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Putschversuch bewegt türkische Gemeinde

Vor und nach dem gestrigen Nachmittagsgebet diskutierten viele Moscheebesucher über die aktuellen Geschehnisse in der Türkei. Fotos: Robert Schmidt

Vor und nach dem gestrigen Nachmittagsgebet diskutierten viele Moscheebesucher über die aktuellen Geschehnisse in der Türkei. Fotos: Robert Schmidt

Viele der rund 600 Türken in Neunkirchen haben ein aufregendes Wochenende hinter sich. Als am späten Freitagabend die Nachricht eines Putsches gegen den türkischen Präsidenten Erdogan einging (siehe: Auf einen Blick), glühten bei vielen die Telefondrähte, wurden eilig Nachrichten mit Verwandten und Bekannten in der Heimat ausgetauscht. Der Türkisch-Islamische Kulturverein hielt seine Türen bis Samstagmorgen offen. Mehrere Dutzend Mitglieder der Gemeinde fuhren nach dieser für viele langen Nacht zu einer Solidaritätskundgebung vor das Türkische Konsulat in Mainz.

 

Auch an diesem Montagnachmittag sitzen drei Männer im Gemeinschaftssaal des Kulturvereins vor dem Gebet zusammen und schauen türkisches Fernsehen. Der Putschversuch sei ein Fehler gewesen, sagt der 54-jährige Türke Yusuf Kaya. Was die Regierung jetzt mit den Putschisten in seinem Heimatland machen soll? „Kann sein Todesstrafe “, gibt der Arbeitssuchende zur Antwort. Sein Freund, der 68-jährige Yunus Öztürk, pflichtet ihm bei und sagt noch etwas in der Art, dass die Leute gut lebten in der Türkei. Auch ein dritter, ebenfalls türkischer Besucher meint: „Erdogan hat alles gut gemacht. Was wollen die Leute also?“ Zehn Männer sind diesmal zum Gebet gekommen. Im Anschluss unterhalten sich einige von ihnen bei einem Kaffee weiter über die aktuelle Lage in der Türkei. Auch der 31-jährige Transportunternehmer Umut Kahva verteidigt Erdogans Reaktion: „Besser hätte man es nicht machen können.“ Auch die Todesstrafe würde er nicht ausschließen: „Wenn jemand 100 oder mehr Menschen umbringt, hat er nicht das Recht im Gefängnis zu sitzen.“ So oder so ähnlich formulieren es viele Moscheebesucher. Hickmet Aytar, 2. Vorsitzender, sagt zum Thema Todesstrafe : „Im Moment würde ich zustimmen.“ Die Putschisten hätten „Menschen vernichtet“, meint Muhsin Ece, türkischstämmiger Vorsitzender des Integrationsbeirats der Stadt Neunkirchen . „Vom Gefühl her haben sie die Todesstrafe verdient.“ Nach seinem Glauben und seinem menschlichen Empfinden würde er sie aber nicht verhängen. Kulturvereinsvorsitzende Nihat Güler sagt, dass er als Privatperson und Muslim dagegen sei. Die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei wäre für ihn ein „Rückschritt“.

 

Der 39-jährigen Neunkircher Orkan Kaya sagt, wegen den andauernden politischen Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern des Kulturvereins gehe er nicht mehr gerne in die Moschee. Zum Thema Todesstrafe meint der Gastrounternehmer und Vorsitzende des Fußballvereins 1. FC Neunkirchen : „Ich bin absolut dagegen.“ Insgesamt unterstütze er aber die Politik Erdogans. Der Politiker habe dem Land den „wirtschaftlichen Aufschwung“ und Frieden beschert. Bei aller berechtigten Kritik an der Politik bei der Gleichberechtigung und Menschenrechte, müsse Europa endlich akzeptieren, dass er nun das Land regiere. Ihn ärgere es außerdem, dass westliche Medien Erdogan immer als Diktator darstellten. So oder so ähnlich formulieren es an diesem Montag viele. Deutsche Medien berichteten einseitig, hieß es, manche verbreiteten sogar Falschmeldungen. Die Türken hätten nun mal mehrheitlich für Erdogan gestimmt, das gelte es, zu akzeptieren. Aytar vom Kulturverein fasst es so zusammen: „Die Leute sind doch nicht blöd oder blind.“

 

Zum Thema:

In der Türkei ist an diesem Wochenende ein Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs gegen die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan gescheitert. Dabei hatte es mehr als 200 Tote und Tausende Verletzte gegeben. Tausende Putschisten wurden festgenommen. In Deutschland folgten Erdogans Appell für Solidaritätskundgebungen Tausende Anhänger. Die EU mahnte die Türkei derweil, zur Ordnung zurückzukehren. Amnesty International appellierte an das Land, die Todesstrafe nicht wieder einzuführen. red
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