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Rauch-Verbot trifft Gastronomie

Saarbrücken. Die Hiobsbotschaft erreicht Frau Gülmüs-Bardakci an einem sonnigen Nachmittag. In der Sisha-Kneipe in Saarbrücken steht die süße Luft, das typische Aroma des Apfeltabaks aus den Wasserpfeifen. Kaum Gäste. Nach einem Richterspruch dürften es gar keine mehr sein: Der Verfassungsgerichtshof hatte am Montag das absolute Rauchverbot verfassungsgerecht genannt. „Was soll ich jetzt machen?“, fragt Serpil Gülmüs-Bardakci. Bis eben wusste sie nichts von dem Urteil. Sie weiß aber, was es für sie bedeutet: „Ich kann nichts mehr machen, ich habe keine Möglichkeit mehr.“ Die Wasserpfeife als Kultur, ihr jugendliches Publikum, zwei Jahre Arbeit, noch weitere acht Jahre Verpflichtungen über einen Pachtvertrag – Argumente, die für ihr Geschäft sprechen, halten nicht stand, wenn das Gericht dem Gesundheitsschutz Vorrang einräumt. 30 Arbeitsplätze in etwa zehn Sisha-Läden in Saarbrücken gehen verloren, schätzt sie. Einer davon wird wohl ihrer sein, ein zweiter der ihres Mannes.

Nicht überall bedeutet das absolute Rauchverbot einen solch gravierenden Einschnitt. Im Glühwürmchen, unweit des St. Johanner Marktes, sind die Aschenbecher unterm Tresen verstaut. Betreiber Robert Bischof sitzt dort in seiner Kneipe. Nein, an ein Kneipensterben glaubt er nicht. Weniger Geld in der Kasse lasse sich ausgleichen. Bischof, seit 1973 Wirt, ärgert etwas anderes: „Die kleinen Freiheiten werden eingeschränkt.“ Bischof, erklärter Nichtraucher, will „mehr übers Bewusstsein erreichen, weniger übers Verbot“. Hans Husel, ein Gast, stimmt zu. Rauchverbot – da will jeder was dazu sagen. Und wenn es nur flapsig in die Runde geworfen wird: „Jetzt muss ich mich abends nicht mehr nackig im Treppenhaus ausziehen“, sagt der Mann am Zapfhahn. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Er fragt schmunzelnd: „Wer zieht sich schon gerne im Treppenhaus aus?“ Rauchverbot mal heiter. Ernst meint es ein anderer Gast: „Denen hat doch der Mut gefehlt, das schon im Januar zu machen.“ Die, das sind die Richter am Verfassungsgerichtshof.

Tatsächlich. Über dem St. Johanner Markt lacht die Sonne. Wer kann, sitzt in der Sonne beim Milchkaffee – Zigaretten glimmen. Ein Rauchverbot in Kneipen lässt sich so gelassen ertragen. Falls sich doch jemand beschweren will, hat Jochen Gräser eigens einen Hinweis an der Eingangstür des St. J. angebracht: Von „der grünen Gutmenschentruppe um Hubert Ulrich“ ist darauf zu lesen und dem Nichtraucherschutzgesetz, von der „Jamaika-Truppe aus Machtgeilheit“ mitgetragen. „Ich bitte alle Wutbürger ihren Unmut gegenüber Herrn Ulrich oder Mitgliedern der Jamaika-Koalition kundzutun“, heißt es dort. Gräser zeigt auf einen Tisch zwischen Tresen und offener Glasfront: „Den Fernseher“ nennt er den leeren Platz. Früher saßen dort immer Gäste und rauchten. Früher.
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