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Programm A-Saar: Neues Projekt für Langzeitarbeitslose

Marion Asante hat nach langen Jahren wieder eine berufliche Perspektive. Seit wenigen Wochen arbeitet sie in der Buchbinderei der Saarstahl AG. Bis 2004 war die 50-jährige Saarbrückerin als Buchbinderin einer saarländischen Druckerei beschäftigt. „Dann hat man mir im Krankenschein gekündigt“, erzählt sie. Weil sie keinen regulären Job mehr fand, rutschte die Frau, die keine Berufsausbildung hat, in Hartz IV. Verzweifelt suchte die Mutter von zwei Kindern Arbeit, hielt sich nebenher mit 400-Euro-Jobs über Wasser. „Wenn man mir etwas angeboten hat, steckten Leihfirmen dahinter, die nur Hungerlöhne zahlen wollten.“

Dann kam sie in den Genuss des Programms „Perspektiven im Betrieb“, das die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Sommer als Pilotprojekt aufgelegt hat und derzeit in Modellregionen ausprobiert. Neben Nordrhein-Westfalen meldete sich das Saarland. Beiden Bundesländern erteilte die BA den Zuschlag.

Jetzt mussten nur noch Unternehmen gefunden werden, die Langzeitarbeitslose einstellen wollten. Voraussetzung ist, dass diese Frauen und Männer mindestens zwei Jahre ohne Beschäftigung und älter als 35 Jahre sind. Hinzu kommt, dass sie „aufgrund diverser Vermittlungseinschränkungen bisher keine Einstellung gefunden haben“. In der Regel sind damit gesundheitliche und private Probleme gemeint.

Das erste Unternehmen, das sich bereitfand, an diesem Programm teilzunehmen, war Saarstahl. Der Stahlkocher stellte gleich fünf Leute ein. Zwei weitere arbeiten beim Handelskonzern Globus. „Die Menschen sind voll in die Arbeitsabläufe integriert“, erzählte Saarstahl-Arbeitsdirektor Peter Schweda gestern bei der Präsentation des Projektes. Die Frauen und Männer arbeiten in der Druckerei oder als Maler und Lackierer. Offiziell sind sie bei der Gesellschaft für Beschäftigung und Qualifizierung (GBQ) angestellt, ein Unternehmen der Stahlstiftung Saarland. GBQ-Geschäftsführer Roman Selgrath lobte das Engagement der fünf Leute. „Unsere Mitarbeiter wollen sie nicht mehr hergeben.“ Insgesamt hätten sich 23 Interessierte für diese fünf Stellen beworben. Sie hätten ein normales Auswahl-Verfahren durchlaufen müssen, erläuterte Selgrath.

Den Betrieben, die bei diesem Modellversuch mitmachen, werden die Lohnkosten für die Langzeitarbeitslosen im ersten Jahr zu 75 Prozent erstattet. Im zweiten Jahr sind es 65 und im dritten 50 Prozent. Das Land unterstützt über sein Programm A-Saar die Einarbeitung der Leute mit 3500 Euro pro Person. „Für die Landesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen“, sagte Jürgen Barke, Staatssekretär im Arbeitsministerium.

Heidrun Schulz, Chefin der BA-Regionaldirektion, wirbt dafür, dass sich möglichst viele Firmen an diesem Projekt beteiligen. „Die Betriebe übernehmen eine besondere gesellschaftspolitische Verantwortung“, meinte sie. „Im Gegenzug erhalten sie hoch motivierte Mitarbeiter, die dankbar für die gebotene Chance sind.“
Marion Asante hat ihre neue Arbeit bereits verinnerlicht. „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man sagen kann: Ich arbeite bei Saarstahl.“
 
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