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Projekt: Schüler singen mit Frank Nimsgern

Farbenblind bei Aufnahmen im Studio.

Farbenblind bei Aufnahmen im Studio.

Saarbrücken. Manchmal muss man sich etwas trauen. Vor vielen Menschen zu singen zum Beispiel. Oder den Mund aufmachen anstatt die Klappe zu halten, wenn Menschen wegen ihres Aussehens dumm angemacht werden. Oder beides – wie Julia Salm es tut. Die 17-Jährige aus dem Saarbrücker Stadtteil Gersweiler ist eine von elf saarländischen Schülerinnen und Schülern, die dem Anti-Rassismus-Lied „Farbenblind“ ihre Stimme geben.



Frank Nimsgern komponierte Farbenblind-Lied

Angefangen hat es mit einem Casting Mitte Dezember. Die Landeszentrale für politische Bildung hatte Jugendliche in den 22 saarländischen Schulen, die zum bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gehören, zu einem Vorsingen eingeladen. Es ging darum, einen Chor zu bilden, der das von Frank Nimsgern komponierte Farbenblind-Lied, bekannt macht. 60 Schülerinnen und Schüler machten mit. Tuka Tajali, Viviana Milioti, Philipp Allar, Sarah Hamm, Roni-Berfin Yalgin, Kay Ludwig, Giovanna Domante, Leonie Holz, Jennifer Issa, Kristin Backes und Julia Salm wurden ausgewählt.
 

Seitdem hat sich das Leben der jungen Leute verändert. Es gebe viele Auftritte, sagt „Schule ohne Rassismus“-Koordinator Burkhard Jellonnek. Wegen des gut gefüllten Terminkalenders mussten Anfragen zurückgewiesen werden.



Erfahrung, vor 50 000 Leuten zu singen

Es sei beeindruckend, wie die jungen Leute sich reinhängen. „Etwas zu machen, bei dem Schüler von sich aus kommen und nicht nur weil es während der Schulzeit ist“, sei nicht einfach. Mit dem Farbenblind-Projekt sei es gelungen. Wobei die Jugendlichen „auch etwas zurückbekommen“, wie Jellonnek sagt. Etwa die Erfahrung, vor 50 000 Leuten zu singen.

Diesen Auftritt vor dem Bundesligafußballspiel Kaiserslautern gegen St. Pauli Ende April wird Julia Salm so schnell nicht vergessen. Sie hat es „schon als rsikant“ empfunden, in einem Fußballstadion gegen Rassismus zu singen. „Extreme Fans sind ja schonmal rassistisch“, sagt Julia Salm. Aber der Applaus der Menge hat ihr und den andern dann doch gut getan. Die Gruppe hofft, dass es in Berlin, wo der Song am 27. Mai in der Landesvertretung des Saarlandes einem ausgewählten Publikum vorgestellt wird, ebenso gut läuft. Jellonnek hofft, dass der Song bei „Größen aus Politik, Kultur und Sport“ gut an- und dann auch groß rauskommt.

„Es wäre schön, wenn es weitergeht“, formuliert es Julia Salm etwas vorsichtiger. Zum einen, weil die Gruppe dann auf jeden Fall zusammenbleibt. Denn wie die anderen habe sie durch das Projekt gelernt, „wie Musik Leute zusammenbringt“. Zum andern, weil man nicht genug gegen Rassismus machen kann, erklärt Julia Salm.

Rassismus, erklärt die Schülerin des Ludwigsgymnasiums, ist ziemlich daneben. Denn: „Es kann ja niemand etwas dafür, wie er aussieht. Und im Supermarkt gibt es ja auch viele Obstsorten, die wir nicht mehr missen möchten, viele davon aus dem Ausland. So ist das auch im Leben: Jeder hat etwas Gutes.“

Auf einen Blick

Auszüge aus dem „Farbenblind“-Text von Aino Laos. Die Musik dazu hat Frank Nimsgern komponiert:

Wir betrachten unser Leben in schwarz und weiß,

Tag und Nacht, kalt und heiß. Die Dinge scheinen klar – wir glauben doch nur was wir sehen. Aber ohne den Verstand kann schließlich Wissen nicht entstehen.

Eine farbenfrohe Welt entfaltet sich im Herzen. Die Farbenpracht entspringt aus deiner Phantasie. Zum Licht führt die Brücke – ein Regenbogen

Schatten und Licht – komm schärfe deinen Blick! Erweiter deinen Horizont – sei nicht farbenblind! Ganz ohne Schatten und Licht – verbreite deine Sicht für eine Menschheit ohne Grenzen – sei doch nicht farbenblind!

Wir genießen die Vielfalt von nah und fern. Fremd und doch vertraut – wie vom andren Stern. Unsrer Sonne helles Strahlen – alle Farben in sich birgt, erleuchtet unser Sehen – was des Menschen Seele wird.

Eine ideale Welt entsteht zuerst im Herzen. Erwecke sie zum Leben mit Mut und Phantasie! Die Hoffnung ist das Licht – ein Regenbogen Schatten und Licht – komm zeige dein Gesicht. Erweiter deinen Horizont – sei nicht farbenblind! (…) für einen Augenblick stell dir vor die Menschheit ohne Grenzen – sei doch nicht farbenblind!

Nimm die Schwachen an der Hand. Wer, wenn nicht wir, wir schließen einen Bund fürs Leben – wir sind die Garanten der Zukunft.

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