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Psychologe klärt auf: Was mein Kostüm über mich verrät

Zeig mit Dein Kostüm - und ich sag Dir, wer Du bist...

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 Kleider machen Leute – das gilt umso mehr an Karneval , Fastnacht, Fasching. Wer als prunkvolle Prinzessin protzt oder als fromme Nonne durch die Straßen zieht, verrät seine geheimen Sehnsüchte, sagt der Psychologe und Motivationsexperte Ralf Schmiel aus Essen . In einer Studie hat er einen Blick hinter die Maskeraden geworfen. Ob klassisch, modern oder gewagt: Das Kostüm sieht Schmiel als Spiegel des Charakters.



Der Klassiker: Alle Jahre wieder gehen sie über die Ladentheken der Kaufhäuser: „Jeder schreit nach Piraten und Co“, sagt Jürgen Wirtz, Abteilungsleiter der Spiel- und Karnevalsabteilung der Galeria Kaufhof in Köln. „Cowboy und Indianer geht immer“, bestätigt Dieter Tschorn, Sprecher der Fachgruppe Karneval im Verband der deutschen Spielwarenindustrie. Die Klassiker, wie sie Schmiel nennt, landen vor allem in den Einkaufstüten der Konservativen. Experimentierfreude? Eher Fehlanzeige. „Die Träger wollen kein Risiko eingehen und haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis“, sagt der Psychologe.



Der Moderne: Karnevalisten, bei denen im Alltag das Smartphone hinter dem Ohr klemmt oder der Laptop in der Tasche steckt, verspüren bei Säbel und Colt eher gähnende Langeweile. Stattdessen verkleiden sie sich im digitalen Zeitalter lieber als Handy oder tragen blinkende Apps auf der Brust – passend dazu lautet das Motto der diesjährigen Karnevalsaison in Köln „social jeck – kunterbunt vernetzt“. Aus Sicht des Psychologen signalisieren solche Narren vor allem „Ich bin up to date“. Trendsetter seien sie aber weniger. „Sie schwimmen nur auf der Welle mit“, sagt Schmiel. „Wer sich dafür entscheidet, sieht in der Regel eine Herausforderung oder sogar Überforderung in den neuen Medien.“



Der Wagemutige: Überfordert sind bei diesem Trend wohl eher die anderen: Wer mit üppigem Busen prahlt oder seinen nackten Oberkörper zur Schau stellt, hat Schmiel zufolge exhibitionistische Tendenzen. Hoch im Kurs stehen kurze Röcke und tiefe Ausschnitte trotzdem. „Egal ob sexy Polizist oder sexy Bienchen, sowas kommt immer gut an“, sagt Uta David vom Kostüm-Ausstatter Schlaudt in Koblenz. Auch Wirtz sagt: „Je kürzer, desto besser.“ Hinter der Maske stecken aber nicht nur offenherzige Menschen, sondern vor allem die Verklemmten. „Gerade diejenigen trauen sich dann ausnahmsweise, zu Karneval diese Facette zu leben“, sagt Schmiel.



Der Historiker: Früher war alles besser! Wer an Fastnacht als Knecht, Magd oder Baron durch die Straßen zieht, sehnt sich nach einer „glorifizierten Scheinwelt mit dem schönen Happy End“, sagt Schmiel. Besonders Träumer flüchten dem Psychologen zufolge in historischen Kostümen in die „gute, alte Zeit“. Je belastender der Alltag, desto intensiver werde dann gefeiert.



Der Politische: Träumen ist für den politischen Kostümierten der Nacht vorbehalten. Mit seinem Kostüm setzt er sich mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinander und versteckt sein Gesicht hinter einer Merkel- oder Obama-Maske. „Diese Menschen wollen eine Botschaft senden und ihr politisches Mitteilungsbedürfnis ausdrücken“, sagt Schmiel. Aber auch hier gebe es zwei Typen: Die Lauten, die immer ihre Meinung sagen – und die Schüchternen, die sich nur im Kostüm trauen, den Mund aufzumachen.



Der Individualist: Der bunte Hut aus der Bastelabteilung, das T-Shirt vom Nachbarn ausgeliehen und die Piratenklappe aus der Vorsaison hervorgeholt: Der „Do-it-Yourself“-Trend ist auch unter Karnevalisten immer beliebter, sagt David. Narren, die selbst Hand anlegen, haben in den Augen von Schmiel Mut und eine starke Persönlichkeit. Sie seien außerdem kreative Menschen, die sich gerne auf Spielsituationen und andere Welten einlassen. „Dafür wollen sie dann aber auch Anerkennung.“
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