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Proberäume gekündigt: Steht Saarbrücker Band-Projekt vor dem Aus?

„Es geht nicht darum, zu betteln – wir brauchen kein Geld, wir brauchen einfach nur Raum“, erklärt Thomas Gerstner, Vorstand des Bandhouses. Das Bandhouse ist in der Saarbrücker Musikszene schon eine feste Institution geworden. Es bietet günstige Proberäume für Bands aus allen Musikgenres. In den nächsten Monaten wird sich entscheiden, ob es eine Zukunft für das Bandhouse gibt.

E-Gitarren-Sounds einer Punkband und Reggaeklänge vermischen sich, als ich an dem ehemaligen Büro-Gebäude vorbeilaufe. 2012 hat Thomas Gerstner den Verein gegründet, und mittlerweile proben hier 17 Bands mit insgesamt ungefähr 70 Musikern. Thomas Gerstner trommelt in einer dieser Bands. Der dunkelhaarige, gelassene Mittdreißiger sitzt schon mit einem Bier draußen vor dem Café im Nauwieser Viertel, als ich zu unserem Treffpunkt komme. Er umgibt sich gerne mit interessanten, vielseitigen und kreativen Leuten.

Vor acht Jahren hatte er die gleichen Probleme wie viele Musiker heute. Er brauchte einen Proberaum für seine Reggae- Weltmusik-Band „Radio Uruk“. So entstand die Idee, einen Bandhouse-Verein zu gründen. Nun steht Gerstner vor einem großen Problem: Der Mietvertrag ist gekündigt, und ab September muss das Gebäude aus Brandschutzgründen geräumt werden. Ab September suchen 20 Bands neue Proberäume. „Der gehört auch dazu“, Gerstner weist auf einen älteren Kerl mit grünem Klapprad, der daraufhin hält und ein kurzes Gespräch beginnt. Es vergehen kaum zehn Minuten, in denen nicht ein Freund oder Bekannter vorbeikommt. „Wir haben die Kündigung für September“, erklärt Gerstner dem Kollegen. „Und jetzt?“, mit großen Augen schaut dieser ihn ungläubig an. Mir wird die Bedeutung des Bandhouses jetzt klar. Hier können die Musiker aus dem Alltag ausbrechen. Sie lernen Leute kennen, musizieren und feiern zusammen.

Nicht Arbeit oder Studium verbindet die Menschen hier, sondern ein gemeinsames Hobby. „Nach drei Jahren mussten wir jetzt den Vorstand neu wählen – und es wurde ein waschechter Punk in den Vorstand gewählt, einer mit Feuerzeug im Ohr – fand ich auch ’ne verrückte Entwicklung. Manche haben während ihrer Zeit im Bandhouse ihr Leben geändert, sie haben Arbeit gefunden oder sind studieren gegangen.“ Die Mieter sind dankbar, die Miete kommt regelmäßig und bisher gab es keine Probleme.

„Kürzlich hat im Keller eine Band geprobt, und ich kannte niemanden von denen“, erzählt Gerstner. Das System funktioniert auf einer Vertrauensbasis – und das ist das Schöne daran. Regelmäßig fährt Gerstner im Umkreis von Saarbrücken herum und hat sich bereits 500 bis 600 Gebäude angeschaut. Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt ist eingeschaltet und auf der Suche. An das Gebäude werden hohe Ansprüche gestellt: Mehrere kleine Räume, ein lärmunempfindliches Umfeld, nicht zu neu, aber trotzdem nach der Brandschutzordnung. Als Gerstner Anfang April in der Mitgliederversammlung damit herausrücken muss, dass die Kündigung für September ansteht, ist das Entsetzen groß. Hausbesetzung und Demonstrationen waren erste Reaktionen.

Gerstner aber hat Verständnis: „Alle haben ihre Gründe. Die haben ja Recht. Niemand ist gegen das Bandhouse.“ Gerstner hat sich schon ähnliche Projekte angeschaut. In Hamburg und Mannheim gibt es zum Beispiel solche „Vorzeige“- Bandhäuser. Als er von diesen riesigen Bunkern mit über 40 Proberäumen spricht, glänzen seine Augen, und er hört gar nicht mehr auf zu reden: „Konzerthallen, in denen regelmäßig Auftritte stattfinden. Cafés und Bars, denn die Musiker wollen ja auch verpflegt werden. Es sind riesige Systeme, die es da gibt. Alle arbeiten zusammen: Musiker, Eventmanager, Gebäudemanager. Man könnte Arbeitsplätze schaffen.“ Das wäre die Traumvorstellung von Gerstner und sicher auch von vielen Saarbrücker Bands. „Jeden Monat haben wir zwei bis drei Anfragen von Bands. Hätten wir ein größeres Gebäude, wäre es kein Problem, das innerhalb kürzester Zeit voll zu bekommen. Der kulturelle Bedarf ist da.“

 Kontakt zum Bandhouse e.V. unter: gerstner@radiogroup.de oder im Internet. www. facebook.com/bandhouseev

HINTERGRUND

Thomas Gerstner gründete den Bandhouse e.V. im Mai 2012, um Bands den Raum zu geben, um zusammen Musik zu machen. Für 80 bis 200 Euro monatlich können die Bands einen Raum anmieten.

Bereits vor acht Jahren gab es das erste Bandhaus mit zehn Bands in der Bleichstraße im Alten Arbeitsamt. Für den Wochenspiegel stellte es aber eine zu große Lärmbelastung dar. Die nächste Station war dann ein Gebäude der Deutschen Bahn in der Kaiserstraße.

Die Bahn meldete nach zwei Jahren Eigenbedarf an. Mit Hilfe der Stadt fand sich dann 2012 das neue Gebäude in der Nähe des Römerkastells. Ab September 2014 sucht das Bandhouse III eine neue Bleibe; wegen der Brandschutzbestimmung muss das bisherige Gebäude geräumt werden. nibu

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