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Rasen ist jetzt richtig teuer

Dudweiler. Der Fahrer braust gemütlich durch die Gegend, im Radio trällert launige Musik, die Gedanken schweifen – und dann blitz, blitz! Geschwindigkeitskontrolle!

Die Polizeibeamten stehen am Ortsausgang von Sulzbach an der Sulzbachtalstraße Richtung Friedrichsthal. Sie winken Autos zum Halten in eine Seitenstraße. Die Wagen sind wenige hundert Meter zuvor aus einem zivilen Polizeiauto heraus geblitzt worden. Tempo 50 ist dort erlaubt. 68 fuhr beispielsweise ein roter Opel. Die junge Frau hinter dem Steuer – abzüglich drei Kilometer pro Stunde Toleranz (bei Geschwindigkeiten über 100 gelten drei Prozent Toleranz) – 15 Kilometer pro Stunde zu schnell gewesen. Zwanzig Euro Verwarngeld wird sie zahlen müssen. Sie gibt reumütig zu: „Dafür muss ich ihnen ein Verwarungsgeld von 20 Euro berechnen“, sagt Dienstgruppenleiter Holger Haag, der gebückt neben dem geöffneten Seitenfenster des Wagens steht. „Oh, so viel habe ich nicht dabei. Das überweise ich lieber“, sagt die junge Frau. Als Haag zum Einsatzwagen geht, um ein Verwarnungsgeld-Bescheid auszustellen, sagt die Frau „Ich find’ es ja grundsätzlich richtig, dass die Polizei die Geschwindigkeiten überwacht.“ Dann sagt sie: „Aber es gibt bestimmt sinnvollere Stellen, wo sich die Herren aufhalten könnten.“

Was die Frau vermutlich nicht weiß: Auf der Sulzbachtalstraße sind innerhalb von 18 Monaten bei vier Unfällen drei Menschen schwer verletzt worden. Der stellvertretende Kommissariatsleiter der Verkehrspolizeiinspektion Dudweiler, Jörg Paulus: „Wir machen keine Radarkontrollen, um dem Staat zusätzlich Geld in die Tasche zu scheffeln, wie vielleicht viele meinen. Sondern um Unfälle zu verhindern.“ Die Wahl der Überwachungsstellen richte sich nach Unfallhäufigkeit oder Gefahrenstellen. Denn: Erfasst ein 60.Kilometer pro Stunde schnelles Auto einen Fußgänger, hat dieser statistisch gesehen eine nur etwa 25-prozentige Überlebenschance. Wer noch 20 Sachen schneller ist, tötet den Fußgänger unausweichlich. „Die meisten Fahrer sind sich gar nicht bewusst, dass sie in einer regelrechten Waffe sitzen“, sagt Paulus. Also gelte es, viele Autofahrer zu bremsen – und mit Blitzlicht ihr zu schnelles Fahren aufzudecken.

Wie gut, dass vor Radarkontrollen gewarnt wird – mag mancher Autofahrer denken. Woran er nicht gedacht hat: Angekündigte Kontrollen machen die Straßen kein bisschen sicherer. Paulus: „Wer nur langsam fährt, weil er gewarnt ist, gibt am nächsten Tag wieder Gas.“ Eine polizeiinterne Untersuchung bestätigt das. Paulus: „Wir haben mal die Geschwindigkeiten gut hundert Meter hinter einer Radarkontrolle gemessen und festgestellt: Unmittelbar hinter der Kamera beschleunigen viele wieder. Sie müssen also mit der Messstelle gerechnet haben.“ Verantwortungsbewusstsein funktioniert anders. Dass einige der Streckenabschnitte, auf denen geblitzt wird, von der Polizei selbst angekündigt werden, sei „ein Zugeständnis der Politik an die Bürger“.

Aber machen Blitzer die Straßen sicherer? Der Nachweis ist schwer zu führen. Tatsache aber ist: Die Saar-Polizei hat die Zahl der Geschwindigkeitskontrollen von 3101 im Jahr 2004 auf 3825 im Jahr 2007 erhöht. Gleichzeitig stieg die Zahl der Fahrverbote ( Bußgeldverfahren, ohne Alkohol- und Drogen-Hintergrund) von 2628 auf 2871. Zurück ging die Zahl der Schwerverletzten (von 750 auf 725) und Toten (von 76 auf 61). szn/bie



Hintergrund:

Nach dem neuen Bußgeldkatalog ist seit 1. Februar das Rasen deutlich teurer (20cent berichtete): Wer innerorts 21 bis 25.Kilometer pro Stunde zu schnell ist, zahlt 80.Euro (bisher 50), mehr als 70.Sachen zu schnell kosten 680.Euro (bisher 425). Außerorts kosten Geschwindigkeitsübertretungen von 21 bis 25 Kilometer pro Stunde 70 Euro (bisher 40), darüber 600 Euro (bisher 375). ...Verwarnungsgeld (bis 20 Kilometer pro Stunde zu schnell, maximal 35 Euro) kassieren die Kommunen. Bußgeld (ab 21 Kilometer pro Stunde) fließen in die Landeskasse. Die Kommunen erhalten daraus von Fall zu Fall Aufwandsentschädigungen.


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