeit. Nach Angaben aus dem Ministerium kann jeder Förster Rehe und Wildschweine, die er selbst geschossen hat, nach schriftlicher Meldung an die zuständige Forstabteilung kaufen. Er erhält dafür einen Sondernachlass von 30 Prozent auf den Preis, der für „Wild in der Decke“, also unzerlegt, vom Großhandel an den Saar-Forst bezahlt wird. Bei einem aktuellen Abnahmepreis von 3,50 Euro pro Kilo Reh zahlt der erfolgreiche Jäger vom Forst für den von ihm erlegten Bock nur noch 2,45 Euro pro Kilo.

 

Interessante Notiz am Rande: Kauft der Schütze das Wild nicht, hat erhält er zehn Euro aus der Staatskasse für den Schuss. Dann vermarktet der Forst die Beute.

 

Im Saar-Forst wurden 2015 und früher viele Böcke und Sauen geschossen. Für zwei Revierleiter und einen leitenden Forstbeamten errechneten die Prüfer, dass diese im vergangenen Jahr 331 Kilo, 417 Kilo und der Spitzenreiter sogar 657 Kilo Wildbret für den Eigenbedarf zu Sonderrabatt gekauft haben. Durchaus denkbar, dass das ein oder andere Stück gegen Bares an Wildliebhaber oder Restaurants verkauft wurde.

 

Eine Nebentätigkeit für möglichen Wildbret-Handel hat nach Ministeriumsangaben keiner der Betroffenen angemeldet. Nach SZ-Informationen gibt es beim Saar-Forst interne Listen, wonach ein Förster aus dem Trio 2013 sogar mehr als eine Tonne Wildfleisch zu Sonderpreisen gekauft hat. Insgesamt sollen alle drei seit 2012 mehr als 5,3 Tonnen Wild „mit Haut und Haaren“ erworben haben. Forstintern wird deshalb über einen florierenden Wildhandel gesprochen. Einer der Erfolgs-Jäger hat sich angeblich den Spitznamen „Bin Jagen“ eingehandelt, weil er sich mit diesem Hinweis immer im Dienst abgemeldet habe. Er hat aus der Staatskasse auch Schadensersatz kassiert, weil eine Kühlzelle des Forsts, in der er Fleisch deponiert hatte, ausgefallen war. Er zahlte 20 Euro Stromkosten pro Jahr.

 

Dieser Jäger im Staatsdienst beteuerte gegenüber unserer Zeitung: „Ich betreibe keinen Wildhandel. Da ist nichts Illegales.“ Er tue dem Forst den Gefallen, kaufe das erlegte Tier und versorge seine Familie mit Fleisch . Nur an Bekannte und Kollegen gebe er das zerlegte Tier zum Selbstkostenpreis zwischen fünf und sieben Euro pro Kilo ab.  
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