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Prozess gegen Rechtsanwalt wegen Untreue

Saarbrücken/Saarlouis. Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts hat gestern ein Prozess wegen Untreue, Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Arbeitsentgelt begonnen. Angeklagt ist ein 61-jähriger Rechtsanwalt aus Saarlouis. Er ist weitgehend geständig und hat seine Zulassung zur Anwaltschaft freiwillig zurückgegeben. Er wollte damit einem Entzug der Zulassung zuvorkommen.

Zum Prozessauftakt, erklärte er, dass es ihm Leid tue, so viele Menschen geschädigt zu haben. Er wolle sich bemühen, alles wieder gut zu machen. In der Anklageschrift ist von einer veruntreuten Summe in Höhe von 310?000 Euro die Rede.
Die Geschichte des Mannes zeugt vom Aufstieg und Niedergang einer verheißungsvollen Karriere. Bereits mit 17 Jahren machte der Angeklagte sein Abitur. Er studierte Jura, musste selbst zur Finanzierung beitragen. Er spielte in Bands. Aber das Studium litt darunter. Nach 20 Semestern schloss er ab. Sein zweites juristisches Examen bestand er im zweiten Anlauf – als Jahrgangsbester.

Dann ließ er sich in der Saarlouiser Innenstadt als Anwalt nieder. Daneben hatte er eine Anstellung als Lehrer an einer Musikschule. Durch seine Bekanntheit und dank seines Engagements in Vereinen lief die Kanzlei gut an. Er stellte mehrere Anwälte, Büropersonal und Auszubildende ein. Aber er selbst hatte von Buchhaltung geringe Kenntnisse. Zu spät merkte er, dass die Kosten zu hoch waren. Mitarbeiter entlassen wollte er nicht.

Seine Konten gerieten mehr und mehr ins Minus. Alle Einnahmen, auch Gelder der Mandanten, flossen auf Konten, von denen er auch die Raten für sein Haus bezahlte. Schließlich konnte er keine Beträge, die zu Gunsten der Mandanten eingingen, auszahlen. Mit 60 000 Euro half ihm sein Schwiegervater aus der Patsche. Dann schlug das Finanzamt zu: 60 000 Euro Steuernachzahlung. Jetzt half die Sparkasse mit einem neuen Darlehn. Aber es kam schlimmer. Nach einer Betriebsprüfung kam ein Steuerbescheid über 250 000 Euro. Das Finanzamt hat die nicht ausgezahlten und auf den Konten versickerten Mandanten-Gelder als Betriebseinnahmen gewertet. Seine Konten wurden gepfändet und das System, Mandanten-Gelder mit neuen Einnahmen auszuzahlen, brach zusammen. Seine Kanzlei wird von einem anderen Anwalt abgewickelt. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. jht



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