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Rauswurf einer Mutter aus Saarbrücker Modegeschäft zieht Kreise bis ins EU-Parlament

Die dreifache Mutter Jennifer Baltes ist zum ersten Mal aus einem Modegeschäft geworfen worden, weil sie ihre Tochter Nova Sun stillen wollte. Foto: Dominik Block

Die dreifache Mutter Jennifer Baltes ist zum ersten Mal aus einem Modegeschäft geworfen worden, weil sie ihre Tochter Nova Sun stillen wollte. Foto: Dominik Block

Als sie ihr Kind im Zara Store stillen wollte, musste Jennifer Baltes mit ihrer sieben Monate alten Tochter Nova Sun das Modehaus verlassen. Sie war in der Kinderabteilung, als sie merkte, dass ihre Tochter quengelte, weil sie Hunger hatte. „Ich habe dann eine Mitarbeiterin gefragt, wo ich diskret stillen könnte“, erzählt die 33-Jährige aus Achtelsbach bei Birkenfeld. Zunächst habe diese ihr einen Hocker besorgt und sie in die geschlossene Umkleide gebracht.

 

Kurz darauf sei ein weiterer Mitarbeiter auf sie zugekommen und habe ihr gesagt, dass sie dort nicht stillen dürfe. „Die Mitarbeiter haben mir dann angeboten, dass ich kurz gehen kann, um meine Tochter zu stillen, und danach weitershoppen könnte“, sagt Baltes. Die dreifache Mutter ist fassungslos. Das sei ihr bisher noch nicht passiert, sagt sie.

 

In der Zwischenzeit hat sich eine Sprecherin von Zara in Hamburg für den „unglücklichen Vorfall“ entschuldigt. „Er stellt ein einmaliges Missverständnis dar“, sagte Sprecherin Frauke Schmidt. Das Stillen sei ein Recht aller Mütter , das diese jederzeit und überall in jedem Geschäft des Unternehmens ausüben dürften.

 

Dennoch hat der Fall in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt, auch die Politik schaltete sich ein. Arne Gericke, ein Europa-Abgeordneter der Familien-Partei aus der Nähe von Rostock, kritisierte das Verhalten der Zara-Mitarbeiter: „ Stillen ist das Natürlichste der Welt. Eine junge Mutter deswegen des Ladens zu verweisen, ist unsäglich – es ist diskriminierend“, sagt er.

 

Stephanie Karsch vom Projekt „Mama stillt“ hat anlässlich des Saarbrücker Falls gemeinsam mit Gericke zu einer EU-Stillstunde am Sonntag, 28. August, von 15 bis 16 Uhr aufgerufen. Mütter sind EU-weit dazu aufgerufen, ihr Kind in dieser Zeit öffentlich zu stillen. „Es ist eine kleine Art des Protests“, sagt sie. Ein Flashmob oder eine Demonstration sei für sie zu radikal. Der Tenor der EU-Stillstunde: „Wir wollen zeigen, dass Stillen etwas Natürliches und Friedliches ist“, erläutert Karsch. Bundesweit kommen Vorfälle wie der von Jennifer Baltes täglich vor. „Ich bekomme pro Tag 50 Nachrichten und da ist mindestens ein Vorfall dabei“, sagt Karsch. Das Stillen gehöre aktuell immer noch in die Grauzone und sei an der Grenze zum Exhibitionismus. „Wir brauchen hierzulande auch das Gesetz des öffentlichen Stillens wie in Kanada“, sagt Karch.

 

Im Saarland seien solche Vorfälle selten, sagt Andrea Dansoko, Vorsitzende des Saarländischen Hebammenverbandes: „Mir fällt nur ein Fall vor einigen Jahren in einem Saarbrücker Café ein, heute gibt es dort aber sogar eine Stillecke.“ Der Konflikt im Saarbrücker Modegeschäft sei erschreckend und traurig. „ Stillen sollte heutzutage als selbstverständlich gelten“, meint Dansoko.

 

Julia Afgan von der Saarbrücker Stillgruppe La Leche Liga sind überwiegend positive Erfahrungen bekannt. „Solche Vorfälle sind selten. Normalerweise werden stillende Mütter freundlich und liebevoll willkommen geheißen“, sagt sie. Sie empfiehlt Frauen, die solche Erfahrungen machen, ruhig zu bleiben. Am besten fordere man ein Gespräch mit dem Vorgesetzten, empfiehlt Afgan.

 

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