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Rentner (56) baute Haschisch im Garten an

Wegen des Besitzes von drei Kilo illegaler Drogen hat das Amtsgericht einen Saarbrücker zu einem Jahr Gefängnis mit Bewährung verurteilt. Der 56 Jahre alte Frührentner hatte Haschisch in seinem Garten angebaut.

Von SZ-Redakteur Wolfgang Ihl

Saarbrücken. „Pflanzen Sie doch Sonnenblumen in Ihren Garten. Die wachsen auch schön. Und sie werden noch höher als Haschisch-Pflanzen.“ Mit diesem freundlichen Rat der vorsitzenden Richterin endete kürzlich der Strafprozess gegen einen Frührentner vor dem Saarbrücker Amtsgericht.
Dort wurde ein 56 Jahre alter Hobby-Gärtner aus Saarbrücken zu einem Jahr Gefängnis mit Bewährung verurteilt. Sein „grüner Daumen“ war ihm damit gewissermaßen zum Verhängnis geworden. Und zwar im September des vergangenen Jahres, als er sich eigentlich auf eine ertragreiche Ernte vorbereiten wollte. Denn damals standen im Garten des Mannes acht mehr als 2,50 Meter hohe Cannabispflanzen. Das freute zwar den 56-Jährigen, störte aber offenbar irgendjemanden in der Nachbarschaft.

Drei Kilo Blätter und Blüten

Jedenfalls tauchte Mitte September plötzlich die Polizei bei ihm auf und erntete, was sie nicht gesät hatte. Rund drei Kilogramm Blätter und Blüten der Haschisch-Pflanzen sammelten die Beamten ein. Das waren gemäß Strafgesetzbuch insgesamt drei Kilo Drogen, deren Besitz ein schwerwiegendes Vergehen ist.
Das sahen der Angeklagte und sein Verteidiger offenbar genau so. Jedenfalls betonte der Anwalt sofort: „Die Anklage ist richtig.“ Sein Mandant lebe von weniger als 1000 Euro Rente im Monat. Er konsumiere Haschisch und habe es selbst angebaut. Auch deshalb, weil es ihm Spaß gemacht habe, etwas zu konsumieren, was er selbst angebaut habe. Weil er mit diesem Hobby, nach einem schweren Unfall und vielen Jahren ohne Arbeit, endlich etwas zu tun gehabt habe. Wozu der 56-Jährige strahlend meinte: „Es war ein großes Abenteuer.“ Es sei ein Vergnügen gewesen, die Pflanzen wachsen zu sehen. „Ich war stolz. Es war schön“, meinte der Angeklagte.
„Es war illegal“, entgegnete die Richterin: „Bauen sie in Zukunft was Legales an. Mais, Rosen, irgendetwas. Das wächst auch schön.“ Ähnlich sah das auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Er sagte: „Das ist kein Spaß.“ Es gehe um eine schwere Straftat, für die gemäß Strafgesetzbuch mindestens ein Jahr Gefängnis verhängt werden müsse. Mindestens.

Angeklagter erleichtert


Wobei es im konkreten Fall mit dieser Mindeststrafe aber auch gut sein dürfte. Der Angeklagte sei seine Pflanzen los, seine Utensilien zu deren Pflege und habe seinen Fehler eingesehen. Er werde es nicht wieder tun. Deshalb müsse er nicht zwingend ins Gefängnis. Es genüge eine Haftstrafe auf Bewährung.
Dieser Ansicht waren auch der Verteidiger, die Richterin und die Schöffen. Zum Abschied schrieben sie dem sichtlich erleichterten Mann ins Stammbuch: „Finger weg von der Cannabis-Zucht.“ Noch einmal etwas in Richtung Haschisch und es sei mit seiner Freiheit vorbei.

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