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Rentnerin um mehrere zehntausend Euro betrogen

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Die "Glückspost" seit Jahresbeginn.

Saarbrücken. 30 rührende Briefe am Tag, die Glück und Reichtum verheißen - das hält der stärkste Mensch nicht aus, geschweige denn ein betagter und gebrechlicher wie Heide Franz (Name geändert) aus der Nähe von Saarbrücken. Die 84-Jährige, seit fast 20 Jahren verwitwet und allein lebend, ist vor vermutlich sieben bis acht Jahren erstmals in die Fänge von gewerblichen Glücksspielern und gerissenen Geschäftemachern geraten. Sie agieren allesamt aus dem Ausland und schicken Briefe, die entweder wie amtliche aussehen oder persönliche Ansprache vortäuschen, obwohl es sich um Massensendungen handelt.

Zuerst gingen Heide Franz bei Brief-Lotteriespielen 40.000 Euro Erspartes verloren, ohne dass auch nur ein Cent Gewinn zurückgeflossen wäre. Das Geld hatte sie meist per Scheck nach Amerika, Spanien und Holland geschickt. Danach nahm die Seniorin einen Kredit bei ihrer Sparkasse auf, um sich von dubiosen Beratern und Esoterikern zurück auf die Erfolgsspur führen zu lassen. Weisheit, Glück und Geld waren in Aussicht gestellt worden. Auch dies blieb ein unerfülltes Versprechen. Wie ihr vom Amtsgericht eingesetzter ehrenamtlicher Betreuer unserer Zeitung schilderte, habe die gutgläubige Rentnerin auch einen Großteil ihrer monatlichen Rente von 3000 Euro für Amulette, Pendel, angeblich Haare von "Auserwählten", Rat am Telefon (1,99 Euro pro Minute!) und sonstige "Glücksbringer" ausgegeben. Mehrfach bedankte sie sich in handgeschriebenen Briefen bei den Briefkastenfirmen, dass diese ihr Aufmerksamkeit schenkten. Die Adressen hatte sie aus Fernsehzeitungen. Der Betreuer war auf Betreiben von Angehörigen der Frau vom Gericht bestellt worden, nachdem die 84-Jährige krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage schien, ihren Alltag allein zu bewältigen.

Wie konnte sich eine intelligente Frau, die aufgrund ihres beruflichen Lebens über kaufmännischen Verstand verfügt, so übers Ohr hauen lassen? Der Betreuer kann auch nur spekulieren: Einsamkeit, eine ohnehin vorhandene Neigung zum Spiel, Gutgläubigkeit, später Wunschvorstellungen, Demenz. Manchmal, so heißt es, in seinen wachen Momenten, begreife das Opfer, was ihm widerfahren sei. Am nächsten Tag stöbere es aber wieder in den tröstenden Briefen von "Stella Angelstone" oder "Monsieur X", die angeblich Lottozahlen der übernächsten Woche kennen, für 49 Euro.

Der Betreuer hat Abbuchungen gestoppt und verweigert Zahlungen. Die Rente bleibt jetzt wieder für die wichtigen Dinge des Lebens, vor allem eine gute Pflege. Was man aus solch einem gerade noch mal gut gegangenen Fall lernen kann: Das Glück kommt nie per Post aus Las Vegas.
Peter Wagner
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