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Ramadan und Schule: So gehen Lehrer im Saarland damit um

Müde und abwesende Gesichter ihrer muslimischen Schüler sind für Lehrer der Völklinger Gemeinschaftsschule am Sonnenhügel während des Fastenmonats Ramadan kein seltener Anblick. „Bei uns fasten viele Schüler“, sagt Rektorin Gisela Bodamer, „je länger der Fastenmonat dauert, desto deutlicher lässt die Konzentration nach. Vor allem sind die Schüler morgens sehr müde, weil sie abends nach dem Fastenbrechen spät ins Bett gehen.“ In Klassen mit vielen muslimischen Schülern müssten die Lehrer das Lerntempo im Unterricht drosseln und häufiger Pausen einplanen.

Auch am Schwimmsportfest hätten ein paar fastende Schüler nicht teilgenommen. „Im Wasser besteht die Gefahr, dieses zu schlucken“, nennt die Rektorin den Grund, räumt aber ein: „Es ist für uns oft ein Problem festzustellen, ob der Schüler den Ramadan wirklich einhält oder ihn manchmal zum Vorwand nimmt, um gewisse Dinge zu umgehen, die er nicht mag.“

Nichts essen und nichts trinken – vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Für gläubige Muslime sind die 30 Fastentage eine religiöse Pflicht. Auch wenn Kinder dazu nicht verpflichtet sind, befolgen dennoch einige das Glaubensgebot. Ab Klasse 8 fingen viele an, den Ramadan einzuhalten, bei den jüngeren Schülern sei dies noch kein Thema, hat Bodamer beobachtet.

Blasse Schüler, die über Schwindel und Unwohlsein klagen, gebe es nicht nur während des Ramadans, der an diesem Sonntag endet. „Das kommt bei Jugendlichen in der Pubertät – ob Muslim oder nicht – gleichmäßig vor“, sagt die Rektorin. So haben sie und ihre Kollegen diesbezüglich keine vermehrten Fälle beobachtet. Das Kollegium versucht, soweit es geht, Rücksicht auf die Fastenden zu nehmen. „Das heißt nicht, dass diese Schüler etwa grundsätzlich vom Sportunterricht befreit sind“, betont sie, „aber wir sagen ihnen: Wenn ihr das Gefühl habt, ihr überfordert euch jetzt, dann nehmt euch eine Auszeit.“

Im Schuljahr 2012/13 haben nach Angaben des Statistischem Landesamts 6477 Schüler im Saarland als Religionszugehörigkeit „Islam“ angegeben. Das entspricht 6,8 Prozent aller Schüler. Einen Leitfaden, wie Lehrer mit fastenden Schülern umgehen sollen, gibt es laut Bildungsministerium nicht. Dem Ministerium liegen keine Meldungen über gesundheitliche oder Leistungsprobleme fastender Schüler vor. Beobachteten Lehrer bei fastenden Schülern Schwächephasen, könnten diese krankheitsbedingt nach Hause geschickt werden. An muslimischen Feiertagen wie Opferfest und Zuckerfest bekämen die Schüler frei, wenn ihre Eltern dies beantragten.

Probleme im Ramadan seien Ausnahmen, sagt Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbands. „Auf die Schüler, die fasten wollen, ist Rücksicht zu nehmen, soweit das möglich ist.“ So könne im Sportunterricht auf Ausdauersport verzichtet werden. „Im Einzelfall kann geschaut werden, dass die Klassenarbeit nicht ausgerechnet in der achten Stunde geschrieben wird.“ Aber es könne nicht sein, dass in dieser Zeit keine Prüfungen stattfänden. „Es gibt auch eine christliche Fastenzeit. Die dauert 40 Tage. Wenn wir auch darauf achten müssten, kämen wir in Verzug mit den Leistungskontrollen“, sagt die Landesvorsitzende des Verbands der Realschullehrer in Deutschland, Inge Röckelein.

Sie sieht auch Eltern in der Verantwortung, entsprechend auf das Wohl ihrer Kinder zu achten.

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