L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Raus mit den Spielhallen: Kleinblittersdorfer machen sich Luft

Kleinblittersdorf. 30 Kleinblittersdorfer hatten nicht nur ihre Wut ins Rathaus mitgebracht. Sie drückten am Mittwoch Bürgermeister Stephan Strichertz eine Liste mit mehr als 500 Unterschriften in die Hand. Jeder Namenszug ist ein Protest gegen Spielhallen. Drei gibt es bereits entlang der Hauptstraße. Für drei weitere gingen Anträge bei der Gemeinde ein. Ute Gitzhofer ließ ihrem Ärger freien Lauf. „Wir zogen vor 20 Jahren nach Kleinblittersdorf, und uns gefiel es hier auf Anhieb. Heute werden wir gefragt, wie wir auf die Idee kamen, in so einen Ort zu ziehen“, sagte die Spielhallen-Gegnerin. Strichertz' Gäste ärgert noch mehr. „Es wird davon geredet, wie toll unsere Ortsdurchfahrt ist. Aber wegen der Casinos sind alle Parkplätze belegt. Alte Leute mit Rollatoren müssen über die Straße laufen“, sagte Roland Schmidt wütend. Adelheid Zehnter ergänzte: „Der Lärm vor den Casinos dauert bis mitten in die Nacht. An Schlaf ist nicht zu denken. Außerdem liegt in jeder Ecke Dreck, und keiner kümmert sich drum. Es ist eine Schande, was wegen der Casinos aus unserem Ort wird.“

Auch in Backshops dürfen Spielautomaten hängen

Ein Bürger erzählte, wie in sein Haus ein Casino sollte. „Mir wurde gesagt, man wolle einen Backshop eröffnen und wolle deshalb Räume bei mir mieten. Dann erfuhr ich, dass man selbst in Backshops Spielautomaten aufhängen darf. Und im Handumdrehen wäre aus einem Backshop ein Casino geworden, und man könnte rechtlich gar nichts dagegen machen. Als ich das durchschaut hatte, lehnte ich ab. Danach wurden die Investoren persönlich“, erzählte der Bürger. Er hält sich zugute, dass er zum Wohle des Klimas im Ort auf die attraktiven Mieten verzichtete.

Das Klima hat aber offenbar längst gelitten. „Ich wurde bereits dreimal mit dem Messer bedroht“, sagte eine Geschäftsfrau. „Das waren keine Deutschen, das habe ich gehört. Mir ist nichts passiert, und viel gibt es bei mir auch nicht zu holen. Aber für mich ist klar: Wer in den Casinos sein Geld verliert, versucht, es irgendwie zurückzubekommen.“

„Wir brauchen ein Gesetz, das Spielhallen verbietet."

Strichertz hörte lange zu und erklärte die Situation bis ins Detail. „Uns wäre es auch lieber, es gäbe diese Spielhallen nicht. Wir haben eine Veränderungssperre erlassen, so dass keine weiteren Hallen eröffnet werden können. Gegen die, die schon da sind, können wir rechtlich so gut wie nichts mehr machen. Hier ist klar der Landesgesetzgeber gefordert“, sagte der Bürgermeister und fordert eine schnelle Reaktion. Auch mit Blick darauf, dass überwiegend Franzosen in die Casinos gehen. „Wir brauchen ein Gesetz, das Spielhallen verbietet. In Frankreich gibt es das. Dort sagt eine Kommune Nein, und das Thema ist vom Tisch. Wir haben einen Riesenstress, obwohl es viel einfacher ginge.“

Bei Strichertz stehen aber nicht nur Spielhallen-Gegner auf der Matte. „Betreiber schickten mir ihre Angestellten mit Kindern vorbei und warfen mir vor, dass ihre Leute arbeitslos werden, wenn die Casinos schließen. Hausbesitzer, die gern vermieten würden, warfen mir vor, die Veränderungssperre nehme ihnen die Möglichkeit, genauso lukrative Mieten zu erzielen wie andere. Wahnsinn, welche Kreise das zieht.“

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