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Prozess um tödliche Explosion: Ex-Direktor von Total in Carling wird der fahrlässigen Tötung beschuldigt

Die Chemie-Produktions-Plattform im lothringischen Carling.

Die Chemie-Produktions-Plattform im lothringischen Carling.

Ein ungewöhnlicher Andrang herrschte gestern am Saargemünder Gericht beim Prozessauftakt um den tödlichen Unfall vor sechs Jahren auf dem Gelände von Total im lothringischen Carling. Die Explosion an einem Steamcracker hatte damals zwei Mitarbeitern, die noch keine 30 Jahre alt waren, das Leben gekostet. Der Steamcracker wird genutzt, um Rohbenzin zu trennen und Ethylen als Basis für Lack- oder Plastikprodukte herzustellen.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Verhandlung beim Prozessauftakt standen gestern die Menschen vor der Sicherheitsschleuse Schlange. Im voll besetzten Gerichtssaal reichten die zwei für Rechtsvertreter reservierten Bänke nicht aus, einer der rund zehn Anwälte musste zwischen den Journalisten sitzen.

Auf der Anklagebank saßen zwei Männer in dunklen Anzügen: Claude Lebeau (51), dem ehemaligen Direktor der Total-Anlage in Carling, wird fahrlässige Tötung in zwei Fällen sowie fahrlässige Verletzung am Arbeitsplatz vorgeworfen. Wird er vom Gericht für schuldig befunden, muss er mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren sowie einer Geldstrafe von 75 000 Euro rechnen. Aufsichtsratsmitglied Philippe Goebel vertrat beim Prozess in Saargemünd den Konzern Total Petrochemicals France (TPF). Dem Konzern als juristische Person drohen für die gleichen Anklagepunkte bis zu 375 000 Euro Geldstrafe.

Im Saal erinnerte sich ziemlich jeder an die Explosion beim Überhitzer des Streamcrackers vor sechseinhalb Jahren, an den lauten Knall und die Riesenwolke. An den beiden Tagen vor der Katastrophe am 15. Juli 2009 hatte es in Lothringen heftig geregnet, der Steamcracker war wegen des eindringenden Wassers heruntergefahren worden.

Kurz vor 15 Uhr am 15. Juli versuchten dann der 28 Jahre alte Facharbeiter Jérôme Griffoul und der Auszubildende Maximilien Lemerre (21), den Steamcracker wieder zum Laufen zu bringen. Der normale Ablauf der Wiedereinschaltung sieht vor, dass der Überhitzer zuerst entlüftet wird, um sicher zu gehen, dass sich kein Gas darin befindet. Laut Analyse der Gutachter wurde dieser Schritt an dem Tag des Unfalls jedoch übersprungen. Woran das gelegen hat, wollten gestern nicht nur die Eltern des gestorbenen Azubis Lemerre und die Verlobte von Jérôme Griffoul wissen. Auch sechs weitere Mitarbeiter, die durch herumfliegende heiße Backsteine verletzt wurden, und mehrere Gewerkschaften haben eine Nebenklage eingereicht und saßen gestern im Gerichtssaal.

Wusste Claude Lebeau, dass ein wichtiger Schritt der Wiedereinschaltung übersprungen werden sollte? Wurden die Mitarbeiter sogar ermutigt, die Maschine so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen? Oder entzog sich dieses Vorgehen seiner Kenntnis? Das soll das Gericht in den weiteren vier Verhandlungstagen klären. Ein Urteil wird erst in paar Monaten erwartet, wie Staatsanwalt Olivier Glady der SZ mitteilte.
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