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Quentin Tarantino über seinen Western ,,The Hateful 8" und den Rassismus in den USA

Tim Roth, Kurt Russell und Jennifer Jason-Leigh (v.l.) in der Schneehütte. Fotos: Universum

Tim Roth, Kurt Russell und Jennifer Jason-Leigh (v.l.) in der Schneehütte. Fotos: Universum

Wie der Titel „The Hateful 8“ schon andeutet, steckt in diesem Film eine Menge Hass. Wie viel Wut steckt in Ihnen?

Tarantino: Das Drehbuch habe ich mit einer gewissen Wut im Bauch geschrieben. Ich war zu der Zeit etwas depressiv. Die Gründe möchte ich nicht diskutieren. Aber die Wut und Traurigkeit, die ich in mir spürte, habe ich in die Figuren einfließen lassen. Im Film steckt viel von dem, was ich damals fühlte.

Wie schon „Django Unchained“ ist in „The Hateful 8“, der kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg angesiedelt ist, Rassismus ein zentrales Thema.

Tarantino: Rassismus gehört zur Geschichte Amerikas, aber dieses Thema wurde von fast allen großen Western-Regisseuren immer umschifft. Mit meinem Film wollte ich dem Western-Genre ein Gespräch über Rassismus in Amerika anbieten, der in diesem Genre über viele Jahrzehnte negiert wurde.

Sehen Sie in „The Hateful 8“, der die gegenseitigen Vorurteile und Aversionen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg herausarbeitet, auch einen Kommentar zum polarisierten Zustand der heutigen US-Gesellschaft?

Tarantino: Das filmische Endergebnis läuft darauf hinaus, aber das war nicht meine Intention, als ich auf die erste Drehbuchseite schrieb: „Ein Kutsche bahnt sich den Weg durch den Schnee.“ Western haben auf eine sehr profunde Weise immer auch die Zeit reflektiert, in der sie gedreht wurden. Die Western der 50er haben die Ideale der Eisenhower-Ära widergespiegelt. Western in den späten 60ern und 70ern haben auf den Vietnam-Krieg Bezug genommen. Ich hatte nicht die Absicht, unsere gesellschaftliche Gegenwart zu behandeln, aber es lief darauf hinaus, als die Figuren in der Postkutsche anfingen, politische Diskussionen zu führen. Als ich die Szene geschrieben und gedreht hatte, dachte ich: Das könnte man fast in den Nachrichten senden. Der Film reflektiert das Dilemma zwischen Blue-States und Red-States, in dem wir uns derzeit in Amerika befinden. Viele Menschen sagen, dass die US-Gesellschaft heute so gespalten ist, wie sie es seit dem Bürgerkrieg nicht mehr war. Diese gesellschaftliche Aktualität gibt dem Film größere Relevanz.

Sie haben kürzlich die Proteste gegen die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner und Latinos unterstützt. Polizeigewerkschaften drohten mit einem Boykott Ihres Filmes, weil Sie Polizisten als „Mörder“ bezeichnet haben.

Tarantino: Ich denke, in einigen Fälle handelt es sich tatsächlich um Mord. Der 43-jährige Afro-Amerikaner Eric Garner etwa wurde von einem Polizisten erdrosselt. Die herumstehenden Kollegen griffen nicht ein.

Wäre es nicht Zeit für einen Tarantino-Western, der sich auch mit dem Leben der Native Americans beschäftigt?

Tarantino: Ich bin ja zu einem Viertel selbst Cherokee-Indianer. Aber ich sehe mich nicht, in einem Indianerdorf herumlaufen, um genau darauf zu achten, dass die Tipis historisch korrekt aufgebaut werden.

Das Skript zu „The Hateful Eight“ wurde vorab illegal im Internet veröffentlicht. Sie haben danach erwogen, das Projekt abzublasen. Sie sind sehr offensiv in diese Kontroverse gegangen. Was hat sich durch die Diskussion in der Filmbranche geändert?

Tarantino: Mir hat es das Herz gebrochen, als das Skript veröffentlicht wurde, das hat mich in meinem Arbeitsprozess weit zurückgeworfen. Meine Wut richtete sich gegen die Geschäftspraktiken im Filmgeschäft, die das überhaupt möglich gemacht haben. Diese Leute wissen, dass man so etwas nicht tut, aber keiner wird deswegen wirklich belangt. Viele Menschen waren in unterschiedliche Weise daran beteiligt und haben ein Auge zugedrückt – und genau so wird ein System moralisch korrumpiert.

Bleibt es dabei, dass Sie nach Ihrem zehnten Werk das Filmregiehandwerk an den Nagel hängen?

Tarantino: Ja, das stimmt. Zehn Filme ist eine gute Zahl. Danach werde ich Romane, Bücher über das Kino oder Bühnenstücke schreiben und vielleicht am Theater inszenieren. Nur folgerichtig war es: Nachdem sich Regisseur Tarantino schon mehrmals bei der Musik von Ennio Morricone zu anderen Werken bedient hatte, konnte er den Maestro diesmal überzeugen, für ihn eine eigene Musik zu komponieren – die erste Westernmusik Morricones seit den 80ern.

Das Album (erschienen bei Decca) überrascht – der 87-Jährige greift dabei nicht zu jenen extremen Mitteln, mit denen er einst Italowestern untermalte: verzerrte E-Gitarren, Maultrommel, Sänger an der Kreischgrenze. „The Hateful Eight“ dagegen klingt mysteriös, unheilschwanger, ist vor allem streichergetrieben und variiert sein Thema über weite Teile der CD. Dass Album-Produzent Tarantino zwischen einigen Stücken Dialogpassagen seines Films und einen Roy-Orbison-Song erklingen lässt, stört diese orchestrale Reise in die Dunkelheit. Aber man kann sie ja überspringen.

 

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Die anderen neuen Filme: Die Camera Zwo (Sb) zeigt Isabel Stevers Ophüls-Eröffnungsfilm „Das Wetter in geschlossenen Räumen“. In der Camera Zwo läuft auch „Uns geht es gut“ an. Das Filmhaus (Sb) zeigt gleich zwei Dokus. In „Janis: Little Girl Blue“ behandelt Amy Berg das Leben von Janis Joplin. „Match Me“ von Lia Casper setzt sich mit der Paarsuche unter Singles auseinander. red
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