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Rektor im Wartezimmer: Besuch im Ausweichdomizil der HTW

Das fertige HTW-Hochhaus in Alt-Saarbrücken steht leer. Wann dort Lehre und Forschung beginnen, ist ungewiss.

Das fertige HTW-Hochhaus in Alt-Saarbrücken steht leer. Wann dort Lehre und Forschung beginnen, ist ungewiss.

Es dauert ein bisschen, bis man sich an das von Bauzäunen umgrenzte Gebäude herangepirscht hat. Die ehemalige Französische Botschaft in Alt-Saarbrücken, Anfang der 1950er Jahre nach Plänen des Architekten Georges-Henri Pingusson erbaut, steht seit 2014 leer. Oder doch zumindest fast leer. Denn eine neue Klingel am Nebenflügel des sanierungsbedürftigen Gebäudes zeigt an, dass sich hier neue Bewohner einquartiert haben. „HTW Saar“ steht dort. Eine unauffällige Holztür führt direkt ins ehemalige Wohnhaus des französischen Botschafters.

Drinnen ist die Zeit stehen geblieben. Über ein holzvertäfeltes Treppenhaus geht es in den zweiten Stock. Seit August ist hier die Leitung der Hochschule für Technik und Wirtschaft untergebracht, gewichen dem chronischen Platzmangel auf dem Alt-Saarbrücker Campus. 30 Büros sind so frei geworden.

„Man hat das hier leider ziemlich verwohnen lassen“, entschuldigt der neue Hausherr, HTW-Rektor Wolrad Rommel, das leicht angeschlagene Parkett in den hinteren Gemächern. Im ehemaligen privaten Arbeitszimmer des Botschafters sind die Wände mit dunklem Leder bespannt. Sehr stilvoll – aber „wohlmöglich würde man hier auf Dauer depressiv“, meint Rommel.

Er selbst hat sein Büro zwei Räume weiter, weiße Wände und ein farbenfrohes Gemälde statt braunem Leder, auf einem Tischchen thront ein Samowar, am Boden ein riesiges Hundebett – „Meine alte Labradorhündin kommt manchmal zu Besuch.“ Das Parkett ist frisch saniert, doch die neuen weißen Möbel wollen nicht so recht hierherpassen. „Alles Hochhaus“, erklärt Rommel und macht eine Handbewegung in Richtung Westen.

Dort, knapp 1000 Meter Luftlinie entfernt, ist seit zwei Jahren das Rommel eigentlich zugedachte Büro fix und fertig. Doch wegen Brandschutzmängeln kann der Neubau nicht bezogen werden. Die Möbel wurden deshalb aus dem Hochhaus hierher verfrachtet.

Der Blick von Rommels Büro geht auf den Park, irgendein Frühblüher trägt altrosa. Seine Begeisterung für das Ausweichquartier kann er kaum verhehlen: „Man fühlt sich wie in einem französischen Schloss.“

Nein, besonders eilig scheint es der Rektor mit dem Umzug ins neue Hochhaus nicht zu haben. „Das Hochhaus ist nicht mein Problem. Ob wir das im nächsten oder erst im übernächsten Jahr nutzen können, ist für uns als Hochschule nicht relevant.“ Das akute Raumproblem habe er mit dem neuen Campus für die Architekten in Göttelborn gelöst, die Sozialwissenschaftler seien am Rastpfuhl versorgt. Es brenne woanders, und zwar ganz gewaltig: „Was ich dringend brauche, ist ein langfristiges Hochschulkonzept“, sagt Rommel. Mehr Fläche müsse dringend her, und zwar „unabhängig davon, ob das Hochhaus bezogen werden kann und das Zentralgebäude steht“. Diese beiden Gebäude lösten sein Problem nicht: „Das will auch niemand wahrhaben, dass das Hochhaus eigentlich viel zu klein ist.“

Die Hochschule, ursprünglich für 4000 Studenten angelegt, platze mit aktuell über 6000 Studenten aus allen Nähten. Der Campus in Alt-Saarbrücken sei überfüllt, enormer Sanierungsbedarf verschärfe das Problem. Einigen Gebäuden drohe sogar akut die Schließung. „In Gebäude 3, wo Labore und die Mensa untergebracht sind, habe ich ein handfestes Brandschutzproblem“, sagt der HTW-Rektor. Wenn da in drei Monaten nichts passiere, müsse er es räumen lassen.

Hinzu komme, dass sich die HTW zunehmend über ihre Forschung finanziere, viele Ausschreibungen seien an den Standort gekoppelt. „Müsste allein das Land die Hochschule bezahlen, würden wir zusammenbrechen“, sagt Rommel. Der reine Drittmittelanteil im 40-Millionen-Jahresetat betrage mittlerweile 20 Prozent. Um das auszubauen, brauche die HTW langfristig mehr Raum für ihre Forschungsprojekte.

Da es politischer Wille sei, dass die HTW nach Alt-Saarbrücken gehört, „erwarte ich jetzt auch Taten“, sagt Rommel. In Alt-Saarbrücken gibt es für ihn nur zwei Lösungen für eine Campuserweiterung: Eine Sanierung des Pingusson-Baus oder den Erwerb von Grundstücken der Stadtwerke.

Um den Pingusson-Bau rangeln zahlreiche Interessenten mit unterschiedlichen städtebaulichen Interessen. Mit einer zügigen Lösung für dessen Nutzung rechnet Rommel nicht: „Dafür drückt mir zu sehr der Schuh.“ Unabdingbar sei daher der Ankauf von Grundstücken.

An Ideen, wie man das insgesamt 25 000 Quadratmeter große Areal des Pingusson-Baus nutzen könnte, mangelt es Wolrad Rommel trotzdem nicht. Den Park könnte man für das Viertel öffnen, die angrenzende Hohenzollernstraße verkehrsberuhigen, Cafés ansiedeln. Eine Fußgängerbrücke würde Campus und Kongresszentrum verbinden und im Wirtschaftstrakt wäre ausreichend Platz für Labore. Auch ein Hochschulrektor darf träumen. Geht es nach den Plänen von HTW-Rektor Wolrad Rommel, bleibt der Fachbereich Architektur für die nächsten fünf Jahre an seinem neuen Standort in Göttelborn. Auch eine mögliche Nutzung des HTW-Hochhauses werde daran nichts ändern, erklärte Rommel. Für Verwaltung, Sozialwissenschaften und Architektur sei das Hochhaus viel zu klein, zudem benötige er dringend Raum in Alt-Saarbrücken als Puffer für die Ingenieurwissenschaft, die mit 3000 Studenten besonders unter der Raumnot leide. „Wir werden das Hochhaus auch ohne die Architekten voll nutzen“, sagte Rommel.

In Göttelborn hätten die Studenten mehr Platz und Entfaltungsmöglichkeiten. „Der Fachbereich ist dort bestens untergebracht“, sagte Rommel. Die Hochschule habe ein Mobilitätskonzept entwickelt, nach dem unter anderem eine Bushaltestelle verlegt sowie Shuttlebusse und Sammeltaxis eingerichtet werden sollen. Der Umzug des Fachbereichs soll zum Sommersemester über die Bühne gebracht sein.  
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