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Professor für Produktdesign eröffnete eine andere Sichtweise auf die Halde Lydia

Nachrichten aus der Region Saarbrücken.

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Eine Halde ist eine Halde. „Das sollte so bleiben“, erinnert Produktdesigner Harald Hullmann. Um zu klären, warum das so sein muss, hatten die Evangelische Akademie im Saarland und das Institut für aktuelle Kunst im Saarland zu einer Begehung der Halde Lydia bei Fischbach- Camphausen eingeladen. Seit einiger Zeit bieten beide Exkursionen zu Kirchen oder zur Kunst im öffentlichen Raum der Region an. Auch die Halde Lydia, die zum 2006 eröffneten, den Saarkohlenwald durchziehenden Haldenrundwanderweg gehört, passt in das Programm. Denn auch sie ist Kunst im öffentlichen Raum. Stimmt, die Halde Lydia ist ein „Gesamtkunstwerk“, wie einer der 16 Teilnehmer meinte. Viel zu hoch gehängt, wehrt Harald Hullmann ab: „Ich würde eher sagen, es ist ein Stück Landschaftsgestaltung“, das er und sein Büropartner Jörg Maria Gimmler als „Teil des Teams“ mit den Saarbrücker Landschaftsarchitekten Dutt & Kist und dem damaligen Leiter des Referats „Wald und Landschaft“ im saarländischen Umweltministerium, Jörn Wallacher, entwickelten. Aber diese Gestaltung ist so durchdacht und feinsinnig umgesetzt, denn hier ist die Leere Programm. Hier soll man allein mit dem Himmel sein, der „geradezu an die Halde stößt“, meint Harald Hullmann, und die tief liegenden Wolken geben ihm Recht.

Selbstverständlich war das nicht, betont Jörn Wallacher, sondern ein Richtungswechsel, „denn wir hatten es geschafft, dass Halden nicht mehr automatisch begrünt wurden.“ Was so viel heißt, die Natur sollte nicht darüber hinweggehen und damit die Geschichte der vom Bergbau geprägten Landschaft zudecken. Zugleich konnte es nicht sein, so Harald Hullmann, der mehr als 20 Jahre als Professor für Produktdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar unterrichtet hat, dass „hier nur der Bergbau seine Spuren hinterlässt. Es musste im Prinzip noch was dazukommen.“ Daher entwickelten Hullmann & Gimmler das Bild der „Himmelsspiegel“. Dafür ließen sie drei kreisrunde, unterschiedlich große, jeweils 40 Zentimeter tiefe Senken graben. Wenn der Regen sie mit Wasser füllt, spiegelt sich darin der Himmel.

So entstand ein einfaches Bild, ganz ohne aufgesetztes Kunstwollen, aber mit großer poetischer Kraft. Ohnehin scheinen die den einstigen Arbeitsvorgängen auf der Halde nachempfundenen Formen ein gerüttelt Maß an Schönheit in sich zu tragen. Etwa die Minihügelkette am Haldenrand, die sich den Schüttungen der auf die Halde fahrenden Lkw verdankt. Sie ist heute „eine der meistfotografierten Landschaften im Saarland, vor allem im Winter der Schwarzweiß-Kontraste wegen“, weiß Jörn Wallacher.

Die Leere zieht viele an, ob zu Fuß, zu Pferde, mit Hunden oder mit Motorrädern, wie die Spuren im Boden zeigen. Auch die Natur greift ein. Denn an den Rändern der Spiegel siedelten sich mittlerweile Birken, Pappeln, Gräser an. „Das muss man akzeptieren“, sagt Harald Hullmann und will diesen „Prozess der Veränderung mit großer Gelassenheit weiterverfolgen.“ Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, fügt er noch hinzu, und die Besucher schwärmen in die Fläche aus, sie nutzen den Fernblick oder suchen im auf der Halde verteilten Abraum nach Spuren von Fossilen. Denn die Halde Lydia muss man erleben.

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