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Pro und Contra Saarbrücker Stadtmitte am Fluß

Entwurf der Berliner Promenade in Saarbrücken.

Entwurf der Berliner Promenade in Saarbrücken.

Saarbrücken.  Die ganze Stadt Saarbrücken diskutiert über das Mega-Projekt in der Landeshauptstadt: die so genannte Stadtmitte am Fluss! Seit Wochen tobt auch in den Leserbriefspalten der Saarbrücker Zeitung eine heftige Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern des Komplettumbaus des Saarufers.

Eine nichtrepräsentative Online-Umfrage der SZ hat jetzt ans Licht gebracht: Die Gegners des Projektes haben zurzeit eine klare Mehrheit der Saarbrücker auf ihrer Seite. Mehr als 71 Prozent der Teilnehmer haben gegen die Stadtmitte am Fluss gestimmt, nur rund 28 Prozent können sich vorbehaltlos mit dem Vorhaben anfreunden. Mehr als 600 SZ-Leser haben an der Umfrage in den vergangenen Tagen teilgenommen. Viele von ihnen haben auch Kommentare hinterlassen, die unter der Internetadresse unten abgerufen werden können. Man kann sich dort auch an der Diskussion beteiligen.

Von den Leserbriefen zum Thema neue Stadtmitte hat die Redaktion heute zwei Zuschriften ausgewählt und ihnen mehr Platz eingeräumt, als es gewöhnlich möglich ist. Die beiden Briefe fassen die Positionen und die wichtigsten Argumente der Gegner und der Befürworter des Projektes zusammen. Sie sollen Anlass zu weiterer Diskussion über das Projekt Stadtmitte am Fluss, sein, das auf die eine oder andere Art die politische Diskussion und das Leben in der Landeshauptstadt in den kommenden Monaten oder gar Jahren prägen wird.  Auch Sie wollen Ihre Meinung sagen? Dann schicken sie uns einen Brief oder eine E-Mail oder diskutieren Sie im Internet mit! aw

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir freuen uns über Ihre Leserbriefe zur Diskussion von Themen, über die die SZ berichtet hat. Damit ein möglichst großer Leserkreis zu Wort kommen kann, müssen Zuschriften gekürzt werden. Anonyme oder fingierte Briefe sowie beleidigende Texte veröffentlichen wir nicht. Zum Abdruck von Leserbriefen sind wir nicht verpflichtet. Die Redaktion trägt die presserechtliche, aber nicht die inhaltliche Verantwortung.

Leserbrief-Redaktion: Telefon (06 81) 5 02 22 81, Telefax (06 81) 5 02 22 89, E-Mail: leserbriefe@sz-sb.de

Die Diskussion



Pro

Ja zu einem kühnen Projekt

 

In der Wochenend-Ausgabe auf Seite C 1 gab es allerhand knieweiche Aussagen zur Konzeption "Stadtmitte am Fluss", die Sie treffend unter der Schlagzeile "Ja zum Umbau, aber Angst vor dem Chaos" zusammenfassten. Nichts als Bedenken. Die Kosten, die Belästigung durch die Baustelle, der schwer vorstellbare Tunnel . . . Noch mutloser könnten die Stadtplaner werden, wenn sie die Leserbriefe auf Seite C 3 der gleichen Ausgabe lesen sollten. Weil die Redaktion ausdrücklich zu weiteren Stimmen aufruft, fühle ich mich angesprochen, sogar provoziert: Woher weiß Leser Kurt Kniebe von überwiegender Ablehnung des Untertunnelprojekts bei der Saarbrücker Bevölkerung? Abenteuerlich erscheint mir, die Tendenz aus den Ergebnissen der Kommunalwahlen ablesen zu wollen. Noch abenteuerlicher erscheint mir die Unterstellung des Lesers Farhad Safarli, unsere Oberbürgermeisterin brauche vielleicht eine teure Flaniermeile. Der Leser Dietrich A. Strohmeier vergisst wohl bewusst bei seiner Vorrechnung der Investition von 20 Millionen, in welchem Umfang sich Land, Bund und Europa beteiligen. Hat er davon gehört, dass sich der Bund zurzeit 13-stellig verschuldet? Mit Sicherheit haben alle drei noch nicht die großzügige Holztreppen-Anlage von Paris-Bercy an der Seine genossen im Stil unserer Computer-Darstellungen. Ganz bestimmt kennen sie bei ihren Bedenken nicht die bewährte Untertunnelung von Düsseldorf den Rhein entlang.  Die macht deutlich, wie sehr die bis dahin zerhackte Altstadt gewinnt und wie gleichzeitig der Verkehrsfluss von Süden durch die ganze Stadt bis zur Messe im Norden problemlos gemacht wurde. Sonst würden sie nicht nur über dies und jenes jammern und auf die Bremse treten mit ihren Bedenken, damit ja nichts Ernsthaftes bewegt wird. Hätten frühere Generationen so, sorry, so "kleinkariert" gedacht , dann hätten wir - nur so als Beispiel - keine barocke Stengel-Promenade. Die einst kühn gedachte Berliner Promenade dagegen, als inzwischen nur noch überdachter Hinterhof der Bahnhofstraße und als idealer Stellplatz für französische Falschparker, hat uns genug geärgert. Und das angesichts unseres Glückes, einen sogar schiffbaren Fluss in Biegungen mitten durch Saarbrücken fließen zu sehen. Bad Reichenhall hat sich einen Fluss durch die Stadt künstlich schaffen müssen. Ich mit meinen 75 Jahren werde persönlich kaum noch Nutznießer der Umsetzung sein und habe mit meiner Firma als direkter Anlieger an der Bismarckbrücke mit deren Sanierung schon genug Baustellen-Belastung erlebt. Trotzdem sage ich aus vollem Herzen "Ja" zu dem kühnen Projekt. Die nächsten Generationen sollen gern hier leben und stolz sein dürfen, wenn sie Besuch aus ganz Europa durch unsere Landeshauptstadt führen. Koste es, nicht was es wolle, sondern was nicht vermeidlich ist. 



Contra

Rolf-Dieter Holtzmann, Saarbrücken

Berufspendler werden verzweifeln

 

Den Ausführungen von Baudezernentin Wandel-Hoefer zum Thema Verkehrssituation im Zusammenhang mit dem Projekt "Stadtmitte am Fluss", anlässlich einer Veranstaltung des Verkehrsvereins, muss mit Nachdruck widersprochen werden. Die A 620 ist mit einem Verkehrsaufkommen von 93 000 Fahrzeugen in 24 Stunden, davon etwa 50 000 im Ziel- und Quellverkehr, die einzige leistungsfähige Straße in Tallängsachse im Stadtgebiet. Ein alternatives Straßennetz, das auch nur ansatzweise Teile dieses Verkehrsaufkommens übernehmen könnte, gibt es nach der politischen Absage zur Nordtangente und nach dem Bau der Stadtbahn nicht mehr. Die Verkehrsaufkommen, aus Durchgangs-, Ziel- und Quellverkehr über mehrere Jahre hinaus, ich gehe von einem Jahrzehnt aus, durch eine Großbaustelle zu leiten, ist unverantwortlich. Die Saarbrücker Geschäftswelt wird massive Umsatzeinbrüche erleiden, die viele in den Ruin treiben wird. Die Berufspendler werden verzweifeln. Wer fährt schon durch eine Großbaustelle zum Einkaufen? Mit dem Wegfall der Auffahrten und einer Abfahrt an der Wilhelm-Heinrich-Brücke entfällt die direkte kreuzungsfreie Zufahrt zur Kernstadt von der Autobahn aus. Mit 17 000 Fahrzeugen auf dem späteren Boulevard zu rechnen ist wohl Wunschdenken unserer Baudezernentin, wenn man die Verkehrsströme auf den Auf- und Abfahrten an der Wilhelm-Heinrich- und Bismarck-Brücke auswertet.  Mit der Erneuerung der Luisenbrücke wird über mehrere Monate die Zufahrt von Völklingen kommend stadtseitig zum Bahnhof nur noch über die Westspange möglich sein. Die einspurige Bismarck-Brücke in Richtung St. Johann, die Paul-Marien-, Großherzog-Friedrich-, Kaiser- und Arndtstraße sind bereits heute nicht mehrt in der Lage in den Hauptverkehrszeiten ein größeres Verkehrsaufkommen aufzunehmen. Gleiches gilt für die Dr.-Vogeler- und Metzer Straße, hier der Einmündungsbereich, die als Umleitung für den Durchgangsverkehr angedacht sind. Die Gersweiler-, Heuduck- und Stengelstraße werden sich während der Bauphase zwangsläufig zu Hauptzufahrtsstraßen aus Völklingen kommend entwickeln. Das Verkehrsaufkommen in einer reinen Wohngegend wird sich vervielfachen. Unter diesen Gegebenheiten von einer besseren Verteilung und Bewältigung der Verkehrsströme zu postulieren, die mit harmlosen Eingriffen in das bestehende Straßennetz möglich sein soll, ist wohl unter dem Begriff Volksverdummung einzuordnen. Das Verkehrsaufkommen, so die Prognosen, wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Ich kann der Saarbrücker Kaufmannschaft nur empfehlen, ein eigenes Verkehrsgutachten erstellen zu lassen, das die Schwächen des Konzeptes und den Eingriff in die bestehende Infrastruktur während der Bauphase und des Endzustandes aufzeigt. Dieter Schönenberger, Saarbrücken

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