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Rechtsanwalt als untreuer Testamentsvollstrecker?

Ein Rechtsanwalt aus Saarlouis steht seit gestern als Angeklagter vor dem Landgericht. Seine Zulassung als Anwalt hat der 65-Jährige im vergangenen Jahr freiwillig zurückgegeben. Er stellte seine Tätigkeit ein, nachdem bei „Spiegel TV“ ein Beitrag über seine Machenschaften erschien. Jetzt ist er in Privatinsolvenz.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Untreue im besonders schweren Fall. Die Anklageschrift umfasst 80 Punkte. Am schwersten wiegt wohl die Abwicklung des Testaments einer verstorbenen Frau. Sie bedachte ein Hospiz für sterbende Menschen, die Kindernothilfe und die Krebsforschung mit sechsstelligen Beträgen. Aber der Anwalt überwies 1,4 Millionen Euro an einen Mann aus Belgien. Der soll Vorsitzender einer Golfgesellschaft sein. Welchen persönlichen Vorteil der Angeklagte daraus zog, ist bisher nicht bekannt. Zur Aufklärung könnte der Zahlungsempfänger beitragen. Doch gestern erschien nur ein belgischer Rechtsanwalt als Zeuge. Der Zahlungsempfänger stecke fest, weil es einen Eisenbahnerstreik gebe. Er wird jetzt an einem der weiteren Verhandlungstermine Ende November erwartet.

Andere Anklagepunkte betreffen überhöhte Forderungen für die Tätigkeit als Testamentsvollstrecker. Nach Berechnung der Staatsanwaltschaft hätten ihm bei einem Fünf-Millionen-Nachlass knapp 100 000 Euro zugestanden, er soll aber rund 70 000 Euro mehr berechnet haben.

Eine Verständigung über einen Deal vor Gericht scheiterte, weil der Angeklagte nur zu einem Teilgeständnis bereit war.

Der Verteidiger wies darauf hin, dass dem Anwalt sowohl Gebühren für die Testamentsvollstreckung zustehen als auch für die Verwaltung des Nachlasses. Über den Wert der verschiedenen Immobilien gebe es nur grobe Wertermittlungen, maßgebend seien aber genaue Verkehrswertgutachten. Beispielsweise habe eine Gutachterin den Wert einer Immobilie mit fünf Millionen Euro angenommen, bei dem späteren Verkauf seien nur 950 000 Euro erzielt worden. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
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