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Protest: Gab es keinen Platz für Behinderte bei Max Ophüls?

Menschen mit Behinderung wiesen am Festival-Freitag mit einer Protestaktion im Cinestar darauf hin, dass Behinderte vom Max-Ophüls-Festival
ausgesperrt sind. Und sogar die Filme selbst seien nicht behindertengerecht, zum Beispiel weil Untertitel fehlen.

Menschen mit Behinderung wiesen am Festival-Freitag mit einer Protestaktion im Cinestar darauf hin, dass Behinderte vom Max-Ophüls-Festival ausgesperrt sind. Und sogar die Filme selbst seien nicht behindertengerecht, zum Beispiel weil Untertitel fehlen.



Saarbrücken. 16.30 Uhr am Freitag im Saarbrücker Cinestar. Eine halbe Stunde vor der Kurzfilm-Vorstellung in Saal 3 sind die ersten von etwa zehn Rollstuhlfahrern im Foyer. Sie haben sich abgesprochen, im Internet-Portal des Ophüls- Festivals Karten gekauft und begehren Einlass in ihren Film. Misslich nur, dass Saal 3 lediglich über zwei Stellplätze für Rollstuhl-Fahrer verfügt. In den anderen Sälen ist je ein solcher Platz vorhanden. Die Festival- Kinos Filmhaus (städtisch) und camera zwo sind mit Rollstühlen erst gar nicht erreichbar. Eingeschränkt barrierefrei ist das Kino achteinhalb. Das Personal von Festival und Cinestar, freundlich und bemüht, aber überfordert mit den Wünschen, gerät in Handlungsnotstand. Bereits 2012 waren überraschend viele „Rollis“ auf einmal gekommen. Damals hatte man ihnen flugs eine Sondervorstellung in einem freien Raum ermöglicht.

Nun aber sind alle elf Säle regulär bespielt. Dann erscheinen plötzlich noch Sehbehinderte, die sich nach Filmen mit Audiodeskription (eine Stimme erklärt die Handlung) erkundigen. Und Gehörlose, die Filme mit Untertiteln anschauen möchten. Die Wünsche sind nicht erfüllbar, jedenfalls nicht sofort und nicht für alle. Nach einigem Hin und Her gibt es Eintrittsgeld zurück, Entschuldigungen, Beteuerungen, nächstes Jahr könne wohl „alles besser“ werden, man müsse nur „früh genug Bescheid sagen“. Dunja Fuhrmann, die Gesamtbehindertenbeauftragte der Stadt, ärgert sich: „Es wird immer so getan, als kämen wir auf den letzten Drücker. Dabei wiesen wir schon voriges Jahr an gleicher Stelle auf die Missstände hin.“ Auch zum diesjährigen Festival, bei dem die ohnehin niedrigen Erwartungen noch einmal unterboten worden seien, habe man weder sie noch den Behindertenbeirat in die Planung einbezogen. Stattdessen werde an einem „Konzept des Aussonderns und Benachteiligens“ festgehalten.

Dies müsse sich ändern. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichte die Stadt Saarbrücken nämlich, alles zu tun, damit eine Kulturveranstaltung mit öffentlichem Geld wie Ophüls für alle erlebbar werde. Das sei mit wenig Aufwand, aber viel gutem Willen möglich. Wörter wie „Schuldenbremse“ und „Finanzierungsvorbehalt“ seien „in diesem Kontext menschenverachtend“. Man wolle das Festival nicht schlechtmachen, sondern mit der konzertierten Aktion seine Popularität nutzen, um weit verbreitete Miseren aufzuzeigen, so Fuhrmann. Auch Angela Staub aus Saarbrücken ist enttäuscht. Die Vorsitzende der Landesvereinigung Selbsthilfe, eines Verbandes für Behinderte und Schwerkranke, versteht die jungen Filmemacher nicht. Sie prangerten bevorzugt die Benachteiligung von Minderheiten an, brächten es aber nicht fertig, die Filme zu untertiteln und mit Audiodeskription auszustatten und dadurch für die echten Benachteiligten erlebbar zu machen.

„Das kostet einen Promilleanteil vom Gesamtbudget“, sagt der blinde Adrian Schmitz aus Besseringen. Er schlägt vor, diese Hilfen in den Festivalausschreibungen zu verankern, wenn nicht als Pflicht, so doch als Anregung. Schmitz, Vorsitzender der Hilfsorganisation „Herzensengel“, hat nicht damit gerechnet, in einen Ophüls- Film zu kommen und ist deshalb nicht enttäuscht. Er hat immerhin Gelegenheit, Neugierigen zu erklären, dass Blinde großen Spaß an Kino haben können – wenn man ihre Bedürfnisse kennt. Nächstes Jahr will er wieder nach Saarbrücken kommen und erleben, ob „alles besser“ wird.


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