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Projekt „Lesehund” soll Kindern Lust aufs Vorlesen machen

Nachrichten aus der Region Saarbrücken.

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Mischlingshund Kimble aus Bildstock ist ein solches Tier. Seine Halterin, Beate Ewen, stellt im SZ-Gespräch aber gleich klar, dass das umgängliche Tier zwar gut erzogen ist, aber keine Kunststückchen kann. Und Lesen kann der Hund auch nicht. Wieso dann „Lesehund“?

Nun, der Vierbeiner geht mit seiner Halterin in Schulen und fördert das Lesen der Kinder. „Sie glauben gar nicht, wie viele Kinder nur schlecht oder manche gar nicht richtig lesen können“, bedauert die ehemalige Erzieherin. Als Ewen im Ruhestand war, kam sie auf die Idee, mit dem Hund einer ihrer beiden Töchter einen Kurs zu besuchen. Bei der Prüfung beim Deutschen Roten Kreuz kam sie mit einer Frau ins Gespräch, die ihr von dem Projekt der Lesehunde in Bayern erzählte. Beate Ewen wurde neugierig und informierte sich. Zügig entschloss sie sich, die Idee mit ihrem Kimble in Altenheimen in Dudweiler und Friedrichsthal zu testen. In den Schulen stieß sie aber zuerst auf Widerstand. Entmutigen ließ sich die hartnäckige Frau aber nicht.

In der Grundschule in Bildstock wurde sie gleich mit offenen Armen empfangen. Dort ist sie inzwischen einmal wöchentlich in der zweiten Klasse mit Kimble zu Gast. Alle 14 Tage auch in der Grundschule Saarlouis-Lisdorf. „Danach ist Kimble geschafft“, sagt sie. Doch wie läuft das Ganze überhaupt ab? Meist sind es zwei Kinder, die mit ihr und dem Vierbeiner in einem Raum sind. Oft ist es die Bücherei, denn hier ist es ruhig und niemand stört den regulären Unterricht. Ein Kind liest dem Hund etwas vor. Das andere wartet geduldig und mit Disziplin darauf, dass es selbst an der Reihe ist. So haben alle etwas davon: das lesende Kind, das sich um verständliche Aussprache und gutes Vorlesen bemühen muss. Das wartende Kind, welches sich etwas abgucken und im geduldigen Warten üben kann. Und natürlich auch der fünfjährige Kimble.

Versteht der Hund denn was? Das dürfte eher unwahrscheinlich sein. Beate Ewen macht das Ganze ehrenamtlich, verdient also nichts. Obwohl sie die Spritkosten selbst finanziert, macht ihr das Ganze Spaß. Da kommt einem schnell die Frage, ob die Kinder keine Angst vor dem Tier haben. „Kimble ist lieb und brav. Selbst die größten Angsthasen legen irgendwann ihre Befürchtungen ab“, sagt Ewen. Wenn man den Vierbeiner ansieht, glaubt man es sofort. Die Kinder finden ihn toll, und er mag die Kinder. Als die Tierhalterin sein dreieckiges Tuch in die Hand nimmt, glaubt er gleich, dass es in die Schule geht. „Nein, Kimble. Heute nicht“, ruft Ewen. So trollt er sich und legt sich wieder hin.

AUF EINEN BLICK

Die Lesefreude bei Kindern noch weiter zu steigern, das ist das Ziel des Projektes „Lesehund“. In kleinen Gruppen lesen die Kinder aus ihren Lieblingsbüchern einem Hund vor. Das Lesehunde-Team besteht aus Beate Ewen und ihrem Hund Kimble. Interessant sei zu beobachten, so Ewen, dass selbst zappelige Kinder plötzlich ruhig und konzentriert würden, sobald sie dem Hund Kimble vorlesen. Beate Ewen ist Mitglied im DRK-Ortsverein Saarbrücken, St. Johann. Die Ausbildung absolvierte die gelernte Kindergärtnerin an vier Wochenenden in Kirkel.

Wie alle Lesehunde-Führer arbeitet sie ehrenamtlich. eng

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