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Projekt „Mitfahrerbank“ im St. Wendeler Land: Einmal zum Supermarkt, bitte!

Eine Auto hält an der Mitfahrerbank, der Wartende steigt ein. Dieses Konzept in Speicher ist Modell für unsere Region. Foto: H.Tittel/dpa

Eine Auto hält an der Mitfahrerbank, der Wartende steigt ein. Dieses Konzept in Speicher ist Modell für unsere Region. Foto: H.Tittel/dpa

Mehr eingekauft als geplant. Und nun steht man da mit den schweren Tüten. Glücklich, wer ein Auto hat oder in der Nähe einer Bushaltestelle wohnt. Für alle anderen wird das ein beschwerlicher Heimweg. Vor allem für ältere Menschen ist ein kurzer Supermarktbesuch oft mit großer Anstrengung verbunden. Da wäre es doch schön, wenn es jemanden gäbe, der einen ein Stück mit dem Auto mitnimmt. Dieser Gedanke soll in Tholey, Theley und Türkismühle künftig in die Tat umgesetzt werden. Zumindest wünschen sich das die Ortsvorsteher der drei Dörfer und Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt . Sie starten ein interkommunales Projekt mit Namen „Mitfahrerbank“. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn es werden tatsächlich Bänke aufgestellt, die Mitfahrpunkte markieren. Wer nicht mehr zu Fuß durch den Ort laufen möchte, setzt sich auf die Bank und signalisiert den Autofahrern so: Ich möchte mitgenommen werden. Wohin? Das zeigt ein Schild an. Neben jeder Bank steht ein Schilderbaum, bei dem das Wunschziel ausgewählt werden kann.

 

Und wer hat's erfunden? In der Verbandsgemeinde Speicher habe die Mitfahrerbank Furore gemacht, berichtet Jutta Backes-Burr, Kulturbeauftragte der Gemeinde Tholey. Der Tipp, die Hunsrück-Gemeinde mal zu besuchen, kam vom Türkismühler Ortsvorsteher Markus Düsterheft. Er hatte durch einen Bekannten, der regelmäßig auf Fahrradtouren nach Speicher kommt, von dem Projekt erfahren. „Ich freu mich, wenn die erste Bank da ist und das Projekt starten kann“, sagt Düsterheft. Das wird wohl Ende August der Fall sein. Insgesamt acht Bänke sollen aufgestellt werden: an den Einkaufsmärkten, in Wohngebieten, entlang der beiden langgezogenen Straßen im Ort.

 

Bürgermeister Schmidt hat sich in seiner Gemeinde dazu entschieden, zwei Pilotorte für das Projekt auszuwählen: Tholey und Theley. Marianne Weicherding, Tholeys Ortsvorsteherin, kann sieben Mitfahrerbänke bei sich im Ort aufstellen. Als Standorte sind die Kirche, der Friedhof, der Schaumbergturm und verschiedene Wohngebiete angedacht. Eine Bank mehr kann Theleys Ortsvorsteher Friedbert Becker verteilen. Er nennt als Beispiel-Stopps die Kirche, die Johann-Adams-Mühle, Friedhof und Siedlungsgebiete. Wobei er bei letzteren zu bedenken gibt: „Hier wohnen viele junge Leute. Man muss sehen, ob das Sinn macht.“ Die Option, dass Bänke ihren Standort ändern können, lässt sich auch der Türkismühler Ortsvorsteher offen: „Man muss schauen, ob die gewählten Plätze in Ordnung sind.“

 

„Die Mobilität der älteren Leute erhöhen“ ist für Bürgermeister Schmidt ein Argument für die Mitfahrerbank. „Wobei das Projekt nicht den ÖPNV ersetzen, sondern ergänzen soll“, betont Backes-Burr. Was Siedlungsgebiete betrifft, habe der öffentliche Personennahverkehr Defizite. Dass die Mitfahrerbank in der Gemeinde Tholey ähnlich erfolgreich wie in Speicher werden kann, dafür spreche laut Backes-Burr die gesellschaftliche Struktur: „Wo, wenn nicht hier, kennen und helfen sich die Leute?“ Stichwort: Kennenlernen. Düsterheft wünscht sich, dass auch Flüchtlinge mit Hilfe des Projektes mobiler und von den Einheimischen mitgenommen werden. Sind die Bänke erst da, soll für das Projekt geworben werden, zum Beispiel mit Wurfzetteln oder Aufklebern. Wer sich Sorgen in Sachen Versicherungsschutz macht, den kann Bürgermeister Schmidt beruhigen. Auch bei diesem Thema habe die Verbandsgemeinde Speicher Vorarbeit geleistet und abgeklärt, dass die Autofahrer , die Personen mitnehmen, versichert sind. Sollte jemand dennoch unsicher sein, empfiehlt Schmidt den Anruf bei der eigenen Versicherung.

 

Zuschuss für das Konzept der Mitfahrerbank soll es vom Modellprojekt „Land(auf)Schwung“ des Landkreises St. Wendel geben. Ein, zwei Jahre möchte Schmidt dem Mitfahr-Konzept Zeit geben und dann bilanzieren, wie es angenommen wurde. Läuft es gut, ziehen andere Ortsteile seiner Gemeinde nach.

 

Zum Thema:

Die Mitfahrerbank könnte neben Theley, Tholey und Türkismühle bald noch in weiteren Dörfern des Landkreises St. Wendel zum Ortsbild gehören. Wie ein Sprecher des Landkreises St. Wendel bestätigt, sind bei dem Projekt „Land(auf)Schwung“ weitere Anträge eingegangen. Projektskizzen liegen aus den Gemeinden Freisen und Nonnweiler vor. evy
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